Das StraßenABC führt uns nach Dahlem zur Thielallee. Die ist benannt nach dem Staatsbeamten und Politiker Hugo Thiel. Der gebürtige Bonner war 1897 Ministerialdirektor der Domänenabteilung im preußischen Landwirtschaftsministerium. Als solcher erneuerte er die landwirtschaftliche Lehranstalt Preußens und gründete landwirtschaftliche Versuchsstationen. Von 1901 bis 1911 war Thiel Vorsitzender der Kommission zur Aufteilung der königlichen Domäne Dahlem. Auf seine Initiative hin wurde 1903 die „Königliche Gärtner-Lehranstalt“ nach Dahlem verlegt. Seit 1911 trägt die Straße, die von der Ecke Königin-Luise-Straße/Pacellialle bis zur Berliner Straße verläuft Thiels Namen.
Zahlreichen Villen und gut bürgerliche Häuser stehen an der Straße, darunter auch einige Kulturdenkmale. Wie etwa die Wohnhausgruppe Thielallee 20/24. Die drei Häuser wurden Ende der 1930er Jahre errichtet. Ebenfalls Ende der 1920er Jahre entstand das Haus mit der Hausnummer 8. Das Landhaus wurde nach Plänen des Regierungsbaumeisters Karl Hoffmann erbaut. Selbst das dazugehörige, ebenfalls von Hoffmann entworfene Chauffeurshaus mit Garage steht auf der Denkmalliste des Landes Berlin. Es ist eines der wenigen erhaltenen Beispielen dieses Bautyps aus den 1920er Jahren in Dahlem.
Ebenfalls unter Denkmalschutz stehen die ehemalige Landarbeiterhäuser mit ihren Ställen (Thielallee 2/4). Sie wurden 1888 von W. Bohne für die Domäne Dahlem errichtet. In den beiden unterkellerten Ziegelrohbauten wohnten einst sechs Landarbeiterfamilien. „Die Gesamtanlage gehört zu den am besten erhaltenen Beispielen dieses Bautyps in Berlin und ist ein wichtiges Zeugnis für die Wohn- und Lebensbedingungen der Landarbeiter am Ende des 19. Jahrhunderts“, heißt es in der Denkmalliste Berlin.
Das Gemeindehaus der St. Annen-Kirchengemeinde (Thielallee 1/3 ) steht ebenfalls auf der Denkmalliste. 1926 bis 1927 wurde das Gotteshaus nach Entwürfen des Architekten Hans Jessen errichtet. Nachdem Pfarrhaus und Kirche für die wachende Dahlemer Gemeinde zu klein geworden waren, hatte diese 1925 einen Architektenwettbewerb für den Neubau ausgeschrieben. Gewünscht war ein Gebäude mit großem Saal für Gottesdienste und Veranstaltungen sowie verschiedene andere Räume für die zahlreichen Gemeindeaufgaben. Von 1939 bis 1945 wurde das Haus als Lazarett genutzt, ab1945 probten in den Räumen die Berliner Philharmoniker unter der Leitung Herbert von Karajans, bis diese 1963 die neue Philharmonie umzogen.
Auch die Wissenschaft ist an der Thielallee zu Hause, zum Beispiel in den Gebäuden mit den Hausnummern 63 und 73, die einst der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gehörten. Das einstige Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie (Nr.63) – heute der Otto-Hahn-Bau der Freien Universität – wurde 1911 bis 1912 von den Architekten Ernst von Ihne und Max Guth entworfen. Weltberühmt wurde das Gebäude durch die gemeinsame Arbeit von Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Straßmann, die dort 1938 die Kernspaltung entdeckten. Dafür wurde Hahn 1944 der Nobelpreis zugesprochen, der ihm dann 1946 nachträglich verliehen wurde. Während des Zweiten Weltkrieges war das Institut eingebunden in das sogenannte „Uranprojekt“, ein Forschungsprogramm der Wehrmacht, dessen Ziel es war, die Kernspaltung als Energiequelle und Waffe zu nutzen. 1949 übernahm die Freie Universität das Haus und ließ es für den Fachbereich Biochemie im Inneren grundlegend umbauen.
Dass sich hinter den Mauern ein wissenschaftliches Institut verbirgt, mag man auf den ersten Blick kaum glauben, denn in einem „Übergangsstil der italienischen Spätrenaissance zum Barock gestaltet“, erinnert es eher an ein französisches Wasserschloss.
Ebenfalls von von Ihne und Guth entworfen wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut für Experimentelle Therapie (Nr. 73). Dazu gehörte auch ein Assistentenwohnhaus, das ebenfalls unter Denkmalschutz steht. Aufgabe des biologisch-medizinischen Instituts war die Erforschung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Erster Direktor war der Immunologe und Robert Koch-Schüler August von Wassermann, der während des Ersten Weltkrieges Impfstoffe gegen Cholera und Typhus entwickelte.Wassermann nahm wesentlichen Einfluss auf die Innere Gestaltung des Instituts, dem Ihne äußerlich einen eher ländlichen Charakter mit zurückhaltend barocken Anklängen gegeben hatte. Heute ist unter anderem das Institut für Arbeitsmedizin der Charité in dem Bau untergebracht.
An der Straße sind weitere zahlreiche Institute der Freien Universität zu Hause, zum Beispiel das Philologische in der bekannten Silberlaube.
Zu Hause waren an der Thielallee auch Lise Meitner und der Präsident der Reichsfilmkammer Carl Froelich, die im Haus mit der Nummer 67 wohnten, Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk (Nummer 89) und die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink (Nummer 101). Da es in Dahlem so schön ist, hat sich dort auch Myanmar seine Botschaft errichten lassen (Nummer 19).
Erholung finden Studenten, Wissenschaftler und Anwohner im Triestpark. Die italienische Stadt lag unmittelbar an der Grenze zum sozialistischen Jugoslawien und war dadurch bis in den 1980er Jahre wirtschaftlich isoliert. Um sich mit der Bevölkerung zu solidarisieren wurde der Park 1969 nach der italienischen Stadt benannt.
(sn)













Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Damit auch alles glatt läuft für die Radfahrer, wurde jetzt das Kopfsteinpflaster abgefräst.
Vor gut einem halben Jahr wurde auf dem Tietzenweg zwischen Unter den Eichen und Gardeschützenweg die Fahrradstraße fertiggestellt. Hier haben Radfahrer Vorrang, Kraftfahrzeuge werden als Anlieger weiterhin zugelassen. Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen nebeneinander fahren, für alle gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung auf maximal 30 km/h. Ausnahmen gelten für Müllfahrzeuge, Rettungswagen sowie für Polizei und Feuerwehr.
Eine Weiterführung der Vorrangstraße für Radfahrer ist ab dem Gardeschützenweg perspektivisch bis zum Hindenburgdamm vorgesehen. Damit Radfahrer in Richtung Augustastraße weiter komfortabel unterwegs sein können, wird derzeit das Kopfsteinpflaster geglättet. Zunächst hat sich die große Maschine durch den Tietzenweg zwischen Gardeschützenweg und Viktoriastraße gescheppert. Derzeit wird das nächste Teilstück bis zur Augustastraße fertiggestellt.
Im Zuge dessen wird die Kreuzung Tietzenweg/Sophienstraße/Viktoriastraße asphaltiert und barrierefrei ausgebaut. Gehwegvorstreckungen sollen die Wegebeziehungen verbessern und Übergänge sicherer machen.
Die Kosten für die bisherigen Maßnahmen liegen bei rund 800.000 Euro. Nach Angaben des zuständigen Stadtrats Urban Aykal (Grüne) wurden für den ersten Abschnitt 155.000 Euro ausgegeben. Für den zweiten Teil werden insgesamt 650.000 Euro fällig, davon alleine 300.000 Euro für das Abfräsen des Pflasters.
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Frisch gefrästes Kopfsteinpflaster: eben und mit kleinen Rillen. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In einem dritten Abschnitt soll im nächsten Jahr der dritte Bauabschnitt bis zum Hindenburgdamm fertiggestellt werden. Das Ziel ist es, so Stadtrat Aykal, „eine sichere Radverbindung von Lankwitz und Lichterfelde zur FU und zur City West zu schaffen“. Auch vor dem Hintergrund, dass an der Drakestraße aufgrund der geringen Breite kein Radweg angelegt werden könne, sei das „sehr wichtig“.
Als Urban Aykal die Ideen im Juni vergangenen Jahres erstmals im Rahmen des Runden Tisches vorstellte, sprach er von einem „Campus Lichterfelde West“. Gemeint sind verkehrliche Maßnahmen für die dortigen 10 Schulen und zahlreichen Kitas mit ihren rund 10.000 Kindern und Jugendlichen.
Der Tietzenweg, der Teil des Berliner