Sieben Stelen sollen auf Schwanenwerder über die Geschichte der Insel informieren. Foto: privat

Schwanenwerder bekommt Informationsstelen, die über die Geschichte der Insel informieren sollen. Doch nicht bei allen Anwohnern stößt das auf Gegenliebe.

Bei einer zweiten Versammlung Anfang Februar hatten einige Anwohner das von der Stadt Berlin in Auftrag gegebene Projekt komplett infrage gestellt, woraufhin sich Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) noch einmal an den Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses wandte. Doch der halte an den Stelen fest, so Kaspar Nürnberg, Geschäftsführer des Aktiven Museums, das mit der Umsetzung des Projektes beauftragt wurde.

Von Anfang an sei eine Bürgerbeteiligung gewünscht gewesen, erklärt Nürnberg. Man habe die Ideen und Pläne auf einer ersten Versammlung im Oktober vergangenen Jahres vorgestellt und diese den Wünschen der Anwohner angepasst. So wurden aus ursprünglich elf Stelen, die vor den entsprechenden Häusern aufgestellt werden sollen, sieben. Zwei von ihnen sollen nun das Design der regionalhistorischen Stelen des Bezirks erhalten, informierte Richter-Kotowski jüngst den bezirklichen Ausschuss für Bildung, Kultur und Bürgerdienste. Allerdings nicht im üblichen Rot, sondern in Grau. Eine dieser Stelen soll am Strandbad Wannsee aufgestellt werden und dort über dessen Geschichte informieren, die andere an der Inselzufahrt. Sie gibt einen allgemeinen Überblick über die Geschichte Schwanenwerders.

Die fünf anderen Stelen sollen am Inseldreieck aufgestellt werden und das berlinweite Design aufgreifen. Das heißt, sie wären kleiner und gläsern. Auf ihnen wird die Geschichte verschiedener Häuser und Gärten in Text und Bildern erzählt. Durch die beiden verschiedenen Designs soll gezeigt werden, dass die Stelen sowohl zu Steglitz-Zehlendorf als auch zur Stadt Berlin gehören, erklärt Nürnberg den Kompromiss.

Auch bei den Texten habe man die Anwohner eingebunden, so Nürnberg. Neben redaktionellen Änderungen seien Textstellen angepasst oder auch gestrichen worden. So wurden Begriffe wie „Bonzenwerder“ entfernt, die Bezeichnung „Insulaner“ für die Bewohner der Insel geändert, weil diese zu sehr an das gleichnamige Kabarett erinnerte, zudem wurde angeregt, den Begriff „Reichsbräuteschule“ besser zu erklären, berichtete Richter-Kotowski.

Georg Boroviczény (Piraten), dem die vorgelegten Texte zu lang erschienen, regte auf der Sitzung des Ausschusses an, eine Kurzfassung sowie einen QR-Code auf die Stelen drucken zu lassen. Wenn man den Code scannt, erfahre der Interessierte mehr zur Geschichte der Insel.

Die Idee für die Stelen wurde bereits in der zurückliegenden Legislaturperiode beschlossen, erklärt Nürnberg. Es wurde festgelegt, einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf der landeseigenen Grundstücke auf der Insel für eine historische Kommentierung zu nutzen. Informiert werden soll unter anderem über die Besiedlung der Insel, die Entrechtung vieler Anwohner während der 1930er Jahre aber auch über die Zeit nach dem II. Weltkrieg.

Die 1882 vom Lampenfabrikanten Wilhelm Wessel gekaufte Insel avancierte am Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Refugium für die Reichen. Unter anderem errichteten der Warenhausbesitzer Rudolph Karstadt, der Generaldirektor der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei, Walter Sobernheim, und der Inhaber der Trumpf-Schokoladenfabrik, Richard Monheim, auf Schwanenwerder ihre Villen. Während der Zeit der Nationalsozialisten kam es zu Zwangsverkäufen und -versteigerungen der Villen jüdischer Besitzer. Davon profitierte die nationalsozialistischesche Prominenz, wie etwa Joseph Goebbels, der 1935 das Grundstück des jüdischen Bankdirektors Oscar Schlitter weit unter Wert kaufte. Nach 1945 wurden die enteigneten Villen den rechtmäßigen Besitzern oder deren Nachfahren zurückgegeben. Viele von ihnen verkauften die Grundstücke dem Land Berlin.

Neben alten und neuen Villen befinden sich heute auf der Insel auch ein Jugendfreizeitheim, eine Kindererholungsstätte und ein Gruppenzeltplatz.

 (go)