Erinnerungen an "glorreiche Tage: Die Ex-AFN-Moderatoren Rik De Lisle und Bill Gaylord bei der Freigabe der Informationsstele. Foto: Gogol

„Glory Days“ – glorreiche Tage: Mit diesem Hit von Bruce Springsteen wurde am Dienstag die Gedenktafel für den Radiosender AFN enthüllt. Niemand anderer als „der alte Ami“ Rik De Lisle gab die Tafel frei. Viele Zuschauer klatschten Beifall und erinnerten sich an ein Stückchen eigene Lebensgeschichte.

50 Jahre lang sei der Soldatensender American Forces Network (AFN) „der beliebteste Botschafter der USA in Berlin“ gewesen, sagte Bernd von Kostka vom Alliierten-Museum, der den Text für die Stele geschrieben hatte.

Die Geschichte des AFN in Berlin begann am 17. Juli 1945. In den ersten zwei Wochen sendete man noch von zwei Lkws, danach bezog der Sender eine Villa an der Podbielskiallee 28, an der die Stele aufgestellt wurde. Von dort aus sendete der AFN sein Unterhaltungsprogramm für die amerikanischen Soldaten – und gewann unbeabsichtigt auch die Herzen der deutschen Jugendlichen. „Die Musik sowie die Art und Weise der Moderation war ein Novum in der Nachkriegsgeschichte“, so Kostka. Die Moderatoren wurden von den deutschen Zuhörern verehrt wie Popstars; Moderator Georg Hudak habe seinen Geburtstag einmal im Titania-Palast feiern müssen, um all die Fans unterbringen zu können, erzählte Kostka.

Der Sender verkörperte vor allem in den 1950er und 60er Jahren das Lebensgefühl der Jugendlichen, so der Historiker. Alle amerikanischen Musiker, die in Berlin auftraten, gaben dem Sender ein Interview – Benny Goodman, Ella Fitzgerald, Nat King Cole, Louis Armstrong, … AFN sei ein „Katalysator für amerikanische Musik und den way of life“ gewesen.

Den Amerikanern aber war das kaum bewusst. „Keiner wusste, welche Bedeutung der Sender hatte“, sagte Rik De Lisle. Mit einer Ausnahme: Programmdirektor und „Mr. AFN“ Mark White. „Mark White war das klar, er hat versucht, uns das auch klar zu machen“, erinnerte sich De Lisle, der von 1978 bis 1984 am AFN-Mikrofon saß. „Wir haben den Sender lieb gehabt, wir haben aber nicht gewusst, dass auch die Berliner ihn lieb hatten“, sagte er.

Doch nicht nur für West-Berliner war der Sender wichtig, er war auch von Bedeutung „für jene, die hinter dem Eisernen Vorhang lebten wie ich“, berichtete Dr. Sabine Lehmann-Brauns, Bezirksverordnete in Steglitz-Zehlendorf. Sie könne sich noch daran erinnern, wie sie in Sachsen im Park saß, mit ihrem „Stern“-Transisterradio, stolz darauf, AFN empfangen zu können. Doch nicht nur der Musik wegen: Lehmann-Brauns erinnerte an die Niederschlagung der Aufstände in Ungarn und Prag, über die sie sich per AFN informierte.

Am 15. Juli 1994 sendete AFN ein letztes Mal aus Berlin; mit dem Abzug der alliierten Truppen war auch der Sender Geschichte.

„Ich bin gerührt, dass diese Stele aufgestellt wurde. Es ist eine große Ehre“, sagte Siegrid Weiß, die Witwe von „Mr. AFN“ am Rande der Enthüllung. „Ich bin 1936 geboren und mit AFN aufgewachsen“, erzählte sie. „Radio – das war doch die Sache für uns Kinder und Jugendliche“. Bei einer Jahrestagsparty des Radiosenders hatte die Mitarbeiterin der Pressestelle der Berliner Polizei Mark White kennengelernt. „Er hat gewusst, wie wichtig dieser Sender auch für die Berliner ist, er hat dies sehr wichtig genommen“, betonte sie.

(go)