Wie weiter mit Parks Range? Eine Antwort auf die Frage konnte die Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend im Evangelische Gemeindezentrum Giesensdorf nicht wirklich geben. Die SPD Lichterfelde hatte den Staatssekretär für Stadtentwicklung und Umwelt, Ephraim Gothe (SPD), eingeladen. Der erklärte zunächst, warum Wohnungsbau in Berlin so wichtig sei. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt sei sehr hoch, weil die Lebenserwartung der Berliner steige, es vielmehr Single-Haushalte gebe und durch Zuzug die Einwohnerzahl weiter wachse. 6.000 neue Wohnungen müssten pro Jahr entstehen – mindestens, führte Gothe aus.
Im Ministerium arbeite derzeit am Stadtentwicklungsplan (StEP) Wohnen. In diesem Zug habe man die großen, noch freien Flächen markiert, die Raum für Wohnbebauung geben. Darunter auch Parks Range. Dass Gothe dieses Areal in einem Nebensatz als „Bauland“ bezeichnete, brachte vor allem Uwe Stenzel auf. Der Pensionär engagiert sich unter anderem im Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd. Allen, denen man dieses Areal gezeigt habe – egal welcher Partei – seien davon abgerückt, dies als Bauland zu betrachten. Das Biotop, das dort in den vergangenen Jahren entstanden sei, sei „ökologisch wertvoller als der größte Teil des Grunewalds und des Tiergartens“, so Stenzel. Im Bezirk gebe es einen Konsenz: viel Naturerlebnis, wenig Wohnungsbau auf dem Areal. „Wann machen Sie endlich eine Planung für die Leute“, wollte der ehemalige Lehrer wissen. Dafür erhielt er viel Beifall aus dem Publikum. Für das Gegenteil sorgte die Antwort des Staatssekretärs, der erklärte, dass im Flächennutzungplan das Areal als Bauland ausgewiesen und in der Hand eines privaten Eigentümers – der Groth Development GmbH, die für exquisiten Loft- und Wohnungsbau in Berlin bekannt ist – sei. Mit diesem Eigentümer müsse man verhandeln, wie viel des Areals frei bleiben sollte, welche Art von Bebauung entstehen soll und wo.
Das sah Stenzel nicht ein. Er berief sich auf das seit 2003 in Berlin geltende Naturschutzrecht, das nach seinen Aussagen Eigentumsverhältnisse in Naturschutzangelegenheiten als irrelevant betrachte. Der Eigentümer habe sehenden Auges Natur gekauft. Dieses Landschaftsschutzgebiet, das dort entstanden sei, das könne er schützen und pflegen, aber nicht bebauen. Im Gegensatzzur CA Immobilien AG, die das Gelände im Juli veräußerte, habe die Groth Development GmbH um die Diskussion gewusst, um das Bemühen, dass auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der Amerikaner ein Landschaftspark entstehen soll. Dafür spreche auch der Kaufpreis von neun Euro pro Quadratmeter, hatte zuvor Hannelore von Büren-Rieder vom Fachbeirat Teltow Park erklärt. Das sei kein Kaufpreis für Bauland. Und so forderte sie den Staatssekretär auf, da der Verkauf noch nicht rechtsgültig sei, vom Vorkaufsrecht des Landes Berlin Gebrauch zu machen. „So günstig kommen Sie nicht wieder an das Land“.
Helmut Schmidt, ebenfalls vom Aktionsbündnis, betonte welches Defizit an Naherholungsflächen es in den Steglitzer Ortsteilen gebe. Das bestätigte Irene Köhne von der SPD, die auch betonte, dass die Außenbezirke eben nur solange attraktiv seien, solange sie grün wären und nicht so dicht bebaut wie die Stadtteile innerhalb des S-Bahn-Rings. Ein Vertreter der FDP sprach über Parks Range sogar von einer „grünen Lunge für die Stadt“.
Deutlich machte an diesem Abend alle, die sich zu Wort meldeten, dass sie den Landschaftspark wünschten.
Neben Parks Range gab es allerdings auch andere Themen, die bei der Stadtentwicklung im Bezirk und in der Stadt interessiertennn, etwa die Umwidmung von Wohnungen zu Ferienwohnung und Gewerberäumen, die die Wohnungssituation verschärfe, das Fehlen vor allem kleiner Wohnungen, das nicht durch den Bau voEigenheimsiedlungenn kompensiert werden kann und die Unmöglichkeit für Hartz IV-Empfänger Wohnraum zu finden, den das Jobcenter komplett bezahlt und die darausresultierendee Schuldenfalle.
Nach mehr als zwei Stunden Wortwechsel waren die meisten Argumente ausgetauscht.
(go)











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (