
Kein Durchkommen bis Ende Juni: Die Klingsorstraße wird zwischen Telramund- und Amfortasweg wegen Bauarbeiten der Wasserbetriebe komplett gesperrt. | Foto: Daniela von Treuenfels
Die Klingsorstraße wird in einem kleinen Abschnitt südlich der Birkbuschstraße für drei Monate gesperrt. Statt seit Montag soll nun erst ab Donnerstag oder Freitag gebaut werden.
Wer kennt es nicht: Jemand ruft ohne nachzudenken „Unverzüglich!“ in den Raum, und es beginnt ein kleines Durcheinander. Das passiert öfter als man glaubt, und die Folge kann ein historisches Ereignis sein oder ein bisschen Verwirrung in der Nachbarschaft.
Eine Durchsage der Berliner Wasserbetriebe führte am Wochenende zu leichter Ratlosigkeit in Lichterfelde. Am Freitagnachmittag kündigte das Unternehmen per Mail an einzelne Medien die teilweise Sperrung der Klingsorstraße südlich der Birkbuschstraße an, Leser des Tagesspiegels erfuhren als erste davon.
Ab Montag 8 Uhr bis zum 23. Juni werde die Klingsorstraße von Nr. 77 bis 89 bzw. von Telramundweg bis Amfortasweg komplett gesperrt, um dort auf 55 Meter Länge einen innen 40 cm starken Regenkanal auszutauschen, hatte Pressesprecher Stephan Natz mitgeteilt. „Die Umleitung für den Verkehr läuft in Uhrzeigerrichtung über den Hindenburg- und Wolfensteindamm sowie die Birkbuschstraße, umgekehrt über Birkbusch- und Gelieustraße sowie Hindenburgdamm. Fußgänger und Radfahrer können passieren.“
Dass das nicht funktionieren würde, war am Sonntag abzusehen. Die Halteverbots-Schilder standen zwar schon, aber alle Parkplätze waren noch belegt. Nicht alle Anwohner hatten die kurzfristige Ankündigung mitbekommen, wie sich am Montag Mittag zeigte: zwei Autos standen noch im Bereich der Baustelle.

Die Buslinie 283 wird umgeleitet. | Foto: Daniela von Treuenfels
Verwirrte Gesichter gab es auch bei bei den Mitarbeitern des Klinikums Benjamin Franklin. Zur Frühschicht waren sie noch mit dem Bus gekommen, nun war der 283er plötzlich umgeleitet worden. Die Linie führt nun ab Schloßstraße durch die Birkbuschstraße, wo sie an der Klingsorstraße wieder ihre reguläre Route erreicht.
Das gilt – unverzüglich und weiterhin, obwohl die Wasserbetriebe ihre Terminplanung mittlerweile revidiert haben. Man müsse den Haltern drei Tage Frist einräumen, bevor man sich daranmache, Autos umzusetzen, räumt Stephan Natz auf Nachfrage ein. Die Sperrung gilt nun also ab Donnerstag (10.4.), möglicherweise erst ab Freitag.
Mit einsetzendem Nachdenken wurden gleich noch weitere Optimierungen beschlossen. Die Dalandstraße zwischen Klingsor- und Birkbuschstraße ist Einbahnstraße, aber Notarztwagen auf dem Weg vom oder zum Klinikum dürfen in beide Richtungen passieren. Mit der Verkehrslenkung wurde auch eine weitere Beschilderung vereinbart, so BWB-Sprecher Natz.
Der für Verkehr zuständige Stadtrat Urban Aykal war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Daniela von Treuenfels
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Schloßstraße 26 im Jahr 1925: An der Ecke Zimmermannstraße verkaufte Ernst Taeger Röcke und Blusen. | Foto: Museum Steglitz Nr. 03114[/caption]
Eine Ausstellung in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek macht aufmerksam auf die große Bedeutung jüdischen Lebens und jüdischer Wirtschaftstätigkeit für das Aufblühen der Schloßstraße im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Die Schloßstraße entwickelte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts in rasantem Tempo zur Einkaufsmeile. Die Eisenbahnverbindung zwischen Potsdam und Berlin mit Halt in der Albrechtstraße und die vor 1900 verkehrenden Straßenbahnen machten die Landgemeinde Steglitz attraktiv. Niedrige Grundstückspreise und Mieten lockten viele Geschäftsleute in die Steglitzer Hauptverkehrsstraße.
Jüdisches Leben hatte einen großen Anteil an dieser wirtschaftlichen Entwicklung und am Glanz und Reichtum der Schloßstraße. Jüdische Kaufleute betrieben zahlreiche spezialisierte Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe und größere Warenhäuser.
In den zwischen 1900 und 1910 entstandenen Wohn- und Geschäftsgebäuden lebten und arbeiteten jüdische Menschen in Bäckereien, Zigarrenläden und Konfektionsgeschäften, als Rechtsanwälte, Ärzte und Musiker.
Die Ausstellung erinnert mit acht kurzen Biographien und einer Übersicht von 40 Wirtschaftsbetrieben an diese Vielfalt und zeigt die radikale Vernichtung jüdischen Lebens nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933. In nur wenigen Jahren wurden alle jüdischen Gewerbetreibenden zur Geschäftsaufgabe gezwungen, jüdische Bewohnerinnen und Bewohner vertrieben oder deportiert. Heute erinnern nur einige im Jahr 2025 verlegte Stolpersteine und eine unauffällige Gedenktafel an das einst vitale jüdische Leben. Die Gedenktafel erinnert an Moritz Feidt, der im Jahr 1907 in der Schloßstraße 97 das erste größere Warenhaus eröffnete.
JÜDISCHES LEBEN IN DER SCHLOẞSTRAẞE
19.9.—14.11.2026
Eine Ausstellung in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek
Grunewaldstraße 3, im Einkaufzentrum "Das Schloss"
Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 11 – 19 Uhr
Samstag 11 – 16 Uhr
Eintritt frei
VERANSTALTUNGEN
Sonntag, 27. September, 12:00 Uhr
Geschichte vor Ort. Jüdisches Leben in der nördlichen Schloßstraße
Stadtspaziergang mit Sabine Davids und Barbara Wittkopf