
Die Vorsitzende der Seniorenvertretung, Karin Lau, hofft auf rege Teilnahme an der Senioren-BVV. Dafür verteilt sie fleißig Flyer. Foto: Gogol
Wie sensibilisiert man Bezirkspolitiker für die Nöte der Senioren in Steglitz-Zehlendorf? Und wie bekommt man die Senioren dazu, ihre Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen? Die Seniorenvertretung (SV) Steglitz-Zehlendorf hat da vielleicht eine Lösung gefunden: eine „Senioren-BVV“ (Bezirksverordnetenversammlung).
Steglitz-Zehlendorf ist der älteste der Berliner Bezirk, rund 25 Prozent der Einwohner sind Senioren. Und doch hinkt der Bezirk beim Thema Seniorenbeteiligung hinterher. In Charlottenburg-Wilmersdorf gab es schon sechs solcher Sitzungen, auch in anderen Bezirken wie Pankow und Treptow-Köpenick sind Bezirksverordnetenversammlungen zu seniorenrelevanten Themen seit Jahren selbstverständlich. In Steglitz-Zehlendorf wird es am 25. Juni die erste sein, berichtet die Vorsitzende der Seniorenvertretung Karin Lau.
Doch was ist eine „Senioren-BVV“? Es ist fast wie eine normale BVV, nur dass dann ausschließlich Themen behandelt werden, die Senioren betreffen. Es können Anträge und Anfragen persönlich vorgebracht werden. Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) sowie alle vier Bezirksstadträte werden anwesend sein, um diese zu beantworten.
Die Fragen kommen von den Senioren selbst. Was stört sie in Steglitz-Zehlendorf? Was ärgert sie? Was kann besser gemacht werden? Die Anträge und Anfragen sollten möglichst konkret gestellt werden, sagt Lau. Plätze, Straßen, Situationen, wo Handlungsbedarf besteht, sollten genau benannt werden. Einige Themen haben sich schon bei Gesprächen und Sitzungen der SV ergeben. Bezahlbares Wohnen, Pflege, Teilhabe am (kulturellen) Leben und Mobilität seien die wichtigsten von ihnen, erzählt die SV-Vorsitzende und hofft, dass noch einiges dazu kommt. Zulassen wolle man erst einmal alles, auch wenn es um Themen ginge, die nicht der Bezirk zu regeln hat, wie etwa der Busverkehr. Diese Fragen könnten dann aber vom Bezirksamt weitergeleitet werden.
Gesammelt werden die Fragen und Anträge, die mit Namen und Anschrift versehen sein müssen, von der Seniorenvertretung bis zum 14. Mai, dann werden sie von einem Redaktionsteam ausgewertet, in Form gebracht und anschließend an das Bezirksamt übergeben, so dass die Bezirksstadträte genügend Zeit haben, sich auf die Anfragen vorzubereiten.
Soweit die Theorie. Doch wie genau das alles ablaufen wird, weiß Lau selbst noch nicht. Das hängt auch davon ab, wie viele Anfragen und Anträge bei ihnen eingehen werden. Maximal 10 bis 15 werden in der zweistündigen Versammlung behandelt werden können, denkt Lau. Schließlich sollen auch Nachfragen der Senioren möglich sein. Sicher ist, dass die Themen möglichst breit gefächert werden sollen.
Um möglichst viele Senioren über „ihre“ BVV zu informieren, hat die SV 700 Flyer drucken lassen, die die Mitglieder bis Ostern im gesamten Bezirk verteilen werden.
“Wir wollen eine Brücke für die Senioren bauen“, sagt Lau zur Intention. „Wir wollen den Bezirksverordneten vermitteln: Nehmt bitte die Älteren ernst“ Die Senioren hingegen sollen das Gefühl bekommen, dass es sich lohnt, für ihre Bedürfnisse einzustehen und dass sie von den Politikern ernst genommen werden – nicht nur alle vier Jahre, wenn Wahlen anstehen. „Wir wollen beide Seiten sensibilisieren“, sagt Lau.
Die Erfahrungen, die die anderen Berliner Bezirke mit der „Senioren-BVV“ gesammelt haben, stimmen Lau hoffnungsfroh. „Es gibt keinen Gewöhnungseffekt, sondern die Sitzungen wurden angenommen und werden genutzt“, weiß Lau.
Grundlage für die „Senioren-BVV“ ist das Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz. Dessen Ziel ist es „die aktive Beteiligung der Berliner Seniorinnen und Senioren am sozialen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben zu fördern, die Erfahrungen und Fähigkeiten zu nutzen, die Beziehungen zwischen den Generationen zu verbessern, die Solidargemeinschaft weiterzuentwickeln sowie den Prozess des Älterwerdens in Würde und ohne Diskriminierung unter aktiver Eigenbeteiligung der Berliner Seniorinnen und Senioren zu gewährleisten“, heißt es dort im Artikel 1.
Wer Fragen und Anliegen hat, hat verschiedene Möglichkeiten sich an die Seniorenvertretung zu wenden: telefonisch unter der Rufnummer (030) 9 02 99 33 18, mit Anrufbeantworter, oder bei der Vorsitzenden Karin Lau unter 01 72 3 12 86 39, schriftlich an die Seniorenvertretung Steglitz-Zehlendorf, Leonorenstraße 70, 12247 Berlin, per E-Mail an karin.lau@t-online.de oder persönlich in der Sprechstunde der SV, jeden Montag von 10 bis 12 Uhr im Rathaus Lankwitz, Raum 002.
(go)












Foto: Haus der Jugend Zehlendorf[/caption]
Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren können vom 19. Bis 23. Oktober an einer Fahrt nach Krakau und zu den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau teilnehmen. Interessierte können sich bis zum 22. Juni anmelden.
In einem gemeinsamen Projekt wollen vier Steglitz-Zehlendorfer Jugendeinrichtungen ein „starkes Zeichen für die Stärkung der Erinnerungskultur und die Förderung der Gedenkstättenpädagogik“ setzen. Vom 19. Oktober bis 23. Oktober findet eine Bildungsfahrt nach Krakau statt, bei der die Teilnehmenden die historischen Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besuchen sowie eine Stadtführung in Krakau erleben werden.
Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren, die durch diese Reise nicht nur wertvolles Wissen über die Geschichte des Holocaust erlangen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich aktiv mit den Themen Erinnerung, Verantwortung und Zivilcourage auseinanderzusetzen.
Geplant sind zwei Exkursionen mit fachkundigen Führungen in das Auschwitz Stammlager sowie Auschwitz-Birkenau mit der Chance auf tiefe Einblicke in die Geschichte und die Auswirkungen des Holocaust. In Krakau steht eine Stadtführung auf dem Programm, bei der die Teilnehmenden mehr über die kulturellen und historischen Hintergründe der Stadt und die jüdische Community erfahren.
Wichtig: die Anmeldefrist endet am 22. Juni. Alle Infos:
Immerhin erreicht man mit den 700 Flyern bei 70.000 „Senioren“ im Bezirk jeden Hundertsten. Ist ja schon mal deutlich mehr, als die „Wahlbeteiligung“ bei der letzten „Seniorenwahl“, die sich ja immer noch im Promille-Bereich bewegt. Warum ausgerechnet die Generation Ü60 in der politischen Mitwirkung eine Extrawurst gebraten bekommt, erschließt sich mir eh nicht. Immerhin gibt es in Deutschland ja keine Beschränkung des Wahlalters nach oben. Sinnvoller erschiene doch wohl eine politische Beteiligung der Kinder und Jugendlichen im Bezirk, die nicht wahlberechtigt sind.