Lichterfelde Ost: Vorfahrt für den ruhenden Verkehr

Lichterfelde Ost: Vorfahrt für den ruhenden Verkehr

Kranoldplatz, Foto: Stephan Voß

 

GRÜNE setzen sich gemeinsam mit SPD und FDP für den Erhalt bequem erreichbarer und sicherer Parkplätze auf dem Kranoldplatz ein.

GRÜNE, SPD und FDP haben mit ihrer nach der Wahl geschlossenen Zusatzvereinbarung zu dem weiterhin gültigen Zählgemeinschaftsvertrag 2021 – 2026 ihre Vorstellungen zur Umgestaltung des Kranoldplatzes weiter konkretisiert: Sie wollen den Kranoldplatz nicht nur als Marktstandort erhalten, den Beteiligungsprozess aktiv vorantreiben und die Sicherheit und Aufenthaltsqualität des Platzes erhöhen, sondern auch „sichere und bequem erreichbare Parkmöglichkeiten auch auf dem Kranoldplatz erhalten“.

Warum bei einer Umgestaltung des Kranoldplatzes Parkplätze auch auf dem Platz erhalten werden sollen, wird in dem Papier, das den Stadtrand-Nachrichten vorliegt, nicht dargelegt. Dies ist bemerkenswert, da eine Zählung der Parkplätze durch die Initiative Lebenswerter Kranoldplatz in den beiden Parkhäusern in der unmittelbaren Umgebung des Kranoldplatzes im Frühsommer 2022 ergeben hat, dass es dort im Durchschnitt täglich rund 200 freie Parkplätze gibt. Gezählt wurde zwei Wochen lang zu verschiedenen Zeiten an allen Wochentagen einschließlich der Markttage. Die Parkhäuser sind fußläufig vom Kranoldplatz in ein bis drei Minuten zu erreichen. Beide verfügen über einen Aufzug sowie Parkplätze für mobilitätseingeschränkte Menschen.

Mit ihrer Einschätzung, dass die beiden Parkhäuser keineswegs ausgelastet sind, steht die Initiative Lebenswerter Kranoldplatz nicht alleine. Eine Studie der Technischen Universität Berlin (TUB) vom Februar dieses Jahres hat ebenfalls eine geringe Auslastung der beiden Parkhäuser festgestellt. Folgt man diesen Erkenntnissen, gibt es im Zentrum von Lichterfelde Ost kein Parkplatzproblem, das den Erhalt der Parkplätze auf einem umgestalteten Kranoldplatz rechtfertigen würde.
Unter anderem vor diesem Hintergrund enthält die Studie der TUB auch ein Plädoyer für einen künftig autofreien Kranoldplatz. Die von der Initiative Lebenswerter Kranoldplatz entwickelte Vision eines autofreien Platzes als lebendiges Zentrum von Lichterfelde Ost findet damit auch die Unterstützung unabhängiger Expertinnen und Experten.

Viele Bürgerinnen und Bürger sind von einer solchen Platzgestaltung offenbar ebenfalls angetan. Das zeigen die über 1.000 der Bezirksbürgermeisterin (Bündnis90/DIE GRÜNEN) und den für Verkehr (Bündnis90/DIE GRÜNEN) bzw. für Stadtentwicklung (ehemals SPD, jetzt CDU) zuständigen Stadträten überbrachten Postkarten, auf denen sie mit ihren Unterschriften die Vision der Initiative Lebenswerter Kranoldplatz für einen autofreien Kranoldplatz unterstützen.
In ihrem Zählgemeinschaftsvertrag 2021 – 2026 hatten sich GRÜNE, SPD und FDP auf die Aufwertung von Plätzen verständigt, um dort die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, das Gewerbe zu fördern und Wochenmärkte zu sichern.

Bezüglich der Umgestaltung des Kranoldplatzes wurde von den Parteien damals formuliert, dass dafür ein transparentes Verfahren unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger bei Erhalt des Wochenmarktes stattfinden solle. Ein entsprechendes Beteiligungsverfahren wurde bis zur Wahl 2023 allerdings nicht in die Wege geleitet. Dies war auch nicht zu erwarten, da bis dahin weder das Bezirksamt noch die BVV einen Beschluss zur Umgestaltung des Kranoldplatzes gefasst haben. Auch aktuell ist ein entsprechender Beschluss nicht in Sicht.

Lesen Sie hier unseren Kommentar zum Thema.

 

Stephan Voß

Der Autor ist ehrenamtliches Mitglied des Redaktionsteams der Stadtrand Nachrichten.
Er ist außerdem Gründungsmitglied der Initiative Lebenswerter Kranoldplatz.

 

 

 

 

 

 

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„Perspektiven der Kinder und Jugendlichen machen unsere Entscheidungen besser“

[caption id="attachment_103286" align="aligncenter" width="400"] Johanna Martens in der BVV am 22. April 2026, Rede zum Thema Kinder- und Jugendparlament | Foto: Grüne Fraktion[/caption]   Steglitz-Zehlendorf bekommt ein Kinder- und Jugendparlament. Das hat die BVV in der vergangenen Woche beschlossen. Wir dokumentieren die Rede von Johanna Martens, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen, im Wortlaut: Wir haben vor anderthalb Jahren einstimmig beschlossen, ein Beteiligungsgremium für Kinder und Jugendliche auf den Weg zu bringen. Seitdem ist viel passiert: Es gab einen strukturierten Beteiligungsprozess, Gespräche in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und mit Fachkräften. Und vor allem mit den jungen Menschen selbst. Wir haben uns bewusst nicht vorab auf eine Struktur für ein solches Gremium festgelegt und diese den Kindern- und Jugendlichen vorgesetzt, sondern den Beteiligungsprozess ernst genommen. Das Ergebnis dieses Prozesses war eindeutig: Die Kinder und Jugendlichen in Steglitz-Zehlendorf wollen ein Kinder- und Jugendparlament. Das Kinder- und Jugendparlament wird demokratisch gewählt, breit zusammengesetzt aus Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereinen und weiteren Organisationen. Es gibt klare Regelungen zur Repräsentanz und zur Einbindung verschiedener Gruppen im Bezirk. Und mit der Änderung der Geschäftsordnung integrieren wir dieses neue Gremium in unsere Arbeit in der BVV: Das Kinder- und Jugendparlament wird zu den Sitzungen eingeladen, kann eigene Anträge in die BVV einbringen und erhält eine nachvollziehbare Rückmeldung, wenn Anträge abgelehnt werden sollten. Auch Rederechte sind vorgesehen. Das sind notwendige strukturelle Veränderungen, die echte Mitwirkung ermöglichen. Warum ist das so wichtig? Weil wir damit zeigen, dass wir die Anliegen junger Menschen ernst nehmen. Weil wir damit Vertrauen in die Bezirkspolitik schaffen. Und weil wir somit ganz konkret in und mit diesem Gremium etwas gegen Politikverdrossenheit tun. Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass Politik über sie hinweg entscheidet, sie nicht ernst nimmt. Doch wer früh erlebt, dass die eigene Stimme gehört wird und Einfluss hat, entwickelt Vertrauen in demokratische Prozesse. Mit diesem Beschluss heute können wir zeigen: Eure Perspektiven sind nicht nur willkommen – sie haben Gewicht. Gleichzeitig profitieren auch wir als Bezirksverordnete und der Bezirk selbst: Kinder und Jugendliche nehmen ihren Bezirk anders wahr als wir Erwachsene, haben oft einen anderen Blick auf ihren Alltag: auf Schulwege, Freizeitangebote oder öffentliche Räume. Sie sehen Probleme, die wir vielleicht übersehen würden und haben Ideen, auf die wir selbst nicht kommen würden. Diese Perspektiven machen unsere Entscheidungen als BVV besser. Deshalb geht es heute auch um Vertrauen: Vertrauen darin, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können und wollen. Und dass sie uns als Bezirkspolitik vertrauen können. Und es geht um Respekt: Respekt vor der Zeit, dem Engagement und den klaren Forderungen, die im Beteiligungsprozess formuliert worden sind. Ich möchte mich deshalb im Namen der Grünen Fraktion ausdrücklich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben: bei allen Kindern und Jugendlichen, die sich eingebracht haben, bei den Einrichtungen, Fachkräften und der Verwaltung, die diesen Prozess getragen haben. Sie haben die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute diesen Schritt gehen können.

Johanna Martens

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