Soll der U-Bahnhof Thielplatz umbenannt werden in „Freie Universität“? Die Meinung unserer Leser ist – wie erwartet – zwiegespalten.
Auf Facebook war die Meinung der Kommentierenden eindeutig. „Das war schon immer der Thielplatz, es gibt da ja wohl auch noch was anderes als die Uni. Es soll beim alten Namen bleiben!“, findet ein User. „Was soll der Quatsch?“, fragt ein anderer und ein dritter findet die Umbenennung sei „vollkommener Unsinn“ und fragt: „Sollen dann an allen Standorten der FU die Straßen in Freie Universität umbenannt werden?“
Unsere Umfrage zeigt hingegen ein differenzierteres Bild. 47 Menschen haben abgestimmt, 27 von ihnen – das entspricht 57 Prozent – finden eine Umbenennung gut, 20 lehnen sie ab.
So gespalten wie das Meinungsbild der Leser ist auch die innerhalb der Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung.
Die SPD steht einer Umbenennung kritisch gegenüber, erklärt der Fraktionsvorsitzende Norbert Buchta. „Die Namen haben eine Tradition und gehören zum Erscheinungsbild eines Kiezes. Thielplatz war lange der Endpunkt der Linie und hat eine historische Bedeutung. Wohlweislich, dass es einen Thielplatz gar nicht gibt.“
2007 hatte sich die Fraktion allerdings einem Antrag der FDP, in dem die Umbenennung unterstützt wird, angeschlossen. Es sei damals eine Mehrheitsentscheidung nach einer kontroversen Diskussion gewesen, so Buchta. Er geht davon aus, dass das Stimmungsbild in der Fraktion heute ähnlich ist wie vor acht Jahren.
Vor allem die komplette Umbenennung in „Freie Universität“ sieht die SPD kritisch. „Die Uni ist auf mehrere Komplexe verteilt und es gibt keinen Campus. U-Bahnhof Dahlem-Dorf hätte diesen Namen dann auch verdient. Der Name wäre für nicht ortskundige irreführend“, erklärt Buchta, der sich wünschen würde, dass bei einer Umbenennung der alte Name weiter auf dem Stationsschild zu lesen ist, ähnlich wie am S-Bahnhof „Brandenburger Tor“, wo auch noch der alte Name „Unter den Linden“ auf dem Schild steht.
„Wir sind dafür. Die FU ist sehr bedeutend für unseren Bezirk. Die U-Bahn wurde ursprünglich für die Ansiedelung der Wissenschaft in Dahlem gebaut. Außerdem gibt es keine Thielplatz dort. Der Mensch der dort gewürdigt wird hat dann ja noch die Thielallee und den Thielpark“, positioniert sich der Fraktionsvorsitzende der Piraten Eric Lüders eindeutig. Doch auch in seiner Fraktion wurde lange darüber diskutiert. Hauptbedenken waren die Kosten. Dieses Argument würde allerdings wegfallen, wenn die Universität, wie angekündigt, das Geld über Spenden aufbringen will. Ausschlaggebend für eine Zustimmung zur Umbenennung sei gewesen, dass es keinen Thielplatz gibt. „Somit wird eigentlich ein Anachronismus beseitigt und Anwohner, die von einer Umbenennung direkt betroffen wären, gibt es nicht“, teilt die Fraktion mit.
Die Fraktionen von CDU und Grünen antworteten leider nicht auf unsere Anfrage. Sie hatten sich aber 2007 ebenfalls für eine Umbenennung des U-Bahnhofs eingesetzt.
(sn)













Symbolbild: Der unvergessene "Zick-Zack-Radweg" in der Leo-Baeck-Straße in Zehlendorf (2018). | Foto: Baumann[/caption]
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