„Nudeln in allen Formen“ – Rolf Gittig weiß, was Schüler gerne essen. Er ist einer der „3 Köche“, dem beliebtesten Schul-Caterer im Bezirk. Der hat nicht nur seinen Firmensitz in Steglitz-Zehlendorf, sondern seit August nun auch eine eigene Küche. Berlinweit ist es die sechste. Auf dem Campus von Phorms Berlin Süd, an der Harry-S.-Truman-Allee ist die neue Küche zu finden.
Es ist kurz vor 11 Uhr an einem Donnerstag, in einer Dreiviertelstunde beginnt die Essensausgabe in der Grundschule. Doch von Hektik keine Spur. Der Brokkoli wartet darauf, in den Konvektomaten geschoben zu werden, Koch Maik Krüger sortiert die Brötchen auf ein Backblech, die es heute zum Wirsingkohleintopf gibt. Die anderen Essen für die drei umliegenden Schulen und einen Hort sind bereits auf dem Weg dorthin. Doch so entspannt sei es nicht immer, erklärt Gittig. Das hängt vom Essen ab. Gibt es Kurzgebratenes wäre jetzt mehr los, weil das Fleisch immer frisch gebraten werden muss.
„Frisch“ – das ist eines von Gittigs Lieblingsworten, wenn es um das Essen der „3 Köche“ geht. Die Warenlieferungen kommen täglich – Obst, Gemüse, Fleisch. „Was heute kommt, ist morgen im Topf“, erklärt der Koch. Zudem wird in kleinen Töpfen gekocht, ähnlich wie Zuhause. Wenn es nicht reicht, wird nachgekocht.
Frische sei aber auch eine Standortfrage, so Gittig. Von Phorms aus erreiche man die zu beliefernden Schulen in weniger als 20 Minuten. Da kann das Essen später auf die Straße gehen, als bei Caterern, die weiter weg sitzen. Insgesamt bekochen die „3 Köche“ 19 Grund-, Ober-, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien im Bezirk, die meisten noch vom Tiergarten aus. Hinzu kommen weitere 55 Schulen in anderen Bezirken sowie Kita und Horte. 14.000 bis 15.000 Essen sind das täglich. 920 werden in der Phorms-Schulküche zubereitet, nach den Ferien soll die Zahl aber noch steigen.
Die Schüler, Eltern und Erzieher – je nachdem wer entscheidet – können aus drei Essen auswählen: zwischen Hausmannskost, MultiKulti ohne Schweinefleisch und bio. Gerade letzteres sei in Steglitz-Zehlendorf sehr gefragt, so Gittig. Hinzu kommen die „Zusätze“, also Salate, Suppen, Obst oder auch mal was Süßes. „Wir merken dann schon, ob die Eltern das Essen ausgewählt haben oder die Kinder“, sagt Gittig lachend.
Lachen, das finden die „3 Köche“ wichtig, gerade im Umgang mit den Kindern. Auch wenn es bei der Essensausgabe mal stressig zugeht. Auch das sei ein Grund, warum man so beliebt ist, ist sich Gittig sicher. Und weil man flexibel auf Wünsche reagiere. Es ist Sportfest an der Schule und es gibt kein Mittagessen – dann wird der Grill aufgebaut. Es ist schönes Wetter und keiner hat Lust auf was Warmes – dann gibt es eben Kartoffelsalat und Würstchen. Auch individuelle Wünsche, etwa bei Allergien und Unverträglichkeiten, werden berücksichtigt.
Doch diese Qualität zu liefern sei oft gar nicht so einfach bei dem engen Budget, erklärt Klaus Kühn, Geschäftsführer der „3 Köche“. Dass das Bio-Gericht auch das vegetarische ist, liegt einfach daran, dass Bio-Fleisch zu teuer ist. Bei 2,30 Euro pro Essen ist das nicht drin. Obwohl man versuche auf Qualität zu setzen, erklären Kühn und Gittig. Nur ein Beispiel: Bei den Kartoffelpuffern nehme man die teuersten auf dem Markt, weil die Kinder sie gern essen. Doch eigentlich fahre man „überall auf einem niedrigen Level“, so Kühn. Eine Studie der Universität Hamburg, die von der Senatsverwaltung in Auftrag gegeben wurde, zeige, dass man für Grundschulen mindestens 3,17 Euro braucht, um die Qualitätsstandards einzuhalten. „Wenn ich alles berücksichtige, brauche ich diesen Preis“, sagt Kühn. „Die Politiker müssen ran“, findet er.
(go)












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