
Gabriele Schuster ist begeistert von den Fotos aus Ghana, die Antonia Bartning im Steglitz-Museum zeigen wird. Foto: Gogol
Nicht eine, nicht zwei, nicht drei – nein, vier Ausstellungen eröffnet der Heimatverein Steglitz am Sonntag, 31. August, in seinem Museum an der Drakestraße.
Eigentlich sollten es sogar fünf sein, doch die Hauptausstellung über das Winterhilfswerk wurde auf das nächste Jahr verschoben – aus technischen und Autorengründen, erklärt Gabriele Schuster, die Vorsitzende des Heimatvereins.
Im Hauptraum wir nun die Frage beantwortet: Wie kommt Kandinsky auf das Geschirr? Zu sehen sind dabei eine Vielzahl von Kakaokannen und Tortentrommeln aus den 1920er und ’30er Jahren. Gleich mehrere Aspekte faszinieren ihn an den Gegenständen, sagt Ulrich Thomas, der einen Ausschnitt aus seiner Sammlung zeigt. Zum einen sind es die versunkenen Kulturgüter, denn Kakaokannen gibt es nicht mehr, seit der Instant-Kakao Einzug hielt, so der Steglitzer. Zum anderen ist es die Kunst daran, denn die Dekore gehören zur Kunstrichtung Avantgarde. Die „kühnen Formen“ fanden ihren Weg auf Alltagsgegenstände wie eben die Kannen und Tortentrommeln. Doch die Nazis verboten Avantgarde als entartete Kunst. Zum dritten ist es der technische Aspekt. Die Kannen entstanden an der „Schnittstelle zwischen Manufaktur und radikaler Automatisierung“, so der Sammler. Denn während die Form der Kannen dank Reproduktion immer gleich wiederholt und das Geschirr damit in großer Stückzahl gefertigt werden konnten, erfolgte die Bemalung noch per Hand. So ist jede Kanne in Thomas‘ Sammlung ein Unikat – man muss nur genau hinsehen.
Auch Petra Helfrich sammelt mit Leidenschaft: Puppen und Puppenstuben samt Inhalt. Eine Auswahl an Stuben und Puppen aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, aber auch moderne und zum Teil selbstgefertigte Einrichtungsstände zeigt sie in ihrer Ausstellung „Porträt der Puppen“.
Heute seien die Häuser detaillierter und ausgefeilter als früher, sagt Helfrich, die ihrem Hobby seit 30 Jahren nachgeht. „Früher mussten die Kinder noch mehr Phantasie haben.“
Doch in der Ausstellung geht es nicht nur darum zu zeigen, wie sich Puppenhäuser im Laufe der Jahrhunderte verändert haben, sondern auch um deren sozialen Aspekt. Vor dem 19 Jahrhundert waren diese Häuser Schauobjekte. Reiche Bürger ließen sich ihre Häuser klein nachbauen, um ihren Reichtum zu demonstrieren, so Schuster. Am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden die Häuser dann sozialisierendes Mittel, mit deren Hilfe Mädchen bürgerlicher Familien ihre Rolle als Hausfrau und Mutter erlernen und verinnerlichen sollten. Auch heute sei diese Bedeutung noch immer nicht verloren, was Schuster ärgert. Puppenhäuser – am besten noch in rosa – gelten noch immer als Spielzeug für Mädchen, technische Spielzeuge hingegen sind für Jungen. „Wer diese Zuordnung noch immer trifft, hat nichts verstanden“, findet die Vereinsvorsitzende.
Helfrich sammelt aber nicht nur alte Puppen und Puppenhäuser, sie fertigt sie auch selbst. Die kann man in der Ausstellung übrigens auch kaufen.
Die dritte Ausstellung zeigt Fotografien von Antonia Bartning, die diese in Ghana aufgenommen hat. Sie zeigen Menschen von und das Leben an der Elfenbeinküste. Beeindruckt ist Schuster von den Bildern der Studentin. Sie zeigten eine Wirklichkeit, mit der man sich auseinandersetzen müsse.
Die Zeichnungen von Lilla von Puttkamer hingegen, die in der vierten Ausstellung zu sehen sind, rücken das in den Mittelpunkt, was man nicht sieht, das, was zwischen Menschen geschieht und was schwer erklärbar ist, so Schuster. „Meine Bilder sind Momentaufnahmen aus meiner unmittelbaren Umgebung und erzählen Geschichten von unerklärlichen Dingen. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seinen Leidenschaften und Verstrickungen. Schattenwelten, Projektionen und Erinnerungen laden ein zum Blick in einen Traumspiegel, eine Reflexion des Halb- und Unbewussten“, so die Malerin über ihre Werke.
Doch warum vier Ausstellungen auf einmal? Es gebe Künstler oder Sammler, die eine eigene große Schau nicht alleine bestreiten könnten, so Schuster. Ihnen möchte man die Chance geben, sich zu präsentieren. Auf diese Weise gewinnen sie auch Zuschauer, die in eine Einzelausstellung gar nicht gekommen wären. Für Bartning etwa ist es die erste Ausstellung und Lilla von Puttkamer sei sehr zufrieden damit, quasi im Rahmen gezeigt zu werden.
Bei allen Unterschieden gebe es doch auch Gemeinsamkeiten zwischen den Schauen, findet Schuster. Denn sie zeigten, wie sich Gesellschaft verändert. „Geschichte ist nicht nur Vergangenheit, sondern auch Gegenwart und Zukunft.“
*
Alle Ausstellungen werden am Sonntag, 31. August, um 15 Uhr im Steglitz-Museum, Drakestraße 64A, eröffnet. Gabriele Schuster wird die Gäste in die Schauen einführen, zudem besteht die Möglichkeit, mit den Ausstellern ins Gespräch zu kommen.
(go)












Symbolbild: Der unvergessene "Zick-Zack-Radweg" in der Leo-Baeck-Straße in Zehlendorf (2018). | Foto: Baumann[/caption]
Der ADFC will’s wissen: Bis zum 30. November können Radfahrerinnen und Radfahrer bewerten, wie fahrradfreundlich Berlin ist.
Wie ist der Zustand der Radwege? Wie viel wird fürs Radfahren schon getan? Macht Radfahren Spaß oder ist es eher Stress? Wie bewerten die Menschen das Fahrradklima in Berlin? „Die Ergebnisse zeigen, wo Berlin beim Radverkehr wirklich steht und wo noch nachgebessert werden muss. Wir rufen alle Radfahrerinnen und Radfahrer dazu auf, bei der großen Umfrage mitzumachen“, sagt Marlene Alber, Politische Referentin des ADFC Berlin. Die Erhebung wird seit 2012 alle zwei Jahre durchgeführt und vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Im Jahr 2024 beteiligten sich rund 213.000 Menschen in über 1000 Orten in Deutschland. Das bundesweite Ranking der fahrradfreundlichsten Städte und weitere Ergebnisse der Befragung werden im Frühjahr 2027 vorgestellt.
Zum ersten Mal widmet der ADFC Kindern und Jugendlichen eine eigene Umfrage im ADFC-Fahrradklima-Test. Was brauchen junge Menschen, um selbstständig mit dem Rad unterwegs zu sein? Die Umfrage soll zeigen, was beim Radfahren gut funktioniert, was Schwierigkeiten macht und was sich verändern muss, damit Kinder und Jugendliche gerne oder überhaupt auf das Fahrrad steigen.
Wie sicher fühlt sich Radfahren an? Sind die Radwege breit genug und in einem guten Zustand? Wie häufig wird das Fahrrad genutzt? Die Online-Befragung zum ADFC-Fahrradklima-Test besteht aus 27 Fragen, dauert rund zehn Minuten und läuft bis zum 30. November 2026.
Infos zum ADFC Fahrrad Klima Test: