
Pfarrer Aribert Laser war vor gut 30 Jahren zum ersten Mal in der Partnergemeinde Oudtshoorn. Foto: Gogol
Die Reichen helfen den Armen – ein christliches Ideal über alle Jahrhunderte hinweg. Schon der Apostel Paulus sammelte Geld für die armen Gemeinden in Palästina, sagt Aribert Laser, Pfarrer im Ruhestand an der Dorfkirchengemeinde Lankwitz. Er koordiniert mehr als seit 30 Jahren die Patenschaft mit der südafrikanischen Gemeinde Oudtshoorn.
Anfang der 1970er Jahre erinnerten sich die deutschen Kirchen dieses Ideals und wollten Verantwortung übernehmen für ihre Glaubensbrüder in Afrika und Asien, erzählt Laser. Die Berliner Kirchen suchten sich Gemeinden in Südafrika. Die Patengemeinde der Dorfkirchengemeinde Lankwitz liegt im South East Cape Circus, einer Touristenroute zwischen Kapstadt und Port Elizabeth. Oudtshoorn ist das Zentrum der Straußenzucht, so Laser. Er wurde damals dafür ausgewählt, sich um die Patenschaftsarbeit zu kümmern. Begeistert sei er davon nicht gewesen, erinnert er sich. Er habe sich vielmehr in Richtung Polen orientiert – „ich hatte keinen Draht nach Südafrika“, sagt er. Das änderte sich spätestens nach dem ersten Besuch dort. Der liegt jetzt gut 30 Jahre zurück. „Es war alles sehr modern. Sie hatten sogar schon Bankautomaten. In Berlin gab es die damals noch nicht“, erinnert sich Laser. Aber es herrschte noch Apartheid.
Die Gemeinde, für die die Lankwitzer die Patenschaft übernahmen, war eine Gemeinde der „Colored“, Menschen mit weißen und schwarzen Vorfahren. Die hatten zwar ein paar mehr Rechte und Chancen als die Schwarzen, aber viel weniger als die Weißen, berichtet Laser. „Sie saßen zwischen den Stühlen“. Bei seinem Besuch in Oudtshoorn lernte er die beiden Pfarrer der Colored-Gemeinde kennen, ließ sich von den Gemeindegliedern die Umgebung zeigen und begleitete sogar einen Hilfstransport für Hochwasseropfer in Kimberley. Dabei wurde er von der Geheimpolizei beobachtet und seine Begleiter immer wieder kontrolliert, erzählt der Pfarrer im Ruhestand. Er habe sogar bei den Familien der Colored gewohnt, obwohl er als Weißer dies nicht gedurft hätte. „Man riskierte, des Landes verwiesen zu werden.“
Im Winter 1985/86 erfolgte der Gegenbesuch eines Pfarrers mit seiner Frau und Kindern. „Wir haben sie überall hin mitgenommen“, so Laser, einige Gemeindegliedern übernahmen sogar Patenschaften für die Kinder. „Die Patenschaft wurde mit Gesichtern verbunden.“ Seit damals habe es viele Besuche und Gegenbesuch gegeben, auch von anderen südafrikanischer Gemeinden. Sogar den Aufbau eines Gemeindehauses unterstützten die Alt-Lankwitzer finanziell. Bei Herbstbasaren sammelten sie Geld und waren anschließend bei der Einweihung dabei. „Aber eigentlich hat die Partnerschaft weniger mit Geld als mit Austausch zu tun“, betont Laser.
An einen Austausch erinnern sich heute noch viele Menschen in der Gemeinde. Ein Jahr lang war eine junge Frau aus Oudtshoorn Gast in Lankwitz. Vinette kam im Juni 1999 im Rahmen eines Freiwilligen Ökumenischen Jahres nach Berlin. Sie sei eine lebenslustige junge Frau gewesen, die selbst in der S- und U-Bahn Unbekannten von ihrem Glauben und ihrer Kirche erzählte, ganz offen und frei. „Das war beeindruckend, weil wir hier doch eher zurückhaltend sind darin zu erzählen, was uns die Gemeinde bedeutet“, sagt Laser.
Laser, der seit zehn Jahren im Ruhestand ist, war zum letzten Mal im vergangenen September in Oudtshoorn, unter anderem, um Vinettes Sohn zu taufen. Es war vielleicht sein letzter Besuch. Die Verantwortung für die Partnerschaftsarbeit habe er nun abgegeben. Laser betont, wie viel solch ein Austausch der Gemeinde bringt. „Es ist wichtig, einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Wir schmoren hier im eigenen Saft. Doch verglichen mit Südafrika sind unsere Sorgen klein“, findet Laser und erzählt von einem Kindergarten, den die Frauen der Gemeinde in Oudtshoorn freiwillig betreiben. Der Raum ist fast leer, es gebe kein Spielzeug. „Ich bewundere, was die Frauen dort machen. Das ist vorbildlich.“
(sn)












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