Man kennt dieses Verhalten von kleinen Kindern: Wenn zwei sich streiten, hat immer der andere angefangen, hat immer der andere Schuld. Auch bei Erwachsenen lässt sich solch ein Verhalten manchmal beobachten, vor allem, wenn es Politiker sind. So auch in der jüngsten BVV.

Nach dem Bericht des Landesrechnungshofes, der Sarazenu – das ehrgeizige Projekt das Rathaus Zehlendorf energetisch zu sanieren – als Steuerverschwendung gegeißelt hatte – hatte die SPD-Fraktion das Thema mit einer großen Anfrage auf die Tagesordnung gebracht. Nachdem bereits im Dezember darüber diskutiert wurde, war der Erkenntnisgewinn gleich Null.

Doch wer ist Schuld an dem Desaster – das war die einzige Frage, um die die Diskussion kreiste. Für die SPD sind dies vor allem Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) sowie die damals zuständigen grünen und schwarzen Bezirksstadträte. Der eigene Baustadtrat sei zu wenig gefragt worden. Das sahen – wie sollte es anders sein – CDU und Grüne ganz anders. Ihre Bezirksstadträte hätten ganz wunderbare Arbeit geleistet, nur der SPD-Baustadtrat hätte komplett versagt.

Und die Wahrheit – wen man diesen großen Begriff einmal verwenden möchte? Steckt wahrscheinlich irgendwo in den meterhohen Aktenbergen. In die man aber – wenn man nicht gerade Bezirksverordneter ist – gar keinen Einblick nehmen kann. Und so kann der Steuerzahler nur auf das hören, was die Politiker an Argumenten aus dem Hut zaubern – natürlich gefärbt je nach der politischen Brille, die die Beteiligten auf der Nase haben.

Doch wer übernimmt die Verantwortung? Niemand. Dabei sollten es vielleicht – anders als kleine Kinder – alle tun. Denn in welchem Umfang auch immer – beteiligt waren alle genannten Parteien, beziehungsweise ihre Bezirksstadträte. Und deshalb sollten alle gemeinsam vielleicht das tun, was SPD-Fraktionschef  Norbert Buchta von Bezirksbürgermeister Kopp forderte: Sich entschuldigen. Sagen: Es tut uns leid, wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben das Projekt und die Kosten falsch eingeschätzt. Das bringt zwar nicht die 1,6 Millionen Steuergelder zurück – aber vielleicht den Respekt und das Vertrauen in die Politik.

Simone Gogol