Kommentar – Manja Schreiner: Die mit dem Holzhammer tanzt

Kommentar – Manja Schreiner: Die mit dem Holzhammer tanzt

Mit dem Scherbenhaufen der Verkehrssenatorin werden Berlins Radfahrer noch eine Weile zu tun haben. Foto: Milkovasa

 

Die Verkehrssenatorin kommuniziert wie eine Dampfwalze. Das schadet der Suche nach einem sinnvollen und zukunftsweisenden Verkehrskonzept für die Stadt.

Ein Kommentar von Daniela von Treuenfels

Es hätte so einfach sein können: Die zuständige Senatorin für Verkehr macht sich an die Arbeit und erklärt der interessierten Öffentlichkeit, wie sie gedenkt, den Koalitionsvertrag zwischen ihrer Partei, der CDU, und der SPD umzusetzen. Dort heißt es: „Die Koalition priorisiert, welche Radverkehrsprojekte aus dem Radverkehrsplan sie in dieser Legislaturperiode umsetzt.“

Doch statt zunächst Kriterien zu entwickeln, diese transparent zu kommunizieren und danach im Dialog geeignete Projekte auszuwählen, ergeht zuerst eine Order an die Bezirke: so und so läuft das in Zukunft, und dieses oder jenes Projekt sei umgehend zu stoppen.

Dass zum Zeitpunkt der Weisung an die Bezirke nachvollziehbare und begründete Kriterien für eine Auswahl der auszusetzenden Projekte noch nicht feststehen, wird am Tag danach deutlich. Die Pressemitteilung, die am Nachmittag veröffentlicht wird, ist in Ton und Inhalt deutlich freundlicher: statt eines Planungsstopps für Projekte, bei denen auch nur ein einziger Parkplatz wegfällt, soll nun „mit Wegfall einer überschaubaren Anzahl von Parkplätzen (abhängig von den örtlichen Gegebenheiten z.B. nicht mehr als zehn Parkplätze auf 500m)“ zunächst nicht weiter geplant werden. Tempo 30-Zonen werden überhaupt nicht mehr erwähnt. Und es wird deutlich: Im Bau befindliche Projekte werden weitergeführt.

Für Steglitz-Zehlendorf bedeutet das: alle Projekte laufen weiter wie gehabt (hier unser Bericht). Es ist zu vermuten, dass auch in anderen Bezirken nicht massenweise Planungsstopps verhängt werden. Doch es werden Vorhaben betroffen sein, die auch schon in der Vergangenheit heiß umkämpft waren – jeder Pop-Up-Radweg und jeder geschützte Radweg auf einer Fahrbahn dürfte jetzt wieder zur Debatte stehen.

Nach welchen Gesichtspunkten bisherige Planungen überprüft werden sollen, hat die Verkehrssenatorin benannt – und das Interessante daran ist: es sind Binsen. Zum Beispiel: „Welche Ziele werden verfolgt und welche Zielkonflikte sind mit der geplanten Maßnahme zu erwarten?“ Oder: „Welche Verkehrszahlen liegen für die jeweiligen Verkehrsteilnehmergruppen an den jeweiligen Örtlichkeiten vor und wie wurden diese bei den Planungen berücksichtigt?“ Und: „Welche Alternativen zu den derzeitigen Planungen gäbe es, damit Einschränkungen für den motorisierten Individualverkehr und des ruhenden Verkehrs ggf. geringer ausfallen würden?“

Manja Schreiner erklärt der Welt – und ihrer Verwaltung – das kleine Einmaleins der Verkehrswegeplanung. Subtext: Bisher habt ihr nicht richtig nachgedacht. Und, ihr Radwegeplaner seid nicht in der Lage und nicht willens, verkehrsmittelübergreifend zu denken. Zum kommunikativen Scherbenhaufen kommt nun also noch offenes Misstrauen.

Versöhnliche Sätze wie „Wir gehen nicht mit der Schablone vor, sondern orientieren uns am Bedarf aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer“ erscheinen da nicht mehr glaubwürdig. Schade.

 

Daniela von Treuenfels

 

 

 

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„Perspektiven der Kinder und Jugendlichen machen unsere Entscheidungen besser“

[caption id="attachment_103286" align="aligncenter" width="400"] Johanna Martens in der BVV am 22. April 2026, Rede zum Thema Kinder- und Jugendparlament | Foto: Grüne Fraktion[/caption]   Steglitz-Zehlendorf bekommt ein Kinder- und Jugendparlament. Das hat die BVV in der vergangenen Woche beschlossen. Wir dokumentieren die Rede von Johanna Martens, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen, im Wortlaut: Wir haben vor anderthalb Jahren einstimmig beschlossen, ein Beteiligungsgremium für Kinder und Jugendliche auf den Weg zu bringen. Seitdem ist viel passiert: Es gab einen strukturierten Beteiligungsprozess, Gespräche in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und mit Fachkräften. Und vor allem mit den jungen Menschen selbst. Wir haben uns bewusst nicht vorab auf eine Struktur für ein solches Gremium festgelegt und diese den Kindern- und Jugendlichen vorgesetzt, sondern den Beteiligungsprozess ernst genommen. Das Ergebnis dieses Prozesses war eindeutig: Die Kinder und Jugendlichen in Steglitz-Zehlendorf wollen ein Kinder- und Jugendparlament. Das Kinder- und Jugendparlament wird demokratisch gewählt, breit zusammengesetzt aus Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereinen und weiteren Organisationen. Es gibt klare Regelungen zur Repräsentanz und zur Einbindung verschiedener Gruppen im Bezirk. Und mit der Änderung der Geschäftsordnung integrieren wir dieses neue Gremium in unsere Arbeit in der BVV: Das Kinder- und Jugendparlament wird zu den Sitzungen eingeladen, kann eigene Anträge in die BVV einbringen und erhält eine nachvollziehbare Rückmeldung, wenn Anträge abgelehnt werden sollten. Auch Rederechte sind vorgesehen. Das sind notwendige strukturelle Veränderungen, die echte Mitwirkung ermöglichen. Warum ist das so wichtig? Weil wir damit zeigen, dass wir die Anliegen junger Menschen ernst nehmen. Weil wir damit Vertrauen in die Bezirkspolitik schaffen. Und weil wir somit ganz konkret in und mit diesem Gremium etwas gegen Politikverdrossenheit tun. Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass Politik über sie hinweg entscheidet, sie nicht ernst nimmt. Doch wer früh erlebt, dass die eigene Stimme gehört wird und Einfluss hat, entwickelt Vertrauen in demokratische Prozesse. Mit diesem Beschluss heute können wir zeigen: Eure Perspektiven sind nicht nur willkommen – sie haben Gewicht. Gleichzeitig profitieren auch wir als Bezirksverordnete und der Bezirk selbst: Kinder und Jugendliche nehmen ihren Bezirk anders wahr als wir Erwachsene, haben oft einen anderen Blick auf ihren Alltag: auf Schulwege, Freizeitangebote oder öffentliche Räume. Sie sehen Probleme, die wir vielleicht übersehen würden und haben Ideen, auf die wir selbst nicht kommen würden. Diese Perspektiven machen unsere Entscheidungen als BVV besser. Deshalb geht es heute auch um Vertrauen: Vertrauen darin, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können und wollen. Und dass sie uns als Bezirkspolitik vertrauen können. Und es geht um Respekt: Respekt vor der Zeit, dem Engagement und den klaren Forderungen, die im Beteiligungsprozess formuliert worden sind. Ich möchte mich deshalb im Namen der Grünen Fraktion ausdrücklich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben: bei allen Kindern und Jugendlichen, die sich eingebracht haben, bei den Einrichtungen, Fachkräften und der Verwaltung, die diesen Prozess getragen haben. Sie haben die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute diesen Schritt gehen können.

Johanna Martens

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