
Vertreter von Jugendfreizeiteinrichtungen, Schulen, Kitas und weiteren Einrichtungen finden sich regelmäßig beim "Treffen im Kiez" zusammen. Foto: Gogol
TIK – Treffen im Kiez heißt die Arbeitsgruppe in Wannsee, die sich regelmäßig trifft, um die Lebensqualität in ihrem Ortsteil zu verbessern. Und so finden sich seit vier Jahren alle drei Monate Schulleiter, Hortleiter, der Präventionsbeauftragte der Polizei, Mitarbeiter von Trägern der freien Jugendhilfe, Mitarbeiter von Jugendfreizeiteinrichtungen und Interessierte zusammen, um gemeinsam zu überlegen, wie man sich besser vernetzen kann und wie vor allem die Situation von Kindern und Jugendlichen in Wannsee verbessert werden kann.
Ein Ergebnis dieser Überlegungen ist das große Stadtteil-Sommerfest, das in diesem Jahr am 9. Juni stattfinden wird. Und weil das nur noch wenige Wochen sind, stand das Fest natürlich ganz oben auf der Tagesordnung des TIK-Treffens am Mittwochnachmittag auf dem Hof der Alten Feuerwache. Dort wird das Fest auch wieder steigen – dieses Mal mit besserem Wetter, hoffen die Veranstalter. Denn im vergangenen Jahr prasselte der Regen nieder, die Musiker, die draußen spielen sollten, mussten in die Garage umziehen. In diesem Jahr sind deren Auftritte gleich in die Werkstatt verlegt worden – wegen dem Wetter und wegen der Lautstärke, erklärt Ralf Rudolph, der Leiter der Jugendfreizeiteinrichtung Wannsee. Spielen werden Bands aus dem eigenen Hause sowie ein Saxophonist. Das Mobile Café ist vor Ort, eine Beachbar soll zum Verweilen einladen, es gibt Schmink- und Schmuckstände und natürlich präsentieren sich die TIK-Partner mit Ständen auf dem Festgelände, um sich den Wannseern vorzustellen.
Die Flyer sind bereits gedruckt, eine Woche vor dem Fest will man von Haus zu Haus gehen und diese verteilen, weil persönliche Ansprache noch immer am besten wirke, so Rudolph, der aber auch schlechte Nachrichten hatte. Denn in diesem Jahr habe es für das Sommerfest keinen Euro öffentliche Unterstützung gegeben, alles habe in Eigeninitiative gestemmt werden müssen, zudem spendete der Verein Sozialarbeit und Segeln eine Betrag. „Es ist immer schwierig, Geld für ein Fest zu bekommen“, weiß Rudolph. Wie es nächstes Jahr weitergehen soll, weiß er noch nicht. Vielleicht über mehr Einnahmen während des Festes. 600 Euro würden mindestens gebraucht, um alles zu organisieren, schätzt Rudolph.
Ein weiteres Projekt des TIK ist eine eigene Homepage, auf der alle Beteiligten verzeichnet sind. Pünktlich zum Fest soll die Internetseite stehen. Mit einem eigenen Profil können sich alle Mitstreiter präsentieren und den Wannseern vorstellen.
Während die Homepage so gut wie in trockenen Tüchern ist, steht eine weiteres Projekt des TIKs noch ganz am Anfang: ein Ehrenamtspool für Wannsee. Mit dem will man den Bedarf in dem Ortsteil decken. Doch wie man da vorgehen will, wer das organisieren soll und vor allem wie der Mitarbeiter finanziert werden kann, darüber müssen sich die Teilnehmer noch Gedanken machen. Durch solch eine Ehrenamtspool könne man beispielsweise eine Sonnabendsöffnung in der Alten Feuerwache realisieren, hofft Rudolph. In Umfragen sei dies immer wieder als Wunsch genannt worden. Doch dazu brauche man Personal.
Max Göbel, Geschäftsführer der NaturKulturGut Jägerhof gGmbH, die die Kita am Jägerhof betreibt, und Christine Willms von Bereichsgeschäftsführerin von Sozialarbeit und Segeln nahmen sich der Aufgabe an, die Voraussetzungen für einen solchen Pool zu klären.
Vor vier Jahren habe es die Aufforderung des Bezirksamtes gegeben, dass sich freie und öffentliche Träger in der Jugendhilfe zusammenfinden sollen. Daraufhin wurde auch das TIK gegründet, erzählt Rudolph. Seitdem erweitere sich der Kreis ständig, einige Teilnehmer kommen immer wieder, andere nur für einzelne Projekte. So kämen immer wieder neue Ideen und Impulse in den Arbeitskreis, findet Rudolph. Als Pädagoge sei es ihm zudem wichtig, dass er die Leute persönlich kenne, die Hilfen im Ortsteil anbieten. Nur dann könne er den Angeboten auch vertrauen und sie den Jugendlichen empfehlen.
Oberstes Ziel des TIK sei deshalb die Vernetzung und die Verbesserung der Lebenssituation vor allem für Kinder und Jugendliche, aber auch für die Erwachsenen. „Wir sind erfolgreich, wenn alle das Gefühl haben, dass sie davon profitieren“, so Rudolph.
Das nächste TIK-Treffen findet am 14. August um 15 Uhr bei Sozialarbeit und Segeln im Lindenhof, Quastheide 1, statt.
(go)












Darauf können sich alle einigen: Der Markt muss erhalten bleiben | Archivbild: Gogol[/caption]
Pläne für das Herz von Lichterfelde Ost: Eine faustdicke Überraschung und überwiegend schlechte Kompromisse.
Ein Kommentar von Stephan Voß
Wer hätte das gedacht? Das Bezirksamt bietet Bürgerinnen und Bürgern, Gewerbetreibenden, Marktleuten und anderen Interessierten an, über die künftige Gestaltung des Kranoldplatzes mitzuentscheiden. Das ist fast sensationell und von keinem anderen aktuellen städtebaulichen oder verkehrlichen Vorhaben des Bezirks gibt es Ähnliches zu berichten.
Noch bei der Erstellung der Machbarkeitsstudie Kranoldplatz wurde jede Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern vom zuständigen Stadtrat und Bürgermeisterkandidaten Urban Aykal abgelehnt. In der BVV am 18. Februar antwortete er im Rahmen der Einwohnerfragestunde auf die Frage, ob das Beteiligungskonzepts bzgl. des Umbaus des Kranoldplatzes auch die Stufe „Mitentscheidung“ beinhalte, sinngemäß, dass dies nicht vorgesehen sei.
Sinneswandel der Politik
Der nun offensichtlich erfolgte Sinneswandel bezüglichder Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Umgestaltung des Kranoldplatzes ist absolut zu begrüßen – und zwar nicht nur, weil er unerlässlich dafür ist, dass trotz der widerstreitenden Interessen rund um den Kranoldplatz am Ende eine von den unterschiedlichen Interessengruppen akzeptierte Lösung für den Umbau des Platzes gefunden werden kann. Sondern auch, weil ernsthafte und weitgehende Betroffenenbeteiligung unerlässlich für die Förderung und den Erhalt einer demokratischen Kultur in unserem Bezirk ist, einer Kultur, in der Bürgerinnen und Bürger über die Entwicklungen in ihrem Kiez mitbestimmen können – und zwar nicht nur am Wahltag alle vier Jahre.
Mitentscheiden heißt Verantwortung übernehmen
Mitentscheiden über die künftige Gestaltung des Kranoldplatzes bedeutet natürlich auch, Verantwortung zu übernehmen und Verantwortung in der heutigen Zeit zu übernehmen heißt, insbesondere den Klimaschutz im Blick zu haben, heißt den Gesundheitsschutz ernst zu nehmen, heißt der Verödung der Städte und dem Verkehrskollaps in den Städten unter anderem durch eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität entgegenzuwirken, heißt für Verkehrssicherheit zu sorgen und es heißt vor allem auch die Bedürfnisse unserer Kinder und damit auch der nachfolgenden Generation im Blick zu haben. Kurz gesagt, Verantwortung übernehmen, mitentscheiden bedeutet, sich für nachhaltige Entwicklungen zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen – Egoismen haben da keinen Platz.
Betrachtet man unter diesen Prämissen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Neugestaltung des Kranoldplatzes wird man nicht umhinkommen, festzustellen, dass die Varianten 2, 2a, 2b und 3 in Abhängigkeit von der Anzahl und Lage der vorgesehenen Parkplätze auf und rund um den Platz und je nach der Anzahl von Bäumen, am wenigsten Klimaschutz, am wenigsten Lärmschutz, am wenigsten Hitzeschutz (beispielsweise durch fehlende Verschattung), am wenigsten Schutz vor Abgasen und am wenigsten Gesundheitsschutz bieten. Parken auf dem Platz, Rückwärtsausparken, Parksuchverkehr und dadurch bedingte Staubildung auf dem Platz sowie bei der Einfahrt auf den Platz und bei der Ausfahrt vom Platz lassen eine verbesserte Aufenthaltsqualität auf dem Platz ebenfalls kaum zu und tragen zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit schlicht gar nichts bei – im Gegenteil. Nicht nur die Sicherheit von Kindern, sondern auch ihre Interessen und Bedürfnisse fallen bei diesen Gestaltungsvarianten vollkommen unter den Tisch.
Allein die in der Studie vorgeschlagene Variante 1 der Platzgestaltung kann den Anforderungen an die nachhaltige Gestaltung eines modernen Stadtplatzes einigermaßen gerecht werden. Sie schafft mit einem autofreien Platz und damit mit mehr Verkehrssicherheit, mit 27 neuen Bäumen tatsächlich nicht nur mehr Aufenthaltsqualität und damit auch Einkaufsqualität im Herzen von Lichterfelde Ost, sondern sie bietet Lösungen im Kleinen für die großen Herausforderungen, vor denen alle Städte im 21. Jahrhundert insbesondere durch den Klimawandel stehen. Sie ist am Gemeinwohl orientiert und nicht an den Egoismen einzelner und den Partikularinteressen einzelner Gruppen.
Verkehrssenat gegen sichere Verkehrsführung
Über die Neugestaltung des Kranoldplatzes hinaus widmet sich die Machbarkeitsstudie auch den erheblichen Konflikten zwischen Fuß- und Radverkehr und ÖPNV an der Bushaltestelle. Um diese sinnvoll lösen zu können, wäre es nötig, wie auch die Machbarkeitsstudie zeigt, die Lankwitzer Straße zwischen der Haltelinie vor dem Fußgängerüberweg an der Ferdinandstraße und dem Überweg hinter der Bushaltestelle einspurig zu gestalten, um die Ausgestaltung der Bushaltestelle als für alle Beteiligten sichere Kap-Haltstelle zu ermöglichen. In der Höhe des Kranoldplatzes verläuft die Lankwitzerstraße bereits in Richtung Bushaltestelle einspurig. Diese Fahrbahnführung müsste also nur um 80 Meter verlängert werden. Dann gäbe es genug Platz für alle und die Konflikte an der Bushaltestelle könnten beseitigt werden. Doch der Verkehrssenat verweigert eine sichere Verkehrsführung, weil aus seiner Sicht wegen dieser 80 Meter die Leistungsfähigkeit der Lankwitzer Straße reduziert würde. Diese Haltung der Verkehrsverwaltung ist völlig sachfremd, ignorant gegenüber den Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern und entspricht darüber hinaus dem Berliner Mobilitätsgesetz in keiner Weise. Die inzwischen mehrfach vom Autor an die für den Verkehr zuständige Senatsverwaltung herangetragene Bitte, ihre Position zu begründen, blieb bisher leider unbeantwortet.
Konstruktive Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung
Wenn es gelingt, dass alle Beteiligten – auch die für Verkehr zuständige Senatsverwaltung – in einem konstruktiven Miteinander Verantwortung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung des Kranoldplatzes und seiner Umgebung übernehmen, besteht die Chance, den Jahrzehnte währenden Konflikt um die Gestaltung des Kranoldplatzes auf eine gute Weise mit einem guten Ergebnis zu lösen.
Dass der Bezirk beabsichtigt, für diesen Prozess Geld in die Hand zu nehmen und seine Begleitung und Moderation ausschreiben will, um ihn bestmöglich gestalten zu können, ist eine gute Entscheidung, die Mut zum Engagement für einen lebenswerten Kranoldplatz machen sollte.