Grafik: RMSW

Steglitz-Zehlendorf ist nicht gerade für seine Industrie und sein Gewerbe bekannt. „Im Wettbewerb mit anderen Bezirken um interessante und zukunftsträchtige unternehmerische Investitionen und Arbeitsplätze wird immer wieder das Fehlen dafür erforderlicher Grundstücke und Gebäude in Steglitz-Zehlendorf als Manko genannt“, so das Regionalmanagement Südwest (RMSW). Das hatte deshalb ein Beratungsunternehmen für Regional- und Wirtschaftsförderung beauftragt, das Gewerbegebiet Goerzallee-Stichkanal zu untersuchen und Handlungsempfehlungen zu geben, wie das 77 Hektar großen Areal zu einem modernen Gewerbestandort umstrukturiert werden kann. Die ersten Untersuchungsergebnisse liegen nun vor.

Derzeit sei das Gewerbegebiet „ein in Teilen unübersichtliches Mixtum aus in zu geringem Umfang moderner Industrie und Dienstleistung bis hin zu Bauschuttlagern und anderen wertschöpfungsarmen Bereichen“, so das Urteil. Die Analyse schlägt vor, das Areal in vier Teilbereiche aufzuspalten und für jeden eine separate Lösung zu finden.

Den größten Handlungsbedarf sieht das Beratungsunternehmen auf dem ehemaligen Krone-Gelände am Beeskowdamm. Das Gelände wird heute nur noch teilweise genutzt, zum Herbst dieses Jahres stellt auch der Krone-Nachfolger TE Connectivity seinen Betrieb ein. Gelände und Gebäude gehören dem Liegenschaftsfond, Leerstand und Unterhaltung würden dem Land Berlin viel Geld kosten. Deshalb sollte mit der Neubelegung des Areals schnellstmöglich begonnen werden. Wie die Analyse feststellte, sind die Gebäude mit „überschaubarem Investitionsaufwand“ für eine neue Nutzung herzurichten. Sie seien in einem guten Zustand, verfügten über eine Heizungsanlage sowie zeitgemäße Licht- und Kommunikationstechnik. Die Raumgestaltung sei flexibel, weshalb sich das RMSW gut vorstellen kann, die Gebäude etagenweise zu vermieten – zirka 1.000 Quadratmeter inklusive Nebenflächen.

Am schwierigsten zu entwickeln – wenn überhaupt – ist laut Beratungsunternehmen das Areal am Stichkanal. Das Gebiet ist nahezu unerschlossen, der Untergrund schwierig zu bebauen und aufgrund des Anglerreviers weitestgehend öffentlich nicht nutzbar. Das Areal gehört der Teltower Kreiswerke GmbH, deren Anteile von drei Landkreisen gehalten werden. Bisher wird das Gelände vorwiegend zur Lagerung von Baustoffen genutzt.

Ebenfalls nicht gut erschlossen ist das Teilgebiet Lichterfelder Weg. Positiv könnte sich laut Gutachter aber eine geplante Änderung des Bebauungsplanes für das Kleingartengelände auf den Standort auswirken. Wenn dieses als Arbeitsgebiet ausgewiesen würde, würden sich sich Erweiterungsmöglichkeiten für die ansässigen Unternehmen sowie für Neuansiedlungen ergeben. „In diesem Zusammenhang ist Erschließung des Geländes zu verbessern“, heißt es in der Analyse.

Das letzte Teilgebiet an der Goerzallee sei geprägt durch moderne Produktion. Doch mittendrin gibt es „Grundstücke, auf denen spürbare Nutzungsreserven und (…) und ungenutzte Flächen zu vermuten sind“. Die Grundstücke sind ausschließlich in Privatbesitz.

Für die drei letztgenannten Gebiete schlagen die Berater vor, „die Grundstückseigentümer zu überzeugen und dafür zu gewinnen, sich im gemeinsamen Interesse investiv an einer Strukturentwicklung zu beteiligen.“ Gute Chance dafür sieht das Beratungsunternehmen, wenn es gelingt, auf dem Krone-Gelände ein „entsprechendes positives Zeichen zu setzen mit einem Nutzungs- und Vermarktungskonzept, dass auch anderen privaten Eigentümern in der Goerzallee Perspektiven aufzeigt“.

(sn)