
Stadtbad Lankwitz in der Leonorenstraße. | Foto: Daniela von Treuenfels
Ein Preis für alle(s), das war gestern. Wer in Berlin schwimmen gehen will, zahlt zukünftig unterschiedliche Preise – je nach Ort, Zeit und Sommerwetter.
Fair, nutzungsbasiert, serviceorientiert und attraktive Rabatte – die Berliner Bäderbetriebe bieten zur Ankündigung ihrer Preiserhöhung das Schönste aus ihrem Marketingsprech-Baukasten auf. So wolkig, dass sämtliche Alarmglocken schrillen. Denn natürlich geht es darum, mehr Einnahmen zu generieren – von uns, den Besucherinnen und Besuchern.
Erstmals seit 2014 passe man die Preise für Schwimmbadbesuche an, teilen die Bäderbetriebe mit. „Das Unternehmen reagiert damit auch auf deutlich gestiegene Kosten für den Betrieb der Bäder, zum Beispiel durch höhere Kosten für Energie und Personal.“ Welche Kalkulation hinter dem neuen Preissystem steckt, wollte die Pressestelle nicht verraten. „Wir nennen dazu keine Zahlen“, lautet die Antwort auf eine Anfrage der Stadtrand-Nachrichten.
Große attraktive Bäder sind teurer
Im Detail ist das neue Preissystem auch der Versuch, unterschiedlichen Qualitäten gerecht zu werden und Anreize bei geringer Auslastung zu setzen. Es gibt sogar die Möglichkeit, im Vergleich zu vorher zu sparen.
Zentrales Element des neuen Systems sind neue Tarife, die sich nach Nutzungsdauer, Badkategorie und Buchungszeitpunkt richten. Der Besuch eines kleinen Bades ohne besondere Attraktionen kostet künftig weniger als die Nutzung eines großen Bades mit attraktiverer Ausstattung. In Bezug auf die Preisgestaltung werden die Sommerbäder und Hallenbäder je nach Badqualität in drei verschiedene Kategorien eingeteilt.
Je kürzer, desto preiswerter
Bei der Nutzung von Hallenbädern können Badegäste künftig zwischen drei Tarifen wählen: 90 Minuten, 150 Minuten oder für den ganzen Tag. Der konkrete Preis richtet sich nach der jeweiligen Badkategorie (die durch die Qualität des Bades bestimmt wird). Alle Tarife gibt es zum Normalpreis und zum ermäßigten Preis.
Beispiel: Ein 90-Minuten-Ticket in der niedrigsten Kategorie kostet künftig 4 Euro (ermäßigt 2,50 Euro), in der teuersten Kategorie künftig 6 Euro (ermäßigt 3,70 Euro). Bislang kostete ein Standardticket in einem Standard-Hallenbad 5,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.
Online-Tickets für Sommerbäder werden rabattiert
Da sich die Nutzung von Sommer- und Hallenbädern wesentlich unterscheide, so die Bäderbetriebe, setze man hier auf verschiedene Tarifsysteme. Wie schon 2024 soll der Online-Ticketverkauf mit Buchung eines Einlasszeitfensters die Besucherströme stärker steuern. Dabei gilt: Je geringer das Bad online gebucht ist, desto stärker sind die Tickets rabattiert.
Für Online-Tickets sind bestimmte Kontingente reserviert. Nur diese garantieren einen Eintritt ins Bad, auch wenn die Auslastungsampel des Bades bereits Rot zeigt. Tickets können bis zu sieben Tage im Voraus für ein bestimmtes Bad erworben werden. Sie können bis 48 Stunden vorher storniert werden. Online gebuchte Tickets sind personalisiert und nicht übertragbar.
Für den Barverkauf von Tickets vor Ort an den Kassen der Sommerbäder sind keine Rabattierungen vorgesehen. Hier sind Tagestickets während der Öffnungszeiten des Bades zum Standardpreis zu kaufen. In diesem Sommer sind sämtliche Kassen der Sommerbäder durchgehend geöffnet.
Aus Jahreskarte wird Club-Mitgliedschaft
Die BäderCard – eine Art Abo für Stammkunden – wird mit dem 5. Mai nicht mehr angeboten. An ihre Stelle tritt ab Dezember eine Club-Mitgliedschaft, die drei verschiedene Nutzungsstufen und Beiträge beinhaltet.
Neu angeboten werden ab Dezember auch aufladbare Wertkarten. Sie ersetzen die bisherigen Sammelkarten.
Infos zu Preisen und Kategorien:
Daniela von Treuenfels
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Schloßstraße 26 im Jahr 1925: An der Ecke Zimmermannstraße verkaufte Ernst Taeger Röcke und Blusen. | Foto: Museum Steglitz Nr. 03114[/caption]
Eine Ausstellung in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek macht aufmerksam auf die große Bedeutung jüdischen Lebens und jüdischer Wirtschaftstätigkeit für das Aufblühen der Schloßstraße im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Die Schloßstraße entwickelte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts in rasantem Tempo zur Einkaufsmeile. Die Eisenbahnverbindung zwischen Potsdam und Berlin mit Halt in der Albrechtstraße und die vor 1900 verkehrenden Straßenbahnen machten die Landgemeinde Steglitz attraktiv. Niedrige Grundstückspreise und Mieten lockten viele Geschäftsleute in die Steglitzer Hauptverkehrsstraße.
Jüdisches Leben hatte einen großen Anteil an dieser wirtschaftlichen Entwicklung und am Glanz und Reichtum der Schloßstraße. Jüdische Kaufleute betrieben zahlreiche spezialisierte Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe und größere Warenhäuser.
In den zwischen 1900 und 1910 entstandenen Wohn- und Geschäftsgebäuden lebten und arbeiteten jüdische Menschen in Bäckereien, Zigarrenläden und Konfektionsgeschäften, als Rechtsanwälte, Ärzte und Musiker.
Die Ausstellung erinnert mit acht kurzen Biographien und einer Übersicht von 40 Wirtschaftsbetrieben an diese Vielfalt und zeigt die radikale Vernichtung jüdischen Lebens nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933. In nur wenigen Jahren wurden alle jüdischen Gewerbetreibenden zur Geschäftsaufgabe gezwungen, jüdische Bewohnerinnen und Bewohner vertrieben oder deportiert. Heute erinnern nur einige im Jahr 2025 verlegte Stolpersteine und eine unauffällige Gedenktafel an das einst vitale jüdische Leben. Die Gedenktafel erinnert an Moritz Feidt, der im Jahr 1907 in der Schloßstraße 97 das erste größere Warenhaus eröffnete.
JÜDISCHES LEBEN IN DER SCHLOẞSTRAẞE
19.9.—14.11.2026
Eine Ausstellung in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek
Grunewaldstraße 3, im Einkaufzentrum "Das Schloss"
Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 11 – 19 Uhr
Samstag 11 – 16 Uhr
Eintritt frei
VERANSTALTUNGEN
Sonntag, 27. September, 12:00 Uhr
Geschichte vor Ort. Jüdisches Leben in der nördlichen Schloßstraße
Stadtspaziergang mit Sabine Davids und Barbara Wittkopf