1989 fiel die Berliner Mauer - ein Jahr später folgte die Wiedervereinigung. Mit einem Baumdenkmal will Steglitz-Zehlendorf daran erinnern. Foto: : Lear 21 at en.wikipedia

Braucht Steglitz-Zehlendorf ein Wiedervereinigungsdenkmal? Wie könnte man dieses historische Ereignis angemessen würdigen? Reichen dafür drei Bäume aus? Um diese Fragen entspann sich am Mittwochabend eine teilweise polemisch geführte Diskussion in der Bezirksverordnetenversammlung. Anlass dazu war ein Antrag der CDU-Fraktion.

Ursprünglich hatte die CDU beantragt, anlässlich des 25. Jahrestages der Wiedervereinigung 2015 ein Denkmal zu errichten, das im Rahmen eines „Bürgerdialogs“ mit Bundeskanzlerin Angela Merkel von Werner Erhardt aus Wunsiedel angeregt wurde. Dieses Denkmal besteht aus drei Bäumen – einer Buche, die die Bundesrepublik verkörpert, einer Kiefer, die für die alte DDR steht und einer Eiche als Symbol der Einheit –, die in einem gleichschenkligen Dreiecke gepflanzt werden soll. „Das Wachsen der Bäume und die stete Ausdehnung der Kronen sollen Wachstum, Wandel und das Zusammenwachsen des ehemals geteilten Deutschlands darstellen“, heißt es im Antrag.

Nach zahhlosen Diskussionen in den Ausschüssen wurden die drei Baumsorten gestrichen. Weil, so begründete der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Uwe Köhne, es einfach schwierig sei, einen Standort zu finden, an dem alle drei Arten gleich gut wachsen würden. Die Art der Bäume werde man auswählen, wenn ein Standort gefunden sei.

Man könne ja Bonsai-Bäume nehmen, weil die billiger sind, warf Norbert Buchta ein. Der Fraktionsvorsitzender der SPD ließ kein gutes Haar am geänderten Antrag. Ein solches Denkmal würde der Bedeutung der Wiedervereinigung nicht gerecht, fand er und wünschte sich etwas Wertigeres.

„Berlin selbst ist ein Wiedervereinigungsdenkmal“, so Buchta, der auf die zahlreichen Orte in der Stadt verwies, die als Denkmal geeignet wären. Unter anderem auch die Glienicker Brücke. Diese geschichtsträchtigen Orte auszubauen sei sinnvoller, als im grünsten Bezirk mit dem meisten Wald drei Bäume zu pflanzen.

Die Ursprungsidee, dieses einheitliche Denkmal in allen 11.000 Gemeinden Deutschlands aufzustellen, überall in der gleichen Form, mit den gleichen Bäumen, die habe ihm durchaus gefallen, so Buchta. Allerdings wurde es nie realisiert. „Ich wünsche mit ein anderes Denkmal, als eines, das bis auf in einer Gemeinde bei Schweinfurth nirgendwo in Deutschland umgesetzt wurde“, ergänzte Volker Semler (SPD), der in Berlin das „Wiedervereinigungsenkmal per se“ sieht.

Eric Lüders, Fraktionsvorsitzender der Piraten, hielt ebenfalls nicht viel von diesem Denkmal. Nicht nur, dass eine Bürgerbeteiligung aus dem Antrag gestrichen worden sei, die Bäume spiegelten seiner Meinung nach auch nicht die Bedeutung der Wiedervereinigung wieder. Solch ein Denkmal sei doch nicht, fand Georg Boroviczény (Piraten). Es brauche Erklärungen. Überhaupt würde es sich viel besser für kleine Orte eignen, die einen zentralen Platz hätten, an dem die Einwohner mehrmals im Jahr zusammenkommen und der Bürgermeister eine kleine Rede hält. In Steglitz-Zehlendorf aber gäbe es keinen solchen Platz.

Die CDU sah dies anders. Es sei ein preiswertes, ökologisches und nachhaltiges Denkmal, findet Jens Kronhagel (CDU). Man könne ein Schild dazu stellen, der das Denkmal erklärt. Besonders ärgerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Torsten Hippe über die Diskussion. „Kleingeistigen Blödsinn“ von sich zu geben, warf er der SPD-Fraktion vor. „Die Würdigkeit hängt weder vom Umfang noch vom Preis ab“, sagte Hippe. Die Bäume würden niemandem schaden und nicht viel Geld kosten. Dass die Beteiligung der Schulen wieder aus dem Antrag gestrichen wurde, begrüßte er sogar. Im Bezirk gebe es 85 Schulen. „Es ist etwas übertrieben diese einzubeziehen für das Pflanzen von drei Bäumen“, findet Hippe.

So wie die Diskussion verlaufen war, überraschte das Abstimmungsergebnis nicht: CDU und Grüne waren für das Denkmal, SPD und Piraten dagegen.

Bereits errichtet wurde das einheitliche Wiedervereinigungsdenkmal in der unterfränkischen Stadt Schwebheim, auch im bayrischen Wunsiedel erfolgte bereits der Spatenstich. In Bad Arolsen, Glienicke/Nordbahn und in der Gemeinde Nauheim, Kreis Groß Gerau, ist ein solches Denkmal geplant.

 (go)