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Die Nikolasseer haben Angst und sind verunsichert: 40 mal haben in diesem Jahr schon Einbrecher bei ihnen zugeschlagen – Tendenz steigend. Was tut die Polizei und das Land Berlin, um sie schützen? Das wollte die Bürgerinitiative Nikolassee wissen, und hatte am Dienstagabend zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion eingeladen.
Dass die Einbrüche ein Thema sind, das die Menschen bewegt, wurde schon deutlich, als man den Theatersaal der Dreilinden-Grundschule betrat. Dicht an dicht saßen die Zuhörer, von denen einige sogar aus Lichterfelde und Gesundbrunnen angereist waren, um zu hören, was Polizeipräsident Klaus Kandt und Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) zu sagen hatten.
Die Moderation an diesem Abend übernahm der Direktkandidat Karl-Georg Wellmann (CDU). Der stellte gleich von vornherein klar, dass man keine Privatjustiz wolle, dass man als Bürger aber das Gefühl brauche, geschützt zu werden. „Geben Sie uns Zuvertrauen und Sicherheit“, forderte er seine Gesprächspartner auf.
Zahl der Einbrüche steigt
Doch was sie zu sagen hatte, das war erst einmal ernüchternd: Die Zahl der Einbrüche steigt – in den vergangenen Jahren um mehr als 30 Prozent, die Aufklärungsquote ist gering – sie liegt bei 3,5 bis sieben Prozent.
Dass ein Einbruch eine Belastung für die Opfer ist, weiß auch der Leiter der zuständigen Polizeidirektion 4, Andreas Pahl, da es auch immer ein Eingriff in die Intimsphäre sei. Deshalb gebe es bei den Haus- und Villeneinbrüchen Schwerpunkteinsätze. Erst im Oktober seien 15 Observationskräfte 14 Tage lang in einem nur ein Quadratkilometer großen Areal im Einsatz gewesen. Drei Einbrüche fanden trotzdem statt, musste Pahl eingestehen. Mehr uniformierte Beamte auf den Straßen, wie unter anderem von Wellmann gefordert, würden aber nichts bringen, so Pahl. Die Täter würden nur auf auf einen anderen Ort ausweichen.
Viele der Zuhörer hatten bereits Erfahrungen mit Einbrüchen, manche sogar mehrfach. Von ihren sehr unterschiedlichen Erlebnissen berichteten einige in der Diskussionsrunde. So gab es einen Schlachtenseer, der erzählte, dass er nach einem Einbruch dreieinhalb Stunden auf die Polizei und die Spurensicherung warten musste, andere hingegen lobten die Beamten, die innerhalb von fünf Minuten vor Ort gewesen seien und sich rührend um die Opfer gekümmert hätten.
Wie kann ich mich schützen?
Andere Anwohner machte sich Sorgen um die Zahl der Beamten und deren Ausbildung. Diese versuchte Kandt zu beruhigen. Nach Jahren des Abbaus sei die Zahl der Polizeibeamten wieder steigend, ebenso die Zahl der Auszubildenden.
Es gab aber auch ganz konkrete Fragen, etwa wie man sich bei einem Einbruch verhalten sollte. Die Antwort war ganz deutlich: Die Polizei rufen. Wenn dies nicht möglich ist, weil man im Haus von den Tätern überrascht wurde, solle man auf keinen Fall den Helden spielen, sagte Pahl, sondern keine Gegenwehr leisten und die Wertgegenstände herausgeben.
Was aber hilfreich wäre, um Einbrüche zu verhindern, das betonten sowohl Kandt als auch Pahl, seien aufmerksame Nachbarn und gute Sicherungssysteme. Die Zahl der Festnahmen durch Anwohnerhinweise liege in seiner Direktion bei 70 Prozent, so Pahl. Deshalb appellierte er an die Zuhörer, wachsam zu sein. „Das ist kein Anschwärzen.“ Manchen Zuhörer drängte sich da der Verdacht auf, dass die Polizei hier Verantwortung an die Bürger delegiere. Doch der Polizeipräsident betonte, dass „was fachlich getan werden kann, wird getan“. Doch die Polizei sei nun mal kein Wachschutz – eine Bemerkung, die im Publikum für Unmut sorgte.
Juristische Hürden
Heilmann widmete sich der juristischen Seite der Delikte. Ein großer Teil der Täter seien reisende Banden aus Osteuropa. Diese zu verurteilen, sei in der Vergangenheit schwer gewesen. Mittlerweile habe sie aber auch dort etwas getan. Die Taten werden als organisierte Kriminalität bewertet, die Staatsanwaltschaft wurde verstärkt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen geändert, um auch vermeintliche Ersttäter festhalten zu können. Doch es bedürfe noch einer besseren Koordination innerhalb Europas und vor allem einer engeren Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern der Täter. Derzeit werde über eine Vermögensabschöpfung beraten. Heißt: Den Banden kann das Vermögen weggenommen werden, wenn sie nicht nachweisen könne, woher es kommt.
Ein Eindringen in die Tätergruppen mit V-Männern, wie in der Diskussion vorgeschlagen, sei schwierig, erklärte der Justizsenator. Die Banden zeichneten sich durch eine enge ethnische Zusammengehörigkeit aus. Man müsste jemanden innerhalb der Gruppe umdrehen, doch dazu reiche die Zeit meist nicht aus, weil die Gruppen sich oft nur vorübergehend in Deutschland aufhielten und dann weiterziehen. Auch die Schwierigkeiten bei der Vorratsdatenspeicherung und der Funkzellenabfrage erläuterte Heilmann verständlich.
Einen Wunsch hatten die Anwohner: Bessere Information durch die Polizei. Zum einen, was aus den Anzeigen wurde, zum anderen, wenn es wieder Einbrüche in der Gegend gibt, um gewarnt zu sein. Das sicherte Pahl zu. Einig waren sich die Diskutanten in einem: Egal was man auch tue, die Kriminalitätsrate auf Null zu drücken, das sei nicht möglich.
Nicht alle waren nach den gut zwei Stunden Gespräch zufrieden, immer wieder wurde im Publikum moniert, dass um das Thema zu viel herumgeredet würde. Eine zweite Bürgerdiskussion wurde angeregt.
(go)












Foto: Haus der Jugend Zehlendorf[/caption]
Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren können vom 19. Bis 23. Oktober an einer Fahrt nach Krakau und zu den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau teilnehmen. Interessierte können sich bis zum 22. Juni anmelden.
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