Gerne führte Klaus-Peter Laschinsky (vorn) durch die neue Schau. Fotos: Gogol

„Eine reizende Anlage bildet die Dorfaue mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal und den schmucken Anlagen des Dorfteiches. Man muss an einem schönen Sommerabend,wenn das vom Ortsverein seit einigen Jahren ins Leben gerufene Promenadenkonzert stattfindet, hier lustwandeln oder in der benachbarten ‚Klause‘ Rast halten, um zu verstehen, wie wohl sich die Zehlendorfer auf ihrer heimischen Scholle fühlen“, schrieb der Ortschronist Paul Kunzendorf 1906 über sein Zehlendorf. Wohl wenige Zehlendorfer würden dies heute noch unterschreiben, zumal an der „Scholle“ nicht nur der Zahn der Zeit nagte. Der Geschichte der Dorfaue widmet sich nun die Ausstellung „’Ja, mach nur einen Plan‘ – Der unvollendete Dorfanger Zehlendorfs“, die am Donnerstag im Heimatmuseum Zehlendorf eröffnet wurde.

„Ja, mach nur …“ sei ein Zitat Bert Brechts, erläuterte Klaus-Peter Laschinsky, Vorsitzender des Zehlendorfer Heimatvereins. Es gebe so viele Pläne, was mit dem Dorfanger – „Dorfaue“ sei ein falscher Begriff, weil Aue ein feuchtes Gebiet bezeichne, während der Zehlendorfer Dorfanger auf „trockenem märkischen Sand“ errichtet wurde, wie Laschinsky erklärte – zu machen sei. Und das bis heute.

Der Dorfanger sei einst Mittelpunkt des Dorfes gewesen, dort wurden die Tiere getränkt, da gab es den Löschteich, dort traf man sich, wenn es wichtige Angelegenheiten zu besprechen gab. Oder zum „Dingetag“. Von einem solchen Tag, an dem der Amtmann ins Dorf kam, um die Abgaben der Bauern einzutreiben und Probleme im Ort zu besprechen, konnte Laschinsky ein Protokoll finden. Eine Kopie des Dokuments von 1799 ist in der Ausstellung zu sehen.

Im Laufe der Zeit habe sich der Anger jedoch mehr und mehr zum „Schmuckplatz“ entwickelt. Das zeigen auch verschiedene Pläne, das das Stadtplanungsamt dem Museum zur Verfügung stellte. Die belegen auch, wie die Angerfläche sich stetig verkleinert. „Der Verkehr nagte an der Fläche“, so Laschinsky. Eine Verkehrszählung habe ergeben, dass die Kreuzung in Zehlendorf-Mitte in zwölf Stunden 48.000 Autos passieren. Auch dieses Dokument ist in der Ausstellung zu finden. Gleich neben der Bank in der Mitte des Raumes – das wohl ungewöhnlichste Objekt der Schau. Für sechs Monate zur Verfügung gestellt vom Gartenbauamt.

Doch nicht nur zurück wirft die Ausstellung den Blick, sondern auch in die Zukunft. Wie soll es weitergehen mit dem Dorfanger? Viele Ideen habe es gegeben und gibt es weiterhin. Einige davon sind ebenfalls an den Wänden zu finden. Wer eine eigene hat, kann sie in ein Büchlein eintragen, dass der Verein ausgelegt hat.

Es war auch die aktuelle Diskussion um die Gestaltung des Angers, die den Verein veranlasst hat, sich dem Thema zu widmen. „Wenn was im Werden ist, wollen wir zeigen, wie es war“, erklärte der Vereinsvorsitzende. Viele Fakten seien ja bekannt gewesen, doch man wollte auch darauf schauen, welche Pläne es gegeben habe und vor allem, was daraus geworden ist. Einige Dokumente fanden die Ausstellungsmacher im eigenen Archiv, für andere recherchierten sich im Brandenburger Landeshauptarchiv und im Berliner Landesarchiv.

Von diesem manchmal eher ernüchternden Blick in die Vergangenheit erhofft sich Laschinsky auch, dass mit dem Anger endlich was passiert. Er hat da auch ein paar Ideen: Einen Dorfteich brauche es zwar nicht, aber „Wasser gehört dazu“, findet er und wünscht sich ein Wasserspiel. Auch Flächen für einen Wochenmarkt kann er sich gut vorstellen. Und mehr Pflege wünscht er sich, „damit lebt so eine Anlage“. Zweimal Gras mähen im Jahr sei zu wenig. Mehr Leben wünscht Laschinky sich, begrüßt deshalb auch den Weihnachtsmarkt, der auch in diesem Jahr den Anger wieder beleben soll. Wenn der Anger die Menschen wieder einlädt, dort zu verweilen, wenn sie zufrieden sind, sei das auch gut für die Geschäftsleute entlang des Teltower Damms, ist sich Laschinsky sicher.

(go)

 *

Die Ausstellung ist zu sehen bis 1. Februar 2013, montags und donnerstags von 10 bis 18 Uhr, dienstags und freitags von 10 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.