„Es ist eine ausgezeichnete Atmosphäre, die Akustik ist wunderbar“, Eckhard R. Falk kam aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Am Sonntag besuchte er zum ersten Mal die Palmensinfonie im Botanischen Garten in Dahlem. „Es gefällt mir sehr gut. Es ist ein tolles Angebot und eine Bereicherung“, lobte der Berliner weiter. Er und seine Frau hatten die Tickets zum Geburtstag geschenkt bekommen von Bernhard Hinderer, der ebenfalls durch die Gewächshäuser wandelte, um sich an den verschiedenen Stationen die Musik anzuhören. Auch er war zum ersten Mal dabei. „Wir wussten schon lange davon, aber wir haben es nie geschafft herzukommen“, erzählt er. Er ist genauso begeistert wie seine Gäste. Ihm gefalle ebenso die lockere Atmosphäre, dass man ohne Anzug umherstreifen kann und dabei ein schönes Programm geboten bekommt. „Es sind hervorragende Künstler“, lobte Hinderer.
In der ersten Dreiviertelstunde sind Hinderers und Falks einmal komplett herumgelaufen. Vor allem der Chor im Großen Tropenhaus habe ihnen gefallen, erzählen sie.
Dort war die Akustik ganz besonders schön, fast wie Engelsgesang wirkte es, als der Chor Canto Berlin ohne Instrumente seine Lieder zwischen den großen Palmen sang – mal alle gemeinsam, mal nur ein paar der zwölf Sängerinnen und Sänger, die sich durch das Gewächshaus bewegten.
Wer von dort aus den Weg nach rechts einschlug, kam in das Tropische Nutzpflanzenhaus, wo sich das Duo Alabastro mitten in der Pflanzenwelt seine Bühne gesucht hat. An den Seiten hatten sich die Zuhörer niedergelassen, hörten aufmerksam zu, Pärchen schmusten und kuschelten miteinander, andere nutzten die kleine Pause zwischen zwei Stücken um weiterzuziehen, etwa ins Farnhaus, wo ein Schlagzeugduo für Rhythmus sorgte. Den stachligstenrbeitsplatz an diesem Abend hatte das Trio ClariNova, das im Kakteenhaus unter anderem Stücke aus der Dreigroschenoper zum Besten gab. All das konnten Besucher hören, ohne einmal die Gewächshäuser verlassen zu müssen.
Einen kurzen Weg durch die kalte Berliner Nacht galt es zurückzulegen, wenn man Eva Curth an der Harfe lauschen wollte. Im Mittelmeerhaus spielte sie Stücke von Georg-Friedrich Händel, Domenico Scarlatti und Carlos Salzedo, mit dessen „Lied an die Nacht“ sie ihre Zuhörer in die selbige entließ. Curth war zum erste Mal bei der Palmensinfonie dabei, allerdings hatte sie schon bei der Botanischen Nacht im Rosengarten gespielt . Da war die Luftfeuchtigkeit bei weitem nicht so hoch wie im Mittelmeerhaus. Sie merke die Feuchtigkeit beim Spielen, sagte Curth, die Hände waren klamm. Doch um ihr Instrument machte sich die Harfinistin keine Sorge. „Es hat die Dreiviertelstunde gut überstanden“, sagt Curth. Nur nachstimmen wollte sie es in der Pause zwischen den beiden Konzertrunden. Ausgesprochen gut gefalle ihr ihr Arbeitsplatz an diesem Abend, so Curth. „Es ist herrlich, zauberhaft“, schwärmte sie. Sie fühle sich wohl, das Licht sei schön und dort, wo sie spiele, rieche es angenehm nach Rosmarin.
Im Mittelmeerhaus beendeten auch Ernst und Dagmar Schilly ihren ersten Rundgang. Durch Zufall hatten sie vor wenigen Tagen in der Zeitung von der Palmensinfonie gelesen und sich spontan entschlossen, vorbeizukommen, erzählten die zwei musikinteressierten Steglitz-Zehlendorfer. Auch sie sind begeistert vom Konzert, „Das ist ganz toll, eine gute Idee“, von der Schillys auch hoffen, dass es einen positiven Effekt habe für den Botanischen Garten.
Die nächsten Palmensinfonie ist am kommenden Wochenende, 23. und 24. Februar, im Botanischen Garten zu erleben, jeweils von 18 bis 20 Uhr. Karten kosten 15, ermäßigt zehn Euro, Garteneintritt inklusive.
(go)











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (