
Das sind die Preisträger des Fotowettbewerbs: Hagen Wried mit seinem Siegerbild, Sonderpreis-Gewinner Michael Wrobel, der Drittplatzierte Thomas Reichert und die Zweite Anja Riedel (von links). Foto: Gogol
Wie sieht die Zukunft in Steglitz-Zehlendorf aus? Das wollte der Verein Berlin Südwest wissen und hatte zu einem Fotowettbewerb aufgerufen. Die Ergebnisse sind seit Mittwochabend in der Ladenstraße im U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte zu sehen.
20 Bilder und eine Collage zieren den Zaun auf der Südseite der Passage – ein leerer Kinderspielplatz, watschelnde Enten im Grünen, die Hektik auf der Schloßstraße – alle auf Leinwand gebannt.
60 Bilder sind beim Verein eingegangen. Über die hat der Verein online abstimmen lassen. Die 20 Bilder mit den meisten Stimmen nahm sich dann eine Jury vor, um daraus die drei Gewinner zu küren.
Sie hatten schon mit mehr Bildern gerechnet als nur mit 60, sagt Bert Kühl, der Vereinsvorsitzende von Berlin Südwest. Zäh sei es angelaufen, bis dann doch die Bilder eintrudelten.
Ein Bild hatte besonders herausgestochen, berichtet Jury-Mitglied Thorsten Doihl. Es hatte den Kriterien nicht entsprochen, weil es eine Collage war. Aber die Jury sei so begeistert davon gewesen, dass sie sich entschlossen hat, einen Sonderpreis dafür zu vergeben. Der mit 50 Euro dotierte Preis ging an Michael Wrobel für seine Collage „Work-Life-Balance-Science Berlin Südwest“. Wrobel ist kein Fotograf sondern Vertriebsingenieur bei der Laser- und Medizin-Technologie GmbH (LMTB) in Dahlem. Über seine Chefin hat er von dem Wettbewerb erfahren, erzählte der 27-Jährige. Dort, am Arbeitsplatz, ist auch eines der Bilder entstanden. Zuerst habe er an das Thema demografischer Wandel gedacht, sei sich aber nicht sicher gewesen, berichtet der Köpenicker. Aufgrund seines Berufes kam er dann auf das Thema Wissenschaft, das im Berlin Südwesten sehr stark vertreten sei, weist er unter anderem auf die BAM und den Botanischen Garten hin.
Die Preisträger-Fotos:
Die Plätze eins bis drei zu finden, sei nicht schwierig gewesen, berichtet Jury-Mitglied Annette Schönherr, innerhalb einer Viertelstunde habe man sich auf Hagen Wried als Sieger einigen können. „Wissen schafft Zukunft“ heißt das Foto des 34-Jährigen. Für den Fotowettbewerb ist der frühere Lankwitzer, der jetzt in Mitte wohnt, auf die Suche gegangen nach einem futuristischen Gebäude. Es soll stehen für die Wissenschaft, die im Bezirk zu Hause ist. Fündig wurde Wried auf dem Campus der Freien Universität. Mit den 500 Euro Preisgeld will der Hobby-Fotograf seine Fotoausstattung erweitern.
Über den zweiten Platz und 300 Euro Preisgeld konnte sich Anja Redel für ihr Bild „Bewegung und Veränderung“ freuen, Thomas Reichert nahm 100 Euro für „Einkaufen bis zum Umfallen“ entgegen.
Wichtig waren der Jury drei Dinge, berichtet Doihl: Das Thema „Gesellschaft der Zukunft“ musste zu erkennen sein, ebenso der Bezirk Steglitz-Zehlendorf und dass es sich bei den Bildern um Fotografien handelt.
Die 20 Fotografien aus der Vorauswahl plus Collage werden einen Monat lang im U-Bahnhof zu sehen sein, dann sollen sie auf Tour durch den Bezirk gehen. Über die nächsten Stationen wird derzeit beraten.
Eine Fortsetzung des Fotowettbewerbs ist geplant, voraussichtlich Ende des Jahres.
weitere Bilder (Auswahl):
(go)












Foto (bearbeitet): Daniela von Treuenfels[/caption]
Die Stadträtin stoppte eine Kinderbuch-Lesung, es folgte der Vorwurf der Zensur. Junge Leute trafen sich zum Protest, der mit einem Eklat endete.
Daniel Eliasson ist ein bisschen stolz – er hat den Anlass dafür geschaffen, dass sich an einem warmen Spätsommertag mehrheitlich junge Menschen auf dem Hermann-Ehlers-Platz versammeln, um friedlich gegen eine Entscheidung der Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandi (CDU) zu demonstrieren. Als Bezirksverordneter nahm Eliasson Einsicht in die Akten, die aufzeigen, wie es zu bestimmten Entscheidungen der Stadträtin kam. „Ich habe das dann der Morgenpost gegeben“, sagt der Grünen-Politiker – wie man das halt so macht, wenn man ein Thema platzieren will.
Dass Eliasson wenige Minuten später das Mikrofon abgestellt wird und die beiden Versammlungsleiterinnen ihn mit Hilfe der Polizei zum Schweigen bringen werden, weiß der Kandidat für das Abgeordnetenhaus in diesem Moment noch nicht.
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Während er noch spricht, wird dem Grünen-Politiker Daniel Eliasson das Mikro abgedreht. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Aber der Reihe nach.
Zu Jahresbeginn plante die Stadtbibliothek zwei „interaktive Drag Performance Lesungen für Kinder“, die im Herbst stattfinden sollten. Dem Leiter des Fachbereichs war bewusst, „dass diese Art der Leseförderung diskutabel ist und sicherlich auch polarisiert“. So schrieb er es in einer Mail an seine Vorgesetzte Sijbrandij, die er angesichts der „Auswirkungen des letzten Drag-Auftritts“ einbinden wollte.
Hintergrund der Vorsicht sind Ereignisse rund um Drag-Künstlerinnen, die zufällig zeitlich nahezu parallel stattfanden und teilweise ein großes öffentliches Interesse hervorriefen. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass gegen die Berliner Dragqueen Jurassica Parka wegen des Verdachts auf Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt wird. Dabei kam auch an die Öffentlichkeit, dass die seit 20 Jahren aktive Dragqueen bereits drei Jahre zuvor wegen Verbreitens pornografischer Schriften vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte im Berliner Südwesten die Tatsache, dass Jurassica Parka im August 2024 Teil des Drag-Festivals „Queens & Flowers“ im Botanischen Garten war. Die Veranstaltung beinhaltete ein Familienprogramm und eine Vorlesestunde mit Dragqueens, in das Parka jedoch nicht eingebunden war.
Im Auge des Orkans fand sich am 24. Oktober 2025 die Drag-Lesung "Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt" in der Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek. Eingeladen waren Kinder ab vier Jahren. "Die zauberhafte Königin Vicky Voyage und der sagenumwobene König Eric erzählen euch Märchen von Liebe und Toleranz", hieß es in der Ankündigung. "Taucht ein in farbenfrohe und magische Welten!"
Mitten im Sturm: Malgorzata Sijbrandij. Die 45jährige Juristin hatte ihr Amt erst am 15. Oktober angetreten.
Gefragt nach einer Wiederholung reagierte die Stadträtin ablehnend, ihre Haltung begründete sie ausführlich. „Schon bei der Drag-Lesung im letzten Jahr hat mich das Format nicht vollends überzeugt“, so die Dezernentin. Zudem trete die Künstlerin unter dem Namen „King Alexander the Dick“ auf, woran sich Kritiker stören könnten. Die Veranstaltung diene nicht vornehmlich der Leseförderung. Und angesichts der zu erwartenden „polarisierenden Begleitung“ sollten Kinder vor politischer Instrumentalisierung geschützt werden.
Die Korrespondenz der Dezernentin mit der Bibliotheksleitung ist mittlerweile öffentlich auf dem Portal „Frag den Staat“ einsehbar. Die Initiative setzt sich ein für transparentes staatliches Handeln und hilft Bürgerinnen und Bürgern bei Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz.
Das funktioniert nicht immer. Manchmal verweigern Behörden die Auskunft, manchmal mit fadenscheinigen Begründungen wie zu hoher Arbeitsbelastung. Teilweise werden auch hohe Gebühren verlangt, die abschreckend wirken (sollen). Insofern ist die
Die Regenbogenflagge weht über dem Hermann-Ehlers-Platz. Gegenüber befindet sich das Rathaus Steglitz und das Einkaufscenter "Das Schloss", in dem auch die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek ihren Sitz hat. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Auf dem Hermann-Ehlers-Platz hat am 31. August niemand Anteilnahme für eine Amtschefin, die im vergangenen Oktober erlebte, wie eine mediale Welle ihren Schreibtisch anzündete, an dem sie sich gerade einarbeitete. Im Gegenteil – einer der Vorwürfe lautet: Mit ihrer pauschalen Ablehnung stelle Malgorzata Sijbrandij die Dragszene unter Generalverdacht.
„Drag hat nichts mit Sexualität, Kink oder anderen für Kinder ungeeignete Themen zu tun“, sagt Drag Quing Cynna Moon, Quing ist eine Kombination aus Queen und King. Cynna Moon verortet sich also irgendwo zwischen den Geschlechtern, nutzt neutrale Pronomen und ist Sozialarbeiti:. Drag bedeute, sagt Moon, „mutig zu sich selbst zu stehen, und Menschen mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen.“ Es sei „unsere Pflicht, Kinder mit Lebensrealitäten in Kontakt zu bringen, die vielleicht nicht ihre eigenen sind. Menschen anderer Herkunft, anderer Klasse, anderer körperlicher und geistiger Fähigkeiten – und eben auch Menschen verschiedener Sexualitäten, Genderidentitäten und Geschlechtsausdrücken.“ Moons kleine Performance findet Beifall unter den rund 50 Demoteilnehmern.
Franzi Groß von der Grünen Jugend sagt, Bibliotheken sollten auch queeren Jugendlichen einen sicheren Raum bieten: „Bibliotheken sollten für ihre Benutzer*innen einen Safe Space darstellen. Das kulturelle Angebot, das sie bieten sollte so vielfältig sein wie ihre Besucher*innen. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir den Bibliotheken es nicht mehr selbst überlassen zu entscheiden, welche Veranstaltungen sie für angemessen halten?“
Mitglieder der linken Gruppierung "Pride Rebellion" sind unter den Teilnehmern der Demonstration. Niemand stört sich an ihrer Anwesenheit. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In all der Aufregung blieb die Anwesenheit einer antisemitischen queeren Gruppe unbemerkt oder geduldet, in jedem Fall jedoch unkommentiert. „Pride Rebellion“ engagiert sich gegen „Gewalt und Leugnung gegen LGBTI+ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche Personen)“. Im „Kampf gegen Heterosexismus“ müsse man sich zusammentun und verteidigen „gegen das System, das uns unterdrückt“.
„Als Pride Rebellion organisieren wir uns explizit unter jungen LGBTI+ Personen“, heißt es auf der Webseite. Die „Befreiung“ sei im Kapitalismus nicht möglich, daher brauche es den Klassenkampf und die „soziale Revolution“.
Pride Rebellion ist eine Gründung von „Young Struggle“ (YS), die seit 2010 bestehende international agierende Jugendorganisation der türkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP), die in der Türkei verboten ist (