Autoe Daniel Mezger las aus seinem Roman "Land spielen". Fotos: Gogol

Wie ist es schüchtern zu sein? Mit seinem neusten Buch „Schüchtern“ widmet sich der Autor Florian Werner dieser „unterschätzten Eigenschaft“. Am Sonnabend trug er auf dem Sommerfest des Literarischen Colloquiums daraus vor und sorgte beim begeisterten Publikum für so manchen Schmunzler – wenn er beschreibt, wie es ihn davor graust, Menschen anzurufen, wie es ihm unangenehm ist, im Restaurant eine Birnen-Käse-Pastete zu reklamieren, die weder Birne noch Käse enthält und wie er aus Höflichkeit sogar noch Spam-Mails beantworten möchte. Auf der Terrasse noch im Haus blieb kaum ein Platz unbesetzt, so wie auch bei den zahlreichen anderen Lesungen an diesem Tag.

Schweizer Verlage standen in diesem Jahr im Mittelpunkt des Sommerfestes. Eine Auswahl der 15 vorgestelltenn Bücher konnten interessierte Besucher am Büchertisch erwerben, den die Buchhandlung „Schleichers“ aus Dahlem betreute, wie auch schon in den vergangenen Jahren. Malcah Castillo war zum vierten Mal dabei. „Wenn das Wetter schön ist, ist das eine grandiose Umgebung“, war sie begeistert, ebenso wie ihre beiden Kolleginnen. Es sei einfach sehr stimmungsvoll, und die Besucher seien Menschen, die Bücher mögen, hätten Fragen zu den Büchern und den Autoren. Viele von ihnen erkenne man wieder aus den Jahren zuvor, so Castillo.

Bei dem großartigen Wetter, das einem Sommerfest würdig war, machten es sich die Besucher auf der Wiese gemütlich, genossen den Sonnenschein – und verpasste darüber auch manchmal eine Lesung, auf die sie sich gefreut hatten. So wie Anne Nordmann, der die Florian Werners Lesung entgangen war. Die Lektorin besuchte schon häufiger das Sommerfest. Doch auch wenn sie schon viele Autoren kennt, Neues gab es auch für sie zu entdecken.

Ebenfalls Lektorin ist Susann Rehlein. Sie war begeistern von den Lesungen, vor allem die zu den Briefen von Martha Gellhorn von Miriam Mandelkow hatte es ihr angetan. Gellhorn sei „eine der ganz Großen“, betonte sie. Auch Rehlein konnte sich dem Reiz der Umgebung nicht entziehen.

Seit etwa sechs Jahren besucht auch Roswitha Bethge das Sommerfest, hatte dieses Mal ihre Freundin Indira Zhue dabei. Was sie jedes Jahr lockt, ist Schriftsteller kennenzulernen, „über die man sonst nichts erfährt“, sagte Bethge. Vor allem in diesem Jahr mussten sich die beiden Damen überraschen lassen – „es ist kein bekannter Autor für mich dabei“, so Bethge alles andere als enttäuscht.

Dass die Besucher zufrieden sind, diesen Eindruck hatte auch eine Mitarbeiterin des Hauses gewonnen die es sich zusammen mit einer Freundin auf einer Decke auf der Wiese hinterm Haus gemütlich gemacht hatte. „Sie machen alle einen glücklichen Eindruck“, fand sie und gab sich selbst wieder dem Hörgenuss hin.

(go)