Ria Rössig und Andrea Bannat (von links) lasen das erste mal gemeinsam. Foto: Gogol

Zwei Cafés getrennt durch Zeit und Raum – das eine, Walters Coffey 2012 in Zehlendorf-Mitte, das andere Miss Amelias Café in den Südstaaten der USA der 1940er Jahre – und doch miteinander verbunden – durch eine Lesung.

In Walters Coffey lasen am Samstagabend Ria Rössing und Andrea Bannat aus Carson McCullers Roman „Die Ballade vom traurigen Café“ über die tragische Dreiecksbeziehunggg von Miss Amelia, ihrem kleinen buckligen Vetter Lymon und ihrem Zehn-Tage-Ehemann, der aus dem Gefängnis zurückkehrt.

Für die 74-jährige Rössing war es die erste Lesung nach 14 Jahren, für Bannat die erste überhaupt. Dementsprechend nervös waren die beiden vor ihrem Auftritt.

McCullers ist Rössig Lieblingsautorin, Bannat kannte lediglich die Verfilmung der „Ballade vom traurigen Café“ mit ihrer Lieblingsschauspielerin Vanessa Redgrave. Beide Frauen kennen sich vom Theaterspielen und hatten die Idee, „Die Ballade …“ „auf die Bretter zu bringen“, erklärte Bannat. Doch dafür braucht es Geld, Sponsoren, … Doch bis es so weit ist, entschlossen sich die Frauen erst einmal mit einer Lesung zu beginnen. Rössing, die mal Buchhändlerin war, suchte die Textpassagen aus, Bannat, die unter anderem auch Gedichte schreibt und Musik macht, ließ sich von der Atmosphäre des Romans zu zwei Liedern inspirieren. Über Einsamkeit und die Suche nach Liebe sang sie zu Beginn und zum Ende der Lesung, zu der sich allerdings nur wenige Zuhörer eingefunden hatten, viele davon Freunde der beiden Zehlendorferinnen.

„Wir haben mit allem gerechnet, auch damit dass keiner kommt“, so Bannat. Gelesen hätten sie trotzdem, für die Angestellten des Cafés. Auf das sei sie auch eher zufällig gestoßen, erzählte Bannat. Sie sei auf dem Weg zum Krankenhaus daran vorbei geradelt. Mit seiner amerikanischen Aufmachung habe es gut zum Text gepasst, fand sie und fragte nach. Für Veranstaltungen sei das Café eigentlich zu klein, so etwas finde eher im anderen Walters Coffey in Lankwitz statt, erklärte Besitzer Walter Holl. Doch er ließ sich überzeugen, und so war die Lesung am Sonnabend die erste in dem Lokal an der Machnower Straße.

Gut anderthalb Stunden lasen Rössing und Bannat, nur kurz unterbrochen von einem Zwischenspiel auf der Gitarre. Anschließend waren sie froh, es hinter sich gebracht zu haben. „Es ist nicht viel schief gelaufen“, so Bannat anschließend. „Man ist so drin in seiner Sache, dass man gar nicht merkt, was um einen herum passiert“, beschrieb die Künstlerin ihre Eindrücke. Und so entging ihr wahrscheinlich auch die Unruhe, die des öfteren entstand, wenn Leute das Café verließen oder Besucher von draußen hinein kamen, um zu bezahlen.

Gut drei Monate haben sich die beiden Frauen auf die Lesung vorbereitet. Und da scheint es wie gewollt, dass die Lesung am 29. September stattfand – dem 45. Todestag Carson McCullers. Aber das, so Bannat, sei Zufall gewesen. Man habe den Termin vereinbart und dann später festgestellt, wie gut er doch passt.

Nachdem die Premiere so gut gelaufen ist, kann sich Bannat gut vorstellen, die Lesung noch einmal zu wiederholen, sagte sie – und ließ den Abend dann zusammen mit Ria Rössig und anderen Freunden fröhlich in dem Café ausklingen.

(go)