Schulleiter Matthias Meyer sitzt quasi auf gepackten Umzugskisten. Foto: Gogol

Ein Umzug ist immer eine logistische Herausforderung – was für eine Wohnung gilt, gilt erst recht für eine Schule. In den Ferien zieht die Freiherr von Hünefeld-Grundschule von der Lauenburger an ihren neuen Standort an der Karl-Stieler-Straße. Der Umzug ist die sichtbare Umsetzung der Fusion mit der Markus-Grundschule zur Grundschule am Stadtpark Steglitz.

Erster Ferientag, doch in der Hünefeld-Grundschule herrscht geschäftiges Treiben. Umzugshelfer schleppen Kartons, dazwischen Matthias Meyer – entspannt, lächelnd. „Eine Fusion ist selten etwas Gewolltes und Gewünschtes – aber die Stimmung an beiden Standorten ist positiv“, sagt er.

Vor einem Jahr übernahm Meyer die Leitung der Freiherr von Hünefeld-Grundschule – seine Aufgabe: die Fusion beider Schulen. Dass er neu dazu kam, ist für ihn ein Vorteil. „Ich war in nichts involviert. Mein Blick war frei für die Dinge, die anstanden“, sagt er. Doch wie geht man eine solche Mammutaufgabe an?

Transparenz und Partizipation auf allen Ebenen sei ihm während des einjährigen Prozesses sehr wichtig gewesen. Egal ob Schüler, Eltern, Lehrer, Erzieher und Schulsozialarbeiter – alle wollte der 40-Jährige eingebunden wissen. „Es gab sehr viele Emotionen, Ängste und Bedenken, aber auch Ideen, Anregungen und Kritik. Das wollten wir alles aufnehmen, von Anfang an“, berichtet Meyer. Und das begann schon beim Namen, schließlich sollen sich alle damit identifizieren können. Und so wurden an beiden Schulstandorten Ideen gesammelt. Acht Namen kamen in die Endrunde, aber mit großer Mehrheit hätten sich Kollegen, Schüler und Eltern für den Namen „Grundschule am Stadtpark Steglitz“ entschieden.

Mit Masterplan zum Ziel

Der erste Schritt hin zur Fusion sei ein Masterplan gewesen. Es wurden Schwerpunkte gesetzt und Aufgaben definiert, die über das Jahr verteilt wurden, so dass jeder genau wusste, was wann im Jahr angegangen wird. Das gab Sicherheit. Dazu wurden Expertengruppen gegründet, erzählt Meyer. Dort wurde darüber beraten, wie man die Klassen zusammenführen kann und der Schulhof gestaltet werden soll; andere Gruppen beschäftigten sich mit der Raum- und der Umzugsplanung. Und es gab eine Schülergruppe, in der sich die Kinder einbringen konnten. Was bedeutet es für sie, den Standort verlassen zu müssen beziehungsweise was, wenn ganz viele neue Kinder dazu kommen? Bleiben die Klassen zusammen? Was wird aus dem Schulhof? Gerade die letzte Frage habe die Schüler sehr bewegt, so dass der Hof schon jetzt umgestaltet werden soll, so Meyer. Die Schüler hätten sich bei der Planung toll eingebracht, mehr als 60 Modelle gebastelt.

Die verschiedenen Beteiligten und Blickwinkel zusammenzubringen, das sah Meyer, der selbst dreifacher Vater ist, als seine wichtigste Aufgabe an. Jeder sollte sich eingebunden und informiert fühlen. Und so wurde die Schulhomepage genutzt, um Interessierten zu zeigen, was an den beiden Schulen passiert, für Fragen wurde eine spezielle Fusions-E-Mail-Adresse eingerichtet. Ab 15. Juli ist die Homepage der neuen Schule unter der Adresse www.grundschule-am-stadtpark-steglitz.de zu finden.

„Die Kollegen sind super engagiert und offen für Anregungen“. Was aber nicht heiße, dass es nicht auch Zweifel, Ängste und auch Wehmut gegeben hätte. „Wir haben Kollegen, die sind hier zur Grundschule gegangen“, weiß Meyer. Die verließen die Schule mit „mehr als einer dicken Träne im Auge“.

Umzug auf die Baustelle

In den Ferien nun erfolgt der Umzug der Freiherr-von-Hünefeld-Grundschule. Ein Ringtausch, der gut organisiert sein will. Denn während die Hünefeld-Grundschule in die Karl-Stieler-Straße zieht, zieht die ehemalige Thienemann-Oberschule umgekehrt von der Karl-Stieler-Straße in die freiwerdenden Räume an der Lauenburger Straße.

An den ersten beiden Ferientag zieht die Verwaltung, in der letzten Ferienwoche der Rest. Dass die Möbel alle in die richtigen Räume komme, sei an einer Grundschule wichtiger als an einer Sekundarschule, erläutert Meyer. Schon weil die Tische keine Einheitsgrößen haben.

Alles was in seiner Verantwortung lag, sei geschehen, so der neue Schulleiter der Grundschule am Stadtpark Steglitz. Dennoch lief nicht alles rund. Und auch wenn die Schule jetzt umzieht, das Schulhaus an der Karl-Stieler-Straße ist noch nicht fertig. Die Bauarbeiten beginnen erst jetzt – und werden im Schuljahr weitergehen.

Dass es bei den Bauarbeiten Verzögerungen gibt, habe man so kurzfristig erfahren, dass man nicht mehr zurück konnte, erklärt Meyer. Die vorgesehenen mobilen Klassenzimmer, in denen ein Teil der Schüler unterrichtet werden wird, sind für ihn „eine sinnvolle Alternative“, weil sie Baufreiheit in den Klassenräumen schaffen und die Baumaßnahme beschleunigen. „Wir setzen unsere ganze Hoffnung darauf.“

Ein Umzug ist eine Sache – aus zwei Kollegien eins zu machen, eine andere. Doch für dieses Zusammenwachsen wurde bereits im Vorfeld viel getan. So habe es gemeinsame Dienstbesprechungen, Konferenzen und sogar zwei Studientage gegeben. Auch die Eltern beider Schulen haben sich bei gemeinsamen Sitzungen der Gesamtelternvertretungen kennengelernt. „Wir wollen, dass die Basis funktioniert – alles andere kann sich entwickeln“, ist Meyer überzeugt. Wichtig sei nur, dass man im Gespräch bleibe – auch nach dem Umzug.

 (go)