Das Wohnraumbündnis Steglitz-Zehlendorf ist gegründet. Am Dienstag unterschrieben zahlreiche Vertreter von Vereinen und Verbänden, aber auch Bezirkspolitiker und Einwohner im Rathaus Steglitz symbolisch einen Flipchart, um die Gründung zu besiegeln. Ziel des Bündnisses ist es, „ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum in Steglitz-Zehlendorf zu schaffen und zu erhalten“, heißt es in der Erklärung des Bündnisses.
Wie dringend auch in einem vermeintlich wohlhabenden Bezirk wie Steglitz-Zehlendorf bezahlbarer Wohnraum gebraucht wird, machte ein Blick auf das Podium deutlich: Helmut Schmidt vom Seniorenbeirat war genauso dabei wie Michael Holz, Psychiatrie-Koordinator im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Kathrin Nordhausen von Reha Steglitz und Klaus Marquardt vom Wege ins Leben e.V., einem Träger der stationären Jugendhilfe, sowie Vertreter von drei Runden Tischen im Bezirk.
Nach dem Verkauf großer Wohnungsbaugesellschaften bestehe in Steglitz-Zehlendorf ein erheblicher Mangel an Wohnungen für sozial Benachteiligte. Hinzu kämen steigende Mieten sowie die Umwandlung in Eigentumswohnungen, die die Situation im Bezirk verschärften, so das Bündnis in seiner Erklärung. Davon betroffen seien vor allem Rentner, Auszubildende und Berufsanfänger, alleinerziehende Mütter und Väter, Menschen mit geringem Einkommen und Menschen, die durch körperliche und geistige Einschränkungen behindert sind. Am Abend wurde die Liste noch um Migranten ergänzt.
Gemeinsam mit all diesen Gruppen wolle man das Thema bezahlbarer Wohnraum angehen, um nicht gegeneinander ausgespielt zu werden, betonte Winfried Glück, einer der Initiatoren des Wohnraumbündnisses.
„Wir liegen zurück. Wir sind ein blinder Fleck in der bundespolitischen Landschaft“, fand Barbara Boroviczény vom Mieterverein Steglitz-Zehlendorf. Sie verwies auf andere Bezirke, die bereits bei der Sicherung günstigen Wohnraums viel weiter seien.
Doch was kann das Bündnis tun, um bezahlbaren Wohnraum im Bezirk zu erreichen? In den vorherigen Beratungen habe man vier Schwerpunkte ausgemacht, erläuterte Gerald Saathoff vom Mittelhof e.V. Zum einen könnte der Bezirk Neubauvorhaben mit Auflagen belegen. In Baugenehmigungen und Bebauungsplänen sollte festgelegt werden, dass vom Investor auch günstiger Wohnraum geschaffen werden muss. Dies könne zum Beispiel auf Parks Range geschehen, so Saathoff. Eine andere Idee ist der Milieu-Schutz, der etwa in Pankow sehr erfolgreich betrieben werde. Dabei ginge es darum sicherzustellen, dass die soziale Mischung in einem bestimmten Areal erhalten bleibt. Die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentum oder Luxussanierungen könne so verhindert werden. Eine dritte Möglichkeit ist, für vorhandenen Wohnraum neue, kreative auch generationsübergreifende Ideen zu entwickeln. Und schließlich müsse das verloren gegangene „geschützte Marktsegment“ wieder neu geschaffen werden, erklärte Saathoff. Das geschützte Marktsegment bot beispielsweise Menschen aus der Psychiatrie und Jugendlichen, die aus Wohngruppen kamen und nun den ersten Schritt in die Selbstständigkeit wagen, die Möglichkeit, schnell und preiswert eine Wohnung zu bekommen. Diese vier Themen sollen nun in Arbeitsgruppen näher beleuchtet werden.
Zuspruch gibt es auch von der Bezirkspolitik. Georg Boroviczény (Piraten) berichtete, dass die Bezirksverordnetenversammlung jüngst beschlossen hat, dass das Bezirksamt das Bündnis unterstützen soll. Bezirksstadtrat Norbert Schmidt (CDU) war sogar zugegen und unterzeichnete die Erklärung des Wohnraumbündnisses. Jemand aus dem Plenum schlug vor, das Bezirksamt auch in die Steuerungsgruppe des Bündnisses einzubinden, um so die Wege zu verkürzen. „Das wäre wunderbar, das ist genau das, was wir wollen“, begrüßte Saathoff diesen Vorschlag.
Wer allerdings an diesem Abend fehlte, waren die Eigentümer von Wohnraum. „Wie kriegt man die dazu, ihn günstig zur Verfügung zu stellen?“, fragte Georg Boroviczény.
Immer wieder wurde an diesem Abend betont, wie wichtig die soziale Durchmischung sei. „Steglitz-Zehlendorf darf nicht nur Heimat sein für Menschen, die wohlhabend sind, sondern für die ganze Breite der Gesellschaft“, heißt es deshalb auch in der Erklärung.
Mitmachen beim Wohnraumbündnis kann übrigens jeder, dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, in der Steuerungsgruppe, in den Arbeitsgruppen oder auch im Plenum, welches zweimal im Jahr zusammenkommen soll. Man sei kein Verein und habe auch keine Satzung, betonte Saathoff. Das Bündnis passe sich in seiner Form den jeweiligen Bedürfnissen und Bedingungen an.
(go)













Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Damit auch alles glatt läuft für die Radfahrer, wurde jetzt das Kopfsteinpflaster abgefräst.
Vor gut einem halben Jahr wurde auf dem Tietzenweg zwischen Unter den Eichen und Gardeschützenweg die Fahrradstraße fertiggestellt. Hier haben Radfahrer Vorrang, Kraftfahrzeuge werden als Anlieger weiterhin zugelassen. Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen nebeneinander fahren, für alle gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung auf maximal 30 km/h. Ausnahmen gelten für Müllfahrzeuge, Rettungswagen sowie für Polizei und Feuerwehr.
Eine Weiterführung der Vorrangstraße für Radfahrer ist ab dem Gardeschützenweg perspektivisch bis zum Hindenburgdamm vorgesehen. Damit Radfahrer in Richtung Augustastraße weiter komfortabel unterwegs sein können, wird derzeit das Kopfsteinpflaster geglättet. Zunächst hat sich die große Maschine durch den Tietzenweg zwischen Gardeschützenweg und Viktoriastraße gescheppert. Derzeit wird das nächste Teilstück bis zur Augustastraße fertiggestellt.
Im Zuge dessen wird die Kreuzung Tietzenweg/Sophienstraße/Viktoriastraße asphaltiert und barrierefrei ausgebaut. Gehwegvorstreckungen sollen die Wegebeziehungen verbessern und Übergänge sicherer machen.
Die Kosten für die bisherigen Maßnahmen liegen bei rund 800.000 Euro. Nach Angaben des zuständigen Stadtrats Urban Aykal (Grüne) wurden für den ersten Abschnitt 155.000 Euro ausgegeben. Für den zweiten Teil werden insgesamt 650.000 Euro fällig, davon alleine 300.000 Euro für das Abfräsen des Pflasters.
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Frisch gefrästes Kopfsteinpflaster: eben und mit kleinen Rillen. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In einem dritten Abschnitt soll im nächsten Jahr der dritte Bauabschnitt bis zum Hindenburgdamm fertiggestellt werden. Das Ziel ist es, so Stadtrat Aykal, „eine sichere Radverbindung von Lankwitz und Lichterfelde zur FU und zur City West zu schaffen“. Auch vor dem Hintergrund, dass an der Drakestraße aufgrund der geringen Breite kein Radweg angelegt werden könne, sei das „sehr wichtig“.
Als Urban Aykal die Ideen im Juni vergangenen Jahres erstmals im Rahmen des Runden Tisches vorstellte, sprach er von einem „Campus Lichterfelde West“. Gemeint sind verkehrliche Maßnahmen für die dortigen 10 Schulen und zahlreichen Kitas mit ihren rund 10.000 Kindern und Jugendlichen.
Der Tietzenweg, der Teil des Berliner