Die Mitglieder von ver.di, GEW und der Aktion gegen Arbeitsunrecht passten sich den Besuchern des Botanischen Gartens am Sonntag an und machten auf die dortigen Arbeitsbedingungen aufmerksam. Foto: Gogol

Während im Botanischen Garten Familien am Sonntag Halloween feiert, machten vor dem Eingang Unter den Eichen Mitglieder der Berliner Aktion gegen Arbeitsunrecht und der Gewerkschaften ver.di und GEW auf die „gruseligen Arbeitsbedingungen“ für Mitarbeiter des Botanischen Gartens aufmerksam.

Man wolle sich mit der Aktion an die breite Öffentlichkeit, an die „normalen“ Menschen wende, sagte Sylvia Bayram von der Aktion. „Viele Leute lieben den Botanischen Garten und sind froh, dass er gerettet werden konnte. Doch sie wissen nicht, zu welchen Bedingungen und wie sich die Situation verschlechtert hat“, ergänzt Linda Guzzetti, Lehrbeauftragte der Technischen Universität Berlin und GEW-Mitglied.

2003 stand nach drastischen Mittelkürzungen der Botanische Garten vor dem Aus, mit Unterstützung der Bevölkerung konnte er jedoch gerettet werden. Der Botanische Garten und das Botanische Museum (BGBM) sind eine Zentraleinrichtung der Freien Universität. Die gründete für die BGBM eine Betriebsgesellschaft, die für die gärtnerische, technische und infrastrukturelle Bewirtschaftung der Einrichtung zuständig ist. „Beschäftigte der Betriebsgesellschaft, eine 100-prozentige Tochter der FU, verdienen bis zu 72 Prozent weniger als ihre Kollegen, die bei der FU angestellt sind, für ein und dieselbe Arbeit“, so Bayram. Darüber hinaus seien Urlaubstage nicht gewährt und vereinbarte Überstundenzuschläge nicht ausbezahlt worden.

In diesem Jahr hat die Belegschaft gemeinsam mit ver.di Tarifverhandlungen angestrebt, mit der Folge, dass die Freie Universität die Schließung des Bereichs Reinigung in die Wege geleitet habe. „Man will sich – so wörtlich – von ’sozialen Verpflichtungen‘ befreien.“

Zudem würden alle, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Betriebsgesellschaft einsetzte, wie Vertrauenspersonen und Betriebsräte, gemobbt, berichtet Bayram. „Es herrscht eine Atmosphäre der Angst“, sagt sie. Die Freie Universität entziehe sich ihrer Verantwortung, so Guzzetti. Das sei ein Skandal.

Prekäre Arbeitsverhältnisse im öffentlichen Dienst seien keine Seltenheit mehr, der Botanische Garten sei dabei ein Stein, wissen die Gewerkschaftlerinnen.

Wer den Protest der Gewerkschaften und des Aktionsbündnisses unterstützen will, kann dies mit einer Solidaritätsmail, die unter arbeitsunrechtberlin.wordpress.com zu finden ist.

(go)