Nach den Olympischen Spielen braucht Katharina Otte ein wenig Abstand vom Hockey. Foto: Gogol

„Olympia ist das Größte, was ein Sportler erleben kann“, wenn Katharina Otte das sagt, dann schwingt immer ein wenig Wehmut mit. Denn mit dem Deutschen Hockeyteam konnte die Spielerin des Berliner Hockey Clubs (BHC) nicht erreichen, was sie sich für London vorgenommen hatte. Statt mit einer Medaille in der Tasche nach Hause zu fahren, wurde es nur ein siebter Platz. „Es ist eine riesengroße Enttäuschung“, sagt sie.

Der Druck, eine Medaille zu gewinnen, sei groß gewesen, erzählt sie. Doch der Druck kam eher von ihr selbst, denn von außen. Zudem sollten es die letzten Olympischen Spiele von Teamkollegin Natascha Keller werden. „Ich hätte es mir gewünscht, mit ihr eine Medaille zu gewinnen. Das hätte sie verdient“.

Doch das Turnier startete schon falsch. „Es fühlte sich nie so an, als ob man im Turnier ist“, erinnert sich Otte. Und dann war es auch schon vorbei. „Man macht und tut das ganze Jahr, und dann ist der Traum innerhalb von einer Minute geplatzt“. Doch das sei eben das Besondere an Olympia: „Es gibt kein Hintertürchen, du musst auf den Punkt da sein“.

Die Enttäuschung nach dem Ausscheiden sei groß gewesen, so Otte. „Wir sind deutlich gescheitert. Es ist eine Leere, die entsteht“.

Der große Empfang in Hamburg und Berlin habe ein wenig darüber hinweg geholfen. Obwohl es auch ein bisschen irreal gewesen sei. „Man fühlt sich da gar nicht angesprochen“, beschreibt Otte ihre Eindrücke. Eben weil sie es nicht gewohnt sei, so im Mittelpunkt zu stehen.

„Die Schläger will ich jetzt eigentlich nicht sehen“, gesteht die Vize-Europameisterin von 2009. Doch sie weiß auch, „irgendwann werde ich sie dann sehr vermissen.“ Bis dahin allerdings kann sie sich gut ablenken. Zum Beispiel mit Hochzeitsvorbereitungen. Teamkollegin und Freundin Anke Brockmann heiratet in ein paar Tagen. Und dann beginnt auch die Universität bald wieder. Das Studium habe sie im vergangenen Jahr wegen der Olympia-Vorbereitungen vernachlässigt, jetzt heiße es wieder zurück in den Alltag, wobei auch Freunde und Familie helfen. Das berühmte „Dabei sein ist alles“ allerdings könne sie nicht mehr hören.

Träume und Ziele gibt es sportlich noch viele, so etwa die nächsten Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. „In vier Jahren habe ich das ideale Alter für eine Hockeyspielerin erreicht“, findet die 25-Jährige. Und schließlich gilt es zu beweisen, dass das Team mehr kann. „Das, was in London passiert ist, kann es nicht gewesen sein“.

Doch was bleibt von London außer die Enttäuschung? „Dass Taschi (Natascha Keller; Anm. d. Red.) die Fahne tragen durfte, die Eröffnungsfeier, das Gefühl, dass es sich lohnt für seine Träume und Ziele viel zu investieren. Olympia hat ein besonderes Flair. Man ist umgeben von Menschen, die fühlen das gleiche, die opfern das gleiche.“ Für sie seien diese drei Wochen nicht real gewesen, eher wie eine Scheinwelt. „Ich kann verstehen, dass Taschi fünf Mal dabei war“, sagt Otte lächelnd und verabschiedet sich zum Tennisspiel mit Natascha Keller.

 (go)