Nach der Präsentation machten sich die geübten Spaziergänger, Interessierte und Vertreter der Träger auf zu einem gemeinsamen Spaziergang. Foto: fdst

Nach der Präsentation machten sich die geübten Spaziergänger, Interessierte und Vertreter der Träger auf zu einem gemeinsamen Spaziergang. Foto: fdst

Spaziergänge halten fit – wer sich aber nicht alleine auf den Weg machen möchte, für den gibt es Spaziergangsgruppen. Vier sind es derzeit in Steglitz-Zehlendorf, eine fünfte ist in der Gründung – so viele gibt es in keinem anderen Berliner Bezirk. Am Donnerstag stellten sich die Gruppen in der Villa Donnersmarck vor.

Quasi Hausrecht hatte die Gruppe von Ingrid Maslinksi, die sich jeden Mittwoch um 10.30 Uhr in der Villa trifft und von dort aus die Umgebung erkundet. Man lege keine „Geschwindigkeitsmärsche hin“, betont sie, sondern laufe gemütlich. Besonders jetzt im Frühling gebe es besonders schöne Ecke zu sehen, wie die Gartenkolonien, in denen man die Jahreszeiten verfolgen könne, und die vielen Parks. Zwischendurch gebe es genügend Bänke, auf den die Spaziergänger sich auch mal ausruhen können. Und es ergeben sich immer wieder neue, interessante Begegnungen, erzählt sie.

Nicht nur die Natur, sondern auch die Geschichte des Bezirks erkundet die Spaziergangsgruppe um Dr. Erhard Hoffert. Die Gruppe startet jeden zweiten Mittwoch um 14 Uhr am Mehrgenerationenhaus Phoenix. Dabei betreibt sie auch Straßenkunde, spürt den Namensgebern nach, etwa dem schwedischen Ingenieur Salomon August Andrée, der 11. Juli 1897 bei dem Versuch scheiterte, von Spitzbergen aus mit einem Freiluftballon den Nordpol zu überfliegen. Nach ihm ist die Andréezeile benannt, erzählt der studierte Geologe. Ein bis eineinhalb Stunden wandert die Gruppe, ist auch schon bis Teltow und Kleinmachnow vorgedrungen. Doch leider schwächele die Gruppe, sagt Renate Schmidt, die seit 2011 regelmäßig bei den Spaziergängen mitläuft. Häufig werde jemand krank, die Termine oft verschoben, bedauert sie. 2009 starb Schmidts Mann. Danach suchte sie einen Halt, feste Rituale, „um mein Leben neu zu richten“, sagt sie. Als Stadtkind war Natur für sie immer ein Sehnsuchtsort, nun erkunde sie den gemeinsam mit anderen.

Nicht nur die Gruppenleiter, sondern auch die anderem Mitglieder müssten Verantwortung für die Gruppe übernehmen, fand Friederike von Borstel von der Diakonie. So sei das in den beiden Spaziergangsgruppen der Kirchengemeinde Wannsee, die sie vorstellte. Beide Gruppen seien relativ mobil, sind auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. So besuchten sie eine Moschee in Neukölln und erkundeten das Potsdamer Umland. Nun wolle eine 80-Jährige eine dritte Gruppe ins Leben rufen, erzählt von Borstel. Neben der Bewegung sei das Zusammensein für die Mitglieder wichtig, die nach jeder Tour einkehren und miteinander ins Gespräch kommen.

Gespräche ergaben sich auch nach der Präsentation zwischen den Mitgliedern der Gruppe und Interessierten. Eine Senioren war sogar den weiten Weg aus Treptow gekommen, um gemeinsam spazieren zu gehen.

Die Idee der Spaziergangsgruppen geht auf die Gesundheitskonferenz „Fit, aktiv und selbstbestimmt im Alter“ im Herbst 2010 zurück, berichtet Hermann Henke, Leiter der Planungs- und Koordinierungsstellle Gesundheit 21 in Steglitz-Zehlendorf. Die Gruppen sind niedrigschwellige Angebote, um ältere Menschen in Bewegunggg zu halten, denn „Bewegung ist Leben“, zitiert er den Judolehrer Moshé Feldenkrais. Spazierengehen fördere die gesundheitliche Entwicklunggg, wirke Demenz entgegen und mache ältere Menschen sturzsicher, zählt Henke die vielen Vorteile auf. In der Gruppe komme dann noch die soziale Komponente hinzu. Viele Gruppen finden sich nach den Spaziergängen in einem Café zusammen, tauschten sich aus über Probleme oder den jüngsten Urlaub. Das sei gut gegen das Alleinsein.

Mitmachen kann übrigens jeder, egal welchen Alters. Auch über 80- und 90-Jährige spazieren noch mit. Auch Rollator und Stock sind kein Hindernis, denn die Gruppen passen sich den Teilnehmern an.

 

Kontakt zu den Gruppen:

Villa Donnersmarck: Angelika Klahr (030) 8 47 18 70

Mehrgenerationenhaus Phoenix: (030) 80 19 75 11

Kirchengemeinde Wannsee: Indra Wiesinger (030) 8 02 85 79

 (go)