
Interessierte Zehlendorfer waren ins Rathaus gekommen, um sich die Ideen für den Postplatz anzuhören und anzusehen. Foto: Gogol
Wie sehnsüchtig die Entscheidung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt über einen zweiten Ausgang am S-Bahnhof Zehlendorf erwartet wird, zeigte der Donnerstagabend. Ins Rathaus an der Kirchstraße hatte die Bürgerinitiative Zehlendorf (BI-Z) eingeladen, um ihre Ideen für die Gestaltung des Postplatzes vorzustellen – und das obwohl, wie die Organisatoren betonten, die Grundsatzentscheidung noch gar nicht gefallen ist. Auch wenn sich die Bürgerinitiative, das Bezirksamt und die Bezirksverordneten einig sind, dass der zweite Zugang am Postplatz entstehen soll – die Entscheidung fällt der Senat.
Nichtsdestotrotz hatte sich die BI Gedanken gemacht, wie der Zugang gestaltet werden könnte. Das hatten auch schon Architekten bei einem Wettbewerb 1989/90. Einige dieser Entwürfe hatte die BIZ besorgt und im Bürgersaal ausgestellt. Einiges davon fand sich auch in ihren eigenen Ideen wieder.
Ein rund 40 Meter langer Tunnel soll vom Postplatz und der Machnower Straße aus den Zugang zum S-Bahnhof erlauben. Dieser soll durch Schrägen barrierefrei gestaltet werden, erläuterte Reinhard Kromer. Davor sollen Radstellplätze entstehen, Geschäfte, Kioske, Toiletten und Bänke würden für mehr Aufenthaltsqualität sorgen und einer Verwahrlosung entgegenwirken. Zudem sollte der Postplatz durch einen Markt, Feste und Musik belebt werden. Sogar über den Ausbau des Bahnsteiges B für die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg) und damit die Anbindung an den Regionalverkehr machte sich die Bürgerinitiative Gedanken. Unter dem Bahnsteig könnte eine Fahrradgarage entstehen.
Nicht alle Ideen trafen bei den Zuhörern im Bürgersaal auf Zustimmung. Thomas Hermann vom Zehlendorf Mitte Marketing (ZMM), befürchtet, dass unter einem „Nebenschauplatz“ Postplatz die Attraktivität des Teltower Dammes leiden könnte. „Wir sollten das Leben eher auf den Teltower Damm konzentrieren“, fand er. Das sah eine Anwohnerin ähnlich. Sie fand Kultur und Musik am Postplatz übertrieben, das solle man am Teltower Damm lassen. „Auch ein ruhiges Wohnumfeld hat etwas“, sagte sie. Ein Anwohner der Berlepstraße sah das anders. Er wünschte sich einen Markt am Postplatz. Das sei kein Nebenschauplatz, sondern ein gleichberechtigter Stadtraum neben dem Teltower Damm und ein Gewinn. Am Teltower Damm gebe es so viel Verkehr und Einkäufer, so dass er der Meinung war, dass ein belebter Postplatz die Straße nicht totmachen würde. Man wolle beide Seiten so attraktiv wie möglich machen, sagte Kromer.
Für einen anderen Anwohner war ein Tunnel nur die zweitbeste Lösung. „Niemand geht gern in den Keller“, sagte er und plädierte für eine Brücke. Die würde auch nicht mehr Platz brauchen als ein Tunnel, Rampen seien auch möglich. Eine Brücke sei einladender auch unter dem Aspekt der Sauberkeit, fand der Anwohner. Doch Kromer betonte, dass ein Tunnel hinsichtlich der Barrierefreiheit sinnvoller sei. Zudem müsse man weniger tief als hoch bauen. Es würde auch nicht, wie befürchtet, eine dunkle Tunnelanlage entstehen, sondern diese könnte offen und mit Tageslicht gestaltet werden.
Auch wenn die Grundsatzentscheidung noch ausstünde, wäre es hilfreich, wenn der Bezirk jetzt schon wüsste, wie die Umgebung gestaltet werden soll, betonte Kromer. Sein Eindruck aber sei, dass man im Amt noch nicht viel in den Schubladen hätte. Dabei würden die „Niederungen der Planung jetzt anfangen“, verwies er auf die Anhaltiner Straße, wo derzeit ein Radweg entsteht, und den Postplatz, auf dem die Wasserbetriebe einen Sammler installierten. Der müsse so tief wie möglich gesetzt werden, „sonst ist uns in den nächsten 100 Jahren der Sammler im Weg.“
(go)












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