In Berlins größtem Schulwettbewerb zum Klimaschutz gingen zwei vierte Plätze nach Steglitz-Zehlendorf, zum einen an die Grundschule am Insulaner, zum anderen an die Mühlenau- Grundschule. Sie erhielten dafür jeweils 500 Euro.
Die Grundschule am Insulaner beteiligt sich seit fünf Jahren an dem Wettbewerb „Berliner Klima Schule“. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf drei Themen, erläutert Katharina Jacob, die die Klimagruppe der Schule leitet. Da war zum einem das Thema Müll – Wertstoff oder Abfall? Die Schüler beschäftigten sich dabei mit Fragen, was man aus Müll alles machen kann, bastelten unter anderem Portmonees aus Tetra Packs. Dann schauten sie an der Schule, was und wie viel Müll anfällt und wie man ihn vermeiden kann.
Zweites Thema war die der Mobilität. Kinder der ersten und zweiten Klassen sollten dazu ermutigt werden, ohne Auto und Eltern zur Schule zu kommen. Dazu malten die älteren Schüler gelbe Fußspuren auf die Gehwege, um den Kindern den Weg zu zeigen, und veranstalteten eine Schulwegmeisterschaft. Die Kinder der fünften und sechsten Klassen befragten dabei die Schüler der Klassenstufen eins und zwei, wie sie zur Schule gekommen sind. Wer den Weg alleine meisterte, bekam dafür Punkte – und schließlich einen Preis.
An der Schule gibt es auch eine Klimagruppe. Die Kinder sind Klimabotschafter, halten Vorträge an anderen Schulen, auch außerhalb Berlins. Und weil sie so viel unterwegs sind, soll ein Teil der Siegprämie dafür genutzt werden, um die Reisekosten zu bezahlen, so Jacob. Auch Material für die Dokumentationen könnte davon gekauft oder vielleicht ein Dozent im kommenden Jahr bezahlt werden. Auf jeden Fall kommt das Geld der Klimagruppe zugute.
Zufrieden sei sie mit dem vierten Platz, erzählt die Lehrerin. Den hat man schon zwei oder dreimal gewonnen. An der Grundschule am Insulaner sind es die Klassen fünf und sechs, die sich mit dem Klimaschutz befassen. Da man eine musikbetonte Schule ist, sei es schwer die ganze Schule in den Wettbewerb zu involvieren, erklärte Jacob. Ansonsten wären die Chancen größer, auch mal einen ersten, zweiten oder dritten Platz zu holen. Mitmachen will man auch im kommenden Jahr wieder.
Der Wettbewerbsbeitrag der Mühlenau-Grundschule lautete „Wir tun was – Mobilität und Gesundheit“. „Unser Ziel ist es, dass Schüler sich mit den Folgen der Art und Weise der Mobilität auseinandersetzen. Die Schüler sollen sich fragen, ob es erforderlich ist, mit dem Auto zur Schule gebracht zu werden, oder ob es nicht schon ihrer eigenen Gesundheit, der Gesundheit anderer und der gesamten Umwelt zuträglicher ist, sich zu bewegen und zu Fuß oder per Fahrrad zur Schule zu gelangen“, heißt es auf der Homepage der Schule.
Und so setzten sich bei der Projektwoche „Zu Fuß zur Schule“ alle Klassenstufen mit dem Thema Mobilität auseinander. Es wurde darüber diskutiert, welche Möglichkeiten der Fortbewegung es gibt und welche Folgen sie für die Umwelt haben.
Insgesamt gab es 15 verschiedene Projekte, so wurde klimabewusst gekocht, es fand ein Energierundgang im Schulhaus statt, Sechstklässler besuchten die Schüleruni und bauten eine klimafreundliche Stadt; aber auch der Spaß kam nicht zu kurz, etwa bei einer Kiezrallye und einem Sportfest.
Träger des Wettbewerbs sind die Berliner Senatsverwaltungen für Bildung, Jugend und Wissenschaft sowie für Stadtentwicklung und Umwelt, die Gasag Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft sowie der BUND Berlin e.V. Ausgezeichnete Schulen werden besonders berücksichtigt bei der Vergabe von Mitteln aus dem Schulsanierungsprogramm für öffentliche Schulen.
(sn/go)













Darauf können sich alle einigen: Der Markt muss erhalten bleiben | Archivbild: Gogol[/caption]
Pläne für das Herz von Lichterfelde Ost: Eine faustdicke Überraschung und überwiegend schlechte Kompromisse.
Ein Kommentar von Stephan Voß
Wer hätte das gedacht? Das Bezirksamt bietet Bürgerinnen und Bürgern, Gewerbetreibenden, Marktleuten und anderen Interessierten an, über die künftige Gestaltung des Kranoldplatzes mitzuentscheiden. Das ist fast sensationell und von keinem anderen aktuellen städtebaulichen oder verkehrlichen Vorhaben des Bezirks gibt es Ähnliches zu berichten.
Noch bei der Erstellung der Machbarkeitsstudie Kranoldplatz wurde jede Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern vom zuständigen Stadtrat und Bürgermeisterkandidaten Urban Aykal abgelehnt. In der BVV am 18. Februar antwortete er im Rahmen der Einwohnerfragestunde auf die Frage, ob das Beteiligungskonzepts bzgl. des Umbaus des Kranoldplatzes auch die Stufe „Mitentscheidung“ beinhalte, sinngemäß, dass dies nicht vorgesehen sei.
Sinneswandel der Politik
Der nun offensichtlich erfolgte Sinneswandel bezüglich der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Umgestaltung des Kranoldplatzes ist absolut zu begrüßen – und zwar nicht nur, weil er unerlässlich dafür ist, dass trotz der widerstreitenden Interessen rund um den Kranoldplatz am Ende eine von den unterschiedlichen Interessengruppen akzeptierte Lösung für den Umbau des Platzes gefunden werden kann. Sondern auch, weil ernsthafte und weitgehende Betroffenenbeteiligung unerlässlich für die Förderung und den Erhalt einer demokratischen Kultur in unserem Bezirk ist, einer Kultur, in der Bürgerinnen und Bürger über die Entwicklungen in ihrem Kiez mitbestimmen können – und zwar nicht nur am Wahltag alle vier Jahre.
Mitentscheiden heißt Verantwortung übernehmen
Mitentscheiden über die künftige Gestaltung des Kranoldplatzes bedeutet natürlich auch, Verantwortung zu übernehmen und Verantwortung in der heutigen Zeit zu übernehmen heißt, insbesondere den Klimaschutz im Blick zu haben, heißt den Gesundheitsschutz ernst zu nehmen, heißt der Verödung der Städte und dem Verkehrskollaps in den Städten unter anderem durch eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität entgegenzuwirken, heißt für Verkehrssicherheit zu sorgen und es heißt vor allem auch die Bedürfnisse unserer Kinder und damit auch der nachfolgenden Generation im Blick zu haben. Kurz gesagt, Verantwortung übernehmen, mitentscheiden bedeutet, sich für nachhaltige Entwicklungen zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen – Egoismen haben da keinen Platz.
Betrachtet man unter diesen Prämissen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Neugestaltung des Kranoldplatzes wird man nicht umhinkommen, festzustellen, dass die Varianten 2, 2a, 2b und 3 in Abhängigkeit von der Anzahl und Lage der vorgesehenen Parkplätze auf und rund um den Platz und je nach der Anzahl von Bäumen, am wenigsten Klimaschutz, am wenigsten Lärmschutz, am wenigsten Hitzeschutz (beispielsweise durch fehlende Verschattung), am wenigsten Schutz vor Abgasen und am wenigsten Gesundheitsschutz bieten. Parken auf dem Platz, Rückwärtsausparken, Parksuchverkehr und dadurch bedingte Staubildung auf dem Platz sowie bei der Einfahrt auf den Platz und bei der Ausfahrt vom Platz lassen eine verbesserte Aufenthaltsqualität auf dem Platz ebenfalls kaum zu und tragen zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit schlicht gar nichts bei – im Gegenteil. Nicht nur die Sicherheit von Kindern, sondern auch ihre Interessen und Bedürfnisse fallen bei diesen Gestaltungsvarianten vollkommen unter den Tisch.
Allein die in der Studie vorgeschlagene Variante 1 der Platzgestaltung kann den Anforderungen an die nachhaltige Gestaltung eines modernen Stadtplatzes einigermaßen gerecht werden. Sie schafft mit einem autofreien Platz und damit mit mehr Verkehrssicherheit, mit 27 neuen Bäumen tatsächlich nicht nur mehr Aufenthaltsqualität und damit auch Einkaufsqualität im Herzen von Lichterfelde Ost, sondern sie bietet Lösungen im Kleinen für die großen Herausforderungen, vor denen alle Städte im 21. Jahrhundert insbesondere durch den Klimawandel stehen. Sie ist am Gemeinwohl orientiert und nicht an den Egoismen einzelner und den Partikularinteressen einzelner Gruppen.
Verkehrssenat gegen sichere Verkehrsführung
Über die Neugestaltung des Kranoldplatzes hinaus widmet sich die Machbarkeitsstudie auch den erheblichen Konflikten zwischen Fuß- und Radverkehr und ÖPNV an der Bushaltestelle. Um diese sinnvoll lösen zu können, wäre es nötig, wie auch die Machbarkeitsstudie zeigt, die Lankwitzer Straße zwischen der Haltelinie vor dem Fußgängerüberweg an der Ferdinandstraße und dem Überweg hinter der Bushaltestelle einspurig zu gestalten, um die Ausgestaltung der Bushaltestelle als für alle Beteiligten sichere Kap-Haltstelle zu ermöglichen. In der Höhe des Kranoldplatzes verläuft die Lankwitzerstraße bereits in Richtung Bushaltestelle einspurig. Diese Fahrbahnführung müsste also nur um 80 Meter verlängert werden. Dann gäbe es genug Platz für alle und die Konflikte an der Bushaltestelle könnten beseitigt werden. Doch der Verkehrssenat verweigert eine sichere Verkehrsführung, weil aus seiner Sicht wegen dieser 80 Meter die Leistungsfähigkeit der Lankwitzer Straße reduziert würde. Diese Haltung der Verkehrsverwaltung ist völlig sachfremd, ignorant gegenüber den Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern und entspricht darüber hinaus dem Berliner Mobilitätsgesetz in keiner Weise. Die inzwischen mehrfach vom Autor an die für den Verkehr zuständige Senatsverwaltung herangetragene Bitte, ihre Position zu begründen, blieb bisher leider unbeantwortet.
Konstruktive Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung
Wenn es gelingt, dass alle Beteiligten – auch die für Verkehr zuständige Senatsverwaltung – in einem konstruktiven Miteinander Verantwortung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung des Kranoldplatzes und seiner Umgebung übernehmen, besteht die Chance, den Jahrzehnte währenden Konflikt um die Gestaltung des Kranoldplatzes auf eine gute Weise mit einem guten Ergebnis zu lösen.
Dass der Bezirk beabsichtigt, für diesen Prozess Geld in die Hand zu nehmen und seine Begleitung und Moderation ausschreiben will, um ihn bestmöglich gestalten zu können, ist eine gute Entscheidung, die Mut zum Engagement für einen lebenswerten Kranoldplatz machen sollte.