Haus der Demokratie und Menschenrechte – Ein Haus der Bewegungen

Haus der Demokratie und Menschenrechte – Ein Haus der Bewegungen

Frontseide des Hauses der Demokratie und Menschenrechte, Foto: M.F. Schaffhauser

 

In Prenzlauer Berg, in der Greifswalder Straße 4, befindet sich das Haus der Demokratie und Menschenrechte – und das trotzt der Gentrifizierung des Bezirks. Aus dem Geist der friedlichen Revolution 1989 als Haus der Demokratie entstanden, befand es sich ursprünglich in der Friedrichstraße 165, wo heute eine Gedenktafel am Gebäude an das Projekt erinnert. Dem Erbe jener Revolution verpflichtet, ist das Haus der Demokratie und Menschenrechte, wie es seit dem Umzug heißt, ein buntes Haus der Bewegungen, die das generelle Selbstverständnis des Projektes teilen.

Im Jahre 2022 arbeiten über fünfzig NGOs, Initiativen und Vereine in der Greifswalder Straße 4. darunter findet man Organisation wie Tibet Initiative, Menschenrechtsanwälte von Amnesty International, Ingenieure ohne Grenzen oder die Jüdische Stimme. Ein paar weitere haben lediglich einen Briefkasten hier. Dabei heißt es in der Präambel: „Durch diese Stiftung sollen die Ideen der Bürgerinnen- und Bürgerbewegungen befördert werden, wie sie sich in den demokratischen Revolutionen des Jahres 1989 entfaltet haben und seitdem in Deutschland, Mittel- und Osteuropa ein gesellschaftlicher Faktor geworden sind. Die Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte will Organisationen und Personen, die sich um diese Ziele bemühen, nicht aber Parteien, einen geistigen und organisatorischen Mittelpunkt in Deutschland uneigennützig zur Verfügung stellen.“

Daneben werden auch Veranstaltungsräume – vorrangig für gemeinnützige Organisationen und NGOs – vermietet – wie z.B. der nach dem DDR-Dissidenten Robert Havemann benannte Saal. Parteien hingegen werden kategorisch ausgeschlossen. Es handelt sich – wie schon in der Gründungsphase vor über 30 Jahren – um ein Haus der zivilgesellschaftlichen Akteure.

 

Innenhof mit den Briefkästen. Foto: M.F. Schaffhauser

 

Ende des Jahres 1989 beschloss der Runde Tisch die Übergabe des Gebäudes der ehemaligen Kreisleitung der SED Mitte an die Bürgerbewegungen. Die Eigentumsfrage wurde nicht gestellt. Die Besitznahme der Friedrichstr. 165 war eingeleitet. Organisationen und Nutzer der ersten Stunde waren unter anderem die Initiative für unabhängige Gewerkschaften (IUG), die Vereinigte Linke (VL), der Demokratische Aufbruch (DA), die Initiative für Frieden und Menschenrechte (IFM), der Unabhängige Frauenverband (UFV), das Neue Forum (NF), die Grüne Partei in der DDR und die Grüne Liga vertreten. Durch das Haus der Demokratie war es den Organisationen möglich zu publizieren und öffentliche Meinungspflege durchzuführen. Bis dato fand die politische Arbeit von Oppositionsgruppen entweder am privaten Küchentisch oder unter dem Dach der Kirche statt. Mit dem Haus der Demokratie, das neben Räumen auch eine technische Infrastruktur bot, änderte sich die Arbeitssituation sehr stark zum Positiven. Die Gründung der Vereinigung Haus der Demokratie (Hausverein) am 26. April 1990 schuf einen rechtsfähigen Träger sowohl für die Hausverwaltung. Es konnte ein Nutzungsvertrag abgeschlossen werden.

Die Organisationen mussten lernen, gemeinsam zu arbeiten, sich gegenseitig zu tolerieren. Das Haus zu verwalten. Unterdessen einte sie die Auffassung der politischen Autonomie aller Bürger jenseits aller Parteigrenzen.

In der Tageszeitung taz schrieb Peter Nowak am 10. November 2021: „Ihnen ging es dabei nicht um eine Wiedervereinigung mit der BRD, sondern um die Entmachtung der SED Bürokratie“.

 

Hinterseite des Hauses der Demokratie und Menschenrecht, Foto: M.F. Schaffhauser

 

Aber trotzdem hat das Haus der Demokratie diesen Umbruch überlebt und seinen Stellenwert behalten. Aber ein bisschen anders ist das Haus der Demokratie geworden. Es ist jetzt eine bürgerliche Stiftung. Die auch an der Stiftungsgesetzgebung hängt. Im Jahre 1999 beendeten Forderungen am Eigentum die Zeit in der Friedrichstraße. Alle Initiativen waren gezwungen, das Gebäude zu verlassen und erhielten dafür eine finanzielle Entschädigung.
Der Umzug bot aber auch neue Perspektiven. So war erstmals eine Bürgerbewegung Ost und Menschenrechtsbewegung West unter einem gemeinsamen Dach verbunden. Zu den neuen Akteuren im Haus gehörte so z.B. der Bundesverband von Amnesty International. Aus dem Haus der Demokratie wurde somit das Haus der Demokratie und Menschenrechte. Der Neubeginn vereinte Ost und West. Peter Franck beschreibt im Jahrbuch Menschenrechte 2006: „Das neue Haus hat sich inzwischen als Ort des gemeinsamen Nachdenkens von Menschen aus Ost und West etabliert.“ Heute steht es als Arbeitsort allen Initiativen und Nichtregierungsorganisationen offen.

 

Robert Havemann-Saal Foto: M.F. Schaffhauser

 

Neben den Büroräumen für Organisation werden auch Veranstaltungsräume angeboten. Im Schnitt werden vier Events – von Lesungen, über Filmvorführungen bis zu Podiumsdiskussionen – bei freiem Eintritt im Monat angeboten, welche von der Stiftung organisiert werden. Zusätzlich gibt es regelmäßig Ausstellungen zu politisch und gesellschaftlich relevanten Themen, die im Regelfall zwei Monate gezeigt werden. Hier geht es zu den aktuellen Veranstaltungen: https://hausderdemokratie.de/Veranstaltungen.

Es gibt aber auch einen Newsletter, den man bequem unter: https://hausderdemokratie.de/Newsletter abonnieren kann.

Das Haus der Demokratie und Menschenrechte ist daher heute auch noch mehr als nur ein Überbleibsel einer bewegten Zeit – es ist nach wie vor ein Ort der Zivilgesellschaft, wo sehr unterschiedliche Akteure eine Heimat finden und sich für Werte wie Demokratie und Menschenrechte engagieren.

 

Michael Filip Schaffhauser

 

 

 

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Unter den Eichen: Radweg-Rückbau erfolgt nicht sofort

[caption id="attachment_104422" align="aligncenter" width="622"] Ehemaliger Rad- und Fußweg Unter den Eichen - geht jetzt alles auf Anfang? Back to the Roots? | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]   Die umkämpfte rund 600 Meter lange Radspur auf der B1 entlang des Botanischen Gartens bleibt bis auf Weiteres bestehen. Eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses der BVV geriet zum wahlkampfgeprägten Schlagabtausch. Die Bezirksverwaltung sieht vor einer Umsetzung des von der Senatsverwaltung angeordneten Rückbaus der Radwegeanlage auf der Straße Unter den Eichen (die Stadtrand-Nachrichten berichteten) rechtliche Bedenken. Weil die Sicherheit der Fußgänger nicht gewährleistet sei, sehe sein Amt Haftungsrisiken, so Stadtrat Urban Aykal (Grüne) in einer von der CDU beantragten Sondersitzung des Ausschusses für Mobilität, Verkehr und Ordnung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Hinzu komme, so Aykal, dass der Bezirk keine Mittel für die Arbeiten zur Verfügung habe. Die Maßnahme würde 65.000 Euro kosten, die auch bei der Senatsverwaltung angefordert worden seien. Auf eine Reaktion der übergeordneten und für das Hauptstraßennetz zuständigen Behörde warte man nun seit einem Monat. „Sobald das Geld da ist, schreiben wir aus“, so der Stadtrat. Der Radstreifen war 2022 von der Senatsverwaltung unter der damaligen Senatorin Bettina Jarasch (Grüne) angelegt worden. Die Begründung damals: der damalige Radweg sei zu schmal und zu kaputt. Das ist er auch heute noch, hier hat sich nichts verändert – außer der Einschätzung der Verwaltung unter der jetzigen Senatorin Ute Bonde (CDU). Wenn die Radfahrer auch den Fußweg zugeschlagen bekommen, heißt es in der Rückbauanordnung, passe die Breite. Das ist dünnes Eis – und für Urban Aykal kein rechtskonformer Weg. Der lasse sich nur erreichen, wenn entlang des Botanischen Gartens die Bäume gefällt werden. „Das wäre die Vollkatastrophe, das würde ich nicht mitmachen“, so der Stadtrat. Thorsten Hippe bezweifelte, dass die Mittel für den Rückbau nicht im Bezirksetat vorhanden seien. Auch der Hinweis der zuständigen Verwaltungsmitarbeiterin, dass der Etat für dieses Jahr entweder ausgegeben oder verplant sei, überzeugte den CDU-Fraktionsvorsitzenden nicht. Er werde das überprüfen. Das BVV-Urgestein Hippe hat seine ganz besondere Abneigung gegen Urban Aykal, die er besonders in den Sitzungen des Bezirksparlamentes auslebt. Da kommt es schon mal vor, dass der scharfzüngige Jurist den Dezernenten in der laufenden Debatte körperlich bedrängt, indem er, sich vor dem Redepult aufbauend, den Stadtrat in ein Zwiegespräch verwickelt. Wenn nun also Torsten Hippe, der eigentlich dem Verkehrsausschuss gar nicht angehört, in einer Sondersitzung den Wortführer seiner Fraktion gibt, geht es nur am Rande um pragmatische Lösungen. Hippe hat seine eigene Agenda, und die heißt Aykal. Daher muss sich der Ausschussvorsitzende Jens Kronhagel (CDU) für die formal ungenügende und aggressiv formulierte Tagesordnung entschuldigen, die er „Eins zu Eins“ von seiner Fraktion übernommen hatte. Hippes Angriffe zerschellten am Dienstag zum einen an einem sonst eher defensiven Aykal, der mehrfach und unmissverständlich deutlich machte, dass er nicht die Absicht habe, sich vorführen zu lassen. Außerdem hatte der CDU-Politiker Schwierigkeiten, Zweifel an den Aussagen des Stadtrates zu säen. Seine Mitarbeiter erläuterten bei Bedarf die Überlegungen des Amtes und ordneten die rechtliche Situation ein. Die Bezirksverordneten sind unter anderem gewählt, um die Verwaltung zu kontrollieren. Man darf nun gespannt sein, ob die CDU in den Winkeln des Bezirkshaushaltes irgendwo noch 65.000 Euro für den Rückbau der Radwegeanlage Unter den Eichen findet.

Daniela von Treuenfels

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