14 neue Stolpersteien verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig am Donnerstag, 16. Oktober, in Steglitz. Zwischen 9 Uhr und 10.45 wird er an vier verschiedenen Stellen im Ortsteil die Steine verlegen. Das Netzwerk Erinnerungskultur des Kirchenkreises Steglitz lädt zur Teilnahme ein.
Um 9 Uhr beginnt Demning seine Arbeit vor dem Haus Hindenburgdamm 11. Dort werden Stolpersteine für Ruth Agnes, Etta Ottilie, Heinrich und Hedwig Veit Simon verlegt. Der fast 90-jährigen US-Bürgerin Judith Klein, geb. Veit Simon, war es ein besonderes Anliegen, die Verlegung von Stolpersteinen für ihre beiden Schwestern, ihren Vater und ihre Großmutter zu erleben. Sie ist das jüngste Kind des Juristen Dr. Heinrich Veit Simon und entkam der Verfolgung mit einem Kindertransport nach England. Ihre Teilnahme an der Verlegung ist wegen einer Erkrankung inzwischen nicht mehr sicher. „Es ist eine dramatische Entwicklung“, sagt Katrin Rudolph, Vorsitzende des Netzwerks Erinnerungskultur. „Einerseits kann mittlerweile die Herstellung von Stolpersteinen die steigende Nachfrage nicht mehr erfüllen. Andererseits ist es gerade für die überlebenden Angehörigen einer sterbenden Generation oft ein starkes Bedürfnis, noch Stolpersteine für die ermordeten Verwandten realisiert zu sehen.“
Nach der Verlegung für die Familie Veit Simon lädt die Kirchengemeinde zu einer Gedenkfeier mit Zeitzeugen in das Paulus-Zentrum, Hindenburgdamm 101 B, ein.
Ab 9.30 Uhr wird Demnig an der Schützenstraße 53 seine Arbeit fortsetzen und Stolpersteine für Helene, Isidor,
Ruth, Helga und Anneliese Stenschewski verlegen. Im Fall der Familie Stenschewski waren es nicht Angehörige, die sich für die Gedenksteine eingesetzt haben. Mehr als ein halbes Jahr lang hat Sabine Davids, Gemeindeglied der Evangelischen Matthäus-Gemeinde, die Biographien der Familie recherchiert, deren Namen auch auf der Steglitzer Spiegelwand vermerkt sind. Am 19. Oktober 1942 mussten Isidor Stenschewski, seine Frau und die drei Töchter in Moabit einen Zug besteigen, der sie nach Riga brachte. Ruth, Helga und Anneliese waren 14, zehn und neun Jahre alt. Für die Insassen der fünf Osttransporte vom Spätsommer und Herbst 1942 endete die Reise in den Massengräbern um Riga.
Die Verlegung für die Familie Stenschewski findet unter Beteiligung der Klasse 10b der Evangelischen Schule Steglitz statt. Die Jugendlichen lesen Texte und entzünden Kerzen.
Die Verlegungen der weiteren Stolpersteine finden um 10.05 Uhr an der Holsteinische Straße 54 für Regina Marcus und Valerie Urbach statt sowie für Helene und Ellen-Ruth Wittenberg um 10.25 an der Holsteinischen Straße 44.
Zu einem Stolpersteinspaziergang rund um die Johanneskirche Schlachtensee lädt der Evangelische Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf für Sonnabend, 18. Oktober, ein. Start ist um 15 Uhr an der Johanniskirche an der Matterhornsstraße. Der Rundgang ist etwa fünf Kilometer lang und dauert gut zwei Stunden. Es besteht aber die Möglichkeit, den Rundgang abzukürzen.
(sn)













Foto: Haus der Jugend Zehlendorf[/caption]
Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren können vom 19. Bis 23. Oktober an einer Fahrt nach Krakau und zu den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau teilnehmen. Interessierte können sich bis zum 22. Juni anmelden.
In einem gemeinsamen Projekt wollen vier Steglitz-Zehlendorfer Jugendeinrichtungen ein „starkes Zeichen für die Stärkung der Erinnerungskultur und die Förderung der Gedenkstättenpädagogik“ setzen. Vom 19. Oktober bis 23. Oktober findet eine Bildungsfahrt nach Krakau statt, bei der die Teilnehmenden die historischen Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besuchen sowie eine Stadtführung in Krakau erleben werden.
Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren, die durch diese Reise nicht nur wertvolles Wissen über die Geschichte des Holocaust erlangen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich aktiv mit den Themen Erinnerung, Verantwortung und Zivilcourage auseinanderzusetzen.
Geplant sind zwei Exkursionen mit fachkundigen Führungen in das Auschwitz Stammlager sowie Auschwitz-Birkenau mit der Chance auf tiefe Einblicke in die Geschichte und die Auswirkungen des Holocaust. In Krakau steht eine Stadtführung auf dem Programm, bei der die Teilnehmenden mehr über die kulturellen und historischen Hintergründe der Stadt und die jüdische Community erfahren.
Wichtig: die Anmeldefrist endet am 22. Juni. Alle Infos: