Ein Ort zum Gründen, aber nicht zum Bleiben: In Steglitz-Zehlendorf gründen sich als sogenannte „Spin offs“ zahlreiche Unternehmen, vor allem in den Branchen Live Science, Medizin und Biotechnologie sowie IT und Software. Doch nur wenige der Firmen bleiben im Südwesten, vor allem jene, mit einem Umsatz jenseits der Millionengrenze verlassen den Bezirk. Das zeigt eine Untersuchung, die das Regionalmanagement Berlin Südwest (RMSW) veröffentlicht hat.

150 Unternehmen haben sich seit 1998 aus den Forschungseinrichtungen in Steglitz-Zehlendorf ausgegründet. 70 Prozent von ihnen entstanden an der Freien Universität, die mit ihrer Gründungsförderung profund seit 2006 Studierende und Mitarbeiter bei dem Schritt in die Selbstständigkeit unterstützt. Andere wissenschaftliche Institute, die in die Untersuchung einflossen, waren die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, die Institute der Max-Planck-Gesellschaft, das Zentrum für Informationstechnik und die Charité.

71 Prozent der 129 noch bestehenden Unternehmen haben ihren Firmensitz nach außerhalb des Bezirks verlegt, in andere, zentralere Stadtteile; andere verließen Berlin ganz. „Dabei fällt auf, dass insbesondere die schon älteren Spin offs, die tendenziell höhere Umsatz- und Mitarbeiterzahlen aufweisen, kaum mehr im Bezirk Steglitz- Zehlendorf vertreten sind.“ Nur noch 13 Prozent der bis 2005 gegründeten Unternehmen sind noch im Bezirk beheimatet. „Von den 18 Unternehmen, die eine Bilanzsumme von mehr als einer Million Euro aufweisen, haben lediglich drei noch ihren Sitz im Bezirk“, wird in der Studie angeführt.

Ähnliches zeigt sich bei den Arbeitsplätzen. Die 51 Unternehmen, die Angaben zu ihren Mitarbeiterzahlen machten, beschäftigen zusammen 920 Angestellte. Doch nur noch 150 dieser knapp 1.000 geschaffenen Stellen finden sich in Steglitz-Zehlendorf.

Gründe für den Fortgang nennt die Untersuchung nicht.

Die Analyse kommt zu dem Urteil, „dass wissenschaftliche Ausgründungen ein beachtliches wirtschaftliches Potential haben, welches innerhalb des Bezirks Steglitz- Zehlendorf beziehungsweise der Region Berlin-Südwest aktiviert und genutzt werden sollte“ und empfiehlt dringend die Etablierung eines Technologie- und Gründerzentrums“.

Allerdings ist letzteres keine Überraschung. Seit 2009 bemüht sich der Bezirks um die Ansiedlung eines solchen Zentrums an der Fabeckstraße. Dies voranzutreiben ist eines der obersten Ziele des vor sechs Monaten gegründeten Regionalmanagements Südwest.

Das geht von einem anhaltenden Gründungsboom in Steglitz-Zehlendorf aus: „Auf der Basis unserer Analyse rechnen wir jährlich mit etwa zwölf Ausgründungen im Berliner Südwesten. Bis 2020 würden (…) etwa 80 weitere Spin offs mit weiteren 1.000 Arbeitsplätzen hinzukommen“, so Klaus-M. Grünke, Projektmanager beim RMSW. Für diese Ausgründungen müssten die passenden Rahmenbedingungen, vor allem in räumlicher Hinsicht geschaffen werden.

(go)