Philipp Osten, der den Stelen-Text verfasst hatte, Werner Ukas von der OHH-Stiftung, und Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski gaben die Stele frei. Foto: Gogol

Fast hätte der Wind die Enthüllung der Informationsstele für das „Oskar-Helene-Heim“(OHH) übernommen, doch es waren dann doch Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU), der Medizinhistoriker Dr. Philipp Osten und Werner Ukas, Geschäftsführer der Stiftung Oskar-Helene-Heim, die die Stele vor dem U-Bahnhof „Oskar-Helene-Heim“ freigaben.

Beschleunigt habe man das Verfahren im Kulturamt, um die Stele noch in diesem Jahr freigeben zu könne, so Richter-Kotowski – rechtzeitig zu 100-jährigen Bestehen der Stiftung, das vor zwei Wochen gefeiert wurde.

Die Stele erinnert an die oft unbekannte Geschichte des wohl bekanntesten und populärsten Orthopädie-Standortes in Berlin. Wenn nichts mehr ging, habe es geheißen „Geh ins Oskar“, erinnerte sich Ukas. Dabei war die Klinik als Modellanstalt für die Betreuung körperbehinderter Kinder gegründet.

Bis zur Jahrhundertwende habe es keine gesetzliche Regelung zur Versorgung körperbehinderter Kinder und Jugendlicher gegeben, erinnerte Osten in seiner Rede an die Anfänge des OHH. Die Kindersterblichkeit im Deutschen Reich sei so hoch gewesen wie kaum sonst irgendwo in Europa, Knochen- und Gelenktuberkulose war die häufigste Todesursache bei Kindern zwischen zehn und 14 Jahren, jeder vierte Erstklässler in Berlin litt an der Mangelkrankheit Rachitis. 1914 stifteten der Fabrikant Oskar Pintsch und seine Frau Helene eine Million Goldmark für die Errichtung des nach ihnen benannten Heims, in dem „Krüppelkinder“ behandelt werden sollten. Dort wurde unter anderem eine Therapie mit ultraviolettem Licht entwickelt, mit der die Rachitis geheilt werden konnte.

Im Mai 1914 eröffnet, kamen ab September des gleichen Jahres die ersten verwundeten Soldaten ins OHH. „Das Heim sollte eine Musteranstalt zur Behandlung körperbehinderter Kinder werden, es wurde eine Musteranstalt zur Behandlung kriegsversehrter Soldaten“, so Osten.

1933 endete die besondere Form der Therapie im OHH, nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde aus dem Heim eine Orthopädie-Klinik der Charité.

Im OHH sei ein Samenkorn gelegt worden für das, was man heute Inklusion nenne, so Ukas. Und auch wenn von dem einstigen Oskar-Helene-Heim nur noch Bauschutt übrig zu sein scheine – es existiere noch. Nach der Fusion zog die Orthopädie-Klinik an das Emil von Behring-Krankenhaus, wo die Arbeit auf dem gleichen Niveau fortgesetzt wurde. Auch die Lungenklinik Heckeshorn wurde dem Stiftungskrankenhaus übertragen, das in eine GmbH umgewandelt wurde. 2004 wurde der Helios-Konzern mehrheitlich daran beteiligt.

Im Sinne der Stifter, Gutes zu tun, engagiere sich die Stiftung weiterhin im medizinischen Bereich, so Ukas. Jährlich vergibt sie den mit 50.000 Euro dotierten Oskar-Medizin-Preis und fördere damit Forschungsvorhaben unabhängig von Popularität und Forderungen der Pharmaindustrie, erklärt Ukas. Zudem wird jährlich die mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbundene Helene-Medaille vergeben, um ehrenamtlichen Engagement im gesundheitlich-sozialen Bereich zu fördern. Erste Preisträgerin war die Zehlendorfer Ärztin Dr. Jutta Herbst-Oehme, die das Projekt Kältehilfe der Berliner Stadtmission gegründet hatte.

Den Nachnutzern des historischen Geländes an der Clayallee wünscht Ukas, dass sie die erfolgreiche Arbeit, die dort vor 100 Jahren begonnen wurde, fortsetzen. Den Namen griffen sie immerhin auf, das neue Wohnareal wird „Oskar-Helene-Park“ heißen.

 *

Wer mehr wissen will über die wechselvolle Geschichte des Oskar-Helene-Heims: Die Stiftung hat anlässlich des diesjährigen Jubiläums eine umfangreiche Chronik herausgegeben. Sie kann für 20 Euro über die Homepage der Stiftung unter www.stiftung-ohh.de bestellt werden.

(go)