21 Partnerstädte hat Steglitz-Zehlendorf – so viel wie kein anderer Berliner Bezirk. Damit der Kontakt nicht abreißt kümmert sich die Beauftragte für Städtepartnerschaften Petra Milz-Höhne um einen guten Kontakt in alle Welt. Seit 1990 hat sie diese Aufgabe inne, bis zur Fusion im Jahre 2001 in Steglitz. Und sie liebt ihre Arbeit noch immer.

Eigentlich wollte die 57-Jährige Englisch-Lehrerin werden. „Aber 1980 gab es kaum Referendariatsstellen“, erinnert sie sich. Also bewarb sie sich im Bezirksamt. „Ich habe gedacht, ich kann das Referendariat nachholen und dann in den Schuldienst einsteigen.“ Zunächst arbeitet sie jedoch in der Abteilung Soziales bis sie sich auf die neu ausgeschriebene Stelle als Beauftragte für Städtepartnerschaften bewarb. Daran gedacht, doch in den Schuldienst einzutreten, habe sie seitdem nicht wirklich. „Dazu macht die Arbeit zu viel Freude“, verrät Milz-Höhne. Für sie bedeutet die Pflege der Partnerschaften Völkerverständigung und Friedenssicherung. „Wer sich kennt und versteht, der bekriegt sich nicht“, davon ist die Beauftragte überzeugt.

Ihre Hauptaufgabe ist, das Programm für Gästegruppen zu erstellen und sie zu betreuen. Das betrifft vor allem die politischen Delegationen. Im Mittelpunkt steht dabei der Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Milz-Höhne organisiert zum Beispiel Besichtigungen in Schulen und Krankenhäusern. Gäste aus Polen wollten sich jüngst unbedingt das Bürgeramt anschauen, weil es so etwas in ihrer Heimat nicht gebe, erzählt sie. Aber auch eine Rundfahrt auf dem Wannsee oder ein Besuch im Botanischen Garten können auf dem Programm stehen, je nachdem wie oft eine Delegation schon zu Gast war. Für Freizeitaktivitäten bleibe wenig Zeit, schließlich handele es sich ja um eine Dienstreise“, betont Milz-Höhne. „Bei einem Besuch von einer Woche gibt es vielleicht einen halben Tag Freizeit“, sagt sie.

Neben der Betreuung der Gäste ist Milz-Höhne aber vor allem Schnittstelle und Ansprechpartner für alle, die sich in dem Bereich Austausch/Städtepartnerschaft bewegen. In den vergangenen Jahren ist das vor allem das Jugendamt, da sich der Schwerpunkt in Richtung Jugendaustausch verschoben hat. Die Wilmersdorferin unterstützt zum Beispiel Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen, die Gäste empfangen, indem sie Kontakte vermittelt und für Gruppen Begegnungen mit dem Bezirksbürgermeister organisiert.

Die bezirklichen Städtepartnerschaften bestehen unterschiedlich lang. Mit Kiriat Bialik (Israel) feierte man in diesem Jahr 50-jährige Partnerschaft, während mit  der koreanischen Stadt Songpa die Beziehung erst seit zwei Jahren besteht.

Partnerschaften entstanden oft aufgrund politischer Entwicklungen. Durch Verbindungen mit westdeutschen Städten wie Nenntershausen, Bremerhaven und hannoversch Münden sollte die Inselstadt Berlin nach dem Mauerbau weiterhin Kontakt haben zur Bundesrepublik, berichtet die Beauftragte. Ende der 1980er Jahre sollten sich auf Empfehlung des Senats die Bezirke nach Osten öffnen. Dadurch entstanden Partnerschaften mit Szilvásvárad (1989) und – sehr ungewöhnlich für die Zeit– mit Königs Wusterhausen in der ehemaligen DDR. Andere Partnerschaften kamen durch persönlichen Kontakt zustande, wie etwa mit dem italienischen Cassino. Bei einer Tagung in Berlin erfuhr der italienische Gesandte, dass es einen italienischen Ehrenfriedhof gibt – auf dem Waldfriedhof Zehlendorf. So kam man 1969 zusammen. Mit Songpa entstand die Verbindung über eine koreanische Diplomaten-Familie, die lange Jahre in Zehlendorf lebte, erzählt Milz-Höhne.

Die Kontakte sind unterschiedlich eng, nach der Wiedervereinigung rückten vor allem die internationalen Partnerstädte in den Fokus. Enger Kontakt besteht mit Charkow-Ordshonikidse in der Ukraine. In 20 Jahren schickte der Partnerschaftsverein Steglitz-Zehlendorf 27 Hilfstransporte dorthin, zum Beispiel in ein Kinderkrankenhaus, das Kinder mit Leukämie behandelt. In diesem Jahr fand ein Zirkusprojekt mit Flüchtlingskindern aus Charkow statt, nächstes Jahr habe man Jugendliche eingeladen. Die Begegnungen finden seit zwei Jahren ausschließlich in Deutschland statt – aus Sicherheitsgründen. Gerade in solch schweren Zeiten sei es wichtig, den Kontakt aufrecht zu erhalten, findet nicht nur Milz-Höhne, sondern auch die Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf, die sich in einer Resolution zu der Partnerschaft bekannte.

Die einzige Städtepartnerschaft, die eingeschlafen ist, ist die mit dem 12. Verwaltungsbezirk von Paris. Seit 15 Jahren, seit der Fusion von Steglitz und Zehlendorf, gebe es keinen Kontakt mehr, weshalb man Paris nun aus der Liste der Partnerstädte entfernt habe.

Einen persönlichen Wunsch für eine Partnerschaft hat Milz-Höhne nicht. Im Gegenteil: „Mit 21 Partnerschaften sind die Kapazitäten erschöpft. Man muss sich ja auch kümmern und Zeit miteinander verbringen, sonst besteht die Partnerschaft ja nur auf dem Papier.“ Trotzdem gebe es Anfragen, die man aber zurückverweise.

Alle Partnerstädte besucht hat Milz-Höhne noch nicht. Das liege auch daran, dass sie ja vor allem die Gäste im Bezirk begrüßen soll. Doch kennenlernen will sie auch die restlichen Städte, wenn nicht in ihrer Zeit als Beauftragte, dann bei den Bürgerreisen des Partnerschaftsvereins, dessen Mitglied sie ist.

(go)