Seewanderung: Grunewaldsee

Seewanderung: Grunewaldsee
Jagdschloss Grunewald am Grunewaldsee, Foto: Norman Heise

Jagdschloss Grunewald am Grunewaldsee, Foto: Norman Heise

 

Mehrere Millionen Spaziergänger pro Jahr, dazu hunderttausende Hunde – doch der Grunewaldsee im Berliner Westen gibt sich ganz entspannt.

Als See kann man sich seinen Standort nicht aussuchen. Und der Gletscher, der vor Jahrtausenden sein Schmelzwasser in die Teltower Platte entließ, konnte ja nicht ahnen, dass an den Furchen, die sein Wirken hinterließ, eine Großstadt entstehen würde.

Die Schmelzwasserrinne ist heute an der Grunewaldseenkette vom Hundekehlensee bis zur Krummen Lanke nachvollziehbar. Der Grunewaldsee liegt in der Mitte dieser Reihe auf dem Gebiet des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf. Teile des Ufers, darunter auch das Gelände des Jagdschlosses, gehören zum Nachbarbezirk Steglitz-Zehlendorf.

„Haus zum grünen Walde“ nannte Kurfürst Joachim II das Schloss, es war der Ursprung des späteren Namens für das gesamte Waldgebiet – und der Beginn eines jahrhundertelangen Raubbaus. Der hohe Wildbestand – selbst der untalentierteste Adlige sollte erfolgreich zum Schuss kommen – drängte den Laubholzbestand zurück.

Es folgten ein zunehmender Siedlungsbau und Nachfrage nach Bauholz. Schließlich sorgten im 19. Jahrhundert der Bau von Villenkolonien und Siedlungen für erhebliche Flächenverluste. Gleichzeitig trug die entstehende Infrastruktur (Wannseebahn, Havelchaussee, Ausflugsgaststätten) zur Etablierung des Waldes als Naherholungsziel bei.

Nach öffentlichem Druck kaufte der kommunale Zweckverband Groß-Berlin 1915 große Waldflächen vom Preußischen Staat, darunter auch den Grunewald. 1920 verpflichtete sich die Rechtsnachfolgerin Stadt Berlin, den Grunewald zu erhalten.

Dennoch: Brände im Zweiten Weltkrieg und Abholzungen in der Nachkriegszeit zerstörten ca. 60 % des Baumbestandes im Grunewald, weitere Flächen für die Wiederaufforstung gingen durch die Ablagerung von Trümmerschutt und den Bau militärischer Anlagen verloren.

Der Grunewaldsee hat das alles schweigend mitangesehen. Die Jäger, die Spaziergänger, die Holzdiebe, die Bombardierungen. Als es ihm schlechter ging, wurde das Baden verboten und die Nacktbadestelle verschwand. Stattdessen kam das Hundeauslaufgebiet und mit ihm zahlreiche Vierbeiner.

Der Grunewald ist heute ein Landschaftsschutzgebiet. Teile davon gehören sogar zum europäischen Schutzprogramm NATURA 2000, weil hier seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum haben. Der südliche Teil des Grunewaldsees ist eines von insgesamt sechs NATURA-Gebieten im Grunewald.

Wir staunen über die Resilienz des Waldes und die Gelassenheit, die das Gewässer ausstrahlt. Sogar an einem trüben Adventssonntag geht es am Grunewaldsee trubelig zu. Wer selbst noch nicht auf den Hund gekommen ist, kann hier ein Schaulaufen verschiedenster Rassen erleben und hat immer einen neuen Begleiter an der Seite.

Die Runde beginnt auf dem Parkplatz am Forsthaus Paulsborn am südwestlichen Ende des Sees. Wir wollen den See diesmal im Uhrzeigersinn umrunden und lassen das Forsthaus rechts hinter uns. An der Abzweigung verlassen wir den Hauptweg nach halbrechts und erreichen so den unbefestigten Rundweg.

Der Teil zwischen Weg und Ufer ist durch einen Zaun abgesperrt. Der Bereich ist Naturschutzgebiet. Es gibt aber eine Stelle am Westufer, wo es direkt an das Wasser geht.

Wer sich an den Abzweigungen immer rechts hält, bleibt immer auf dem Weg um den See.

So erreichen wir den größeren Badestrand am nördlichen Ende des Sees. Hier geht es ein Stück direkt am Wasser entlang. Am Ende des Strandes führt eine Treppe zurück auf den Hauptweg. Hier nach rechts abbiegen. Nach ca. 100m geht rechts eine Treppe zum Ufer und unten angekommen, läuft man wieder direkt am Ufer zu einem weiteren Strand. Dieser endet an einem Zaun. Hier also wieder nach oben zum Hauptweg und nach rechts weiter.

Es folgt das Jagdschloss Grunewald. Ist es geöffnet, kann man direkt durch das Schloss laufen. Ansonsten führt ein Weg auch außen herum.

Auf der anderen Seite angekommen, sind es noch ca. 300m bis zum Forsthaus. Hier findet man einen großen Biergarten und gastronomische Angebote.

Nach weiteren ca. 150m ist die Runde dann zu Ende, wo sie begann.

Die Tour zum Nachwandern unter www.komoot.de

 

Norman Heise

 

 

 

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf berlin-familie.de.

Norman wandert fast jeden Sonntag um einen See herum. Meistens in Brandenburg, manchmal in Berlin, und sogar in seinen Urlauben findet er immer ein Gewässer, das sich umrunden lässt. Seine Ausflüge dokumentiert er auf seinem Blog und der Wanderplattform Komoot. Auf berlin-familie.de erscheinen die Tourbeschreibungen ergänzt um Wissenswertes, interessante Details oder kuriose Geschichten, die im Netz zu finden sind.

 

 

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„Perspektiven der Kinder und Jugendlichen machen unsere Entscheidungen besser“

[caption id="attachment_103286" align="aligncenter" width="400"] Johanna Martens in der BVV am 22. April 2026, Rede zum Thema Kinder- und Jugendparlament | Foto: Grüne Fraktion[/caption]   Steglitz-Zehlendorf bekommt ein Kinder- und Jugendparlament. Das hat die BVV in der vergangenen Woche beschlossen. Wir dokumentieren die Rede von Johanna Martens, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen, im Wortlaut: Wir haben vor anderthalb Jahren einstimmig beschlossen, ein Beteiligungsgremium für Kinder und Jugendliche auf den Weg zu bringen. Seitdem ist viel passiert: Es gab einen strukturierten Beteiligungsprozess, Gespräche in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und mit Fachkräften. Und vor allem mit den jungen Menschen selbst. Wir haben uns bewusst nicht vorab auf eine Struktur für ein solches Gremium festgelegt und diese den Kindern- und Jugendlichen vorgesetzt, sondern den Beteiligungsprozess ernst genommen. Das Ergebnis dieses Prozesses war eindeutig: Die Kinder und Jugendlichen in Steglitz-Zehlendorf wollen ein Kinder- und Jugendparlament. Das Kinder- und Jugendparlament wird demokratisch gewählt, breit zusammengesetzt aus Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereinen und weiteren Organisationen. Es gibt klare Regelungen zur Repräsentanz und zur Einbindung verschiedener Gruppen im Bezirk. Und mit der Änderung der Geschäftsordnung integrieren wir dieses neue Gremium in unsere Arbeit in der BVV: Das Kinder- und Jugendparlament wird zu den Sitzungen eingeladen, kann eigene Anträge in die BVV einbringen und erhält eine nachvollziehbare Rückmeldung, wenn Anträge abgelehnt werden sollten. Auch Rederechte sind vorgesehen. Das sind notwendige strukturelle Veränderungen, die echte Mitwirkung ermöglichen. Warum ist das so wichtig? Weil wir damit zeigen, dass wir die Anliegen junger Menschen ernst nehmen. Weil wir damit Vertrauen in die Bezirkspolitik schaffen. Und weil wir somit ganz konkret in und mit diesem Gremium etwas gegen Politikverdrossenheit tun. Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass Politik über sie hinweg entscheidet, sie nicht ernst nimmt. Doch wer früh erlebt, dass die eigene Stimme gehört wird und Einfluss hat, entwickelt Vertrauen in demokratische Prozesse. Mit diesem Beschluss heute können wir zeigen: Eure Perspektiven sind nicht nur willkommen – sie haben Gewicht. Gleichzeitig profitieren auch wir als Bezirksverordnete und der Bezirk selbst: Kinder und Jugendliche nehmen ihren Bezirk anders wahr als wir Erwachsene, haben oft einen anderen Blick auf ihren Alltag: auf Schulwege, Freizeitangebote oder öffentliche Räume. Sie sehen Probleme, die wir vielleicht übersehen würden und haben Ideen, auf die wir selbst nicht kommen würden. Diese Perspektiven machen unsere Entscheidungen als BVV besser. Deshalb geht es heute auch um Vertrauen: Vertrauen darin, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können und wollen. Und dass sie uns als Bezirkspolitik vertrauen können. Und es geht um Respekt: Respekt vor der Zeit, dem Engagement und den klaren Forderungen, die im Beteiligungsprozess formuliert worden sind. Ich möchte mich deshalb im Namen der Grünen Fraktion ausdrücklich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben: bei allen Kindern und Jugendlichen, die sich eingebracht haben, bei den Einrichtungen, Fachkräften und der Verwaltung, die diesen Prozess getragen haben. Sie haben die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute diesen Schritt gehen können.

Johanna Martens

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