Alpha-Bündnis: Netzwerken für mehr Lesekompetenz

Alpha-Bündnis: Netzwerken für mehr Lesekompetenz

Kerstin Bolik und Sebastian Fitzek bei der Gründungsveranstaltung des Alpha-Bündnisses Steglitz-Zehlendorf am 21.09.2022 im Gutshaus Steglitz, Foto: Michael F. Schaffhauser

 

Analphabeten brauchen ein aufmerksames Umfeld – sagt Kerstin Bolik und wirbt für ein starkes Bündnis, das Betroffene aus ihrer Scham befreit.

In Berlin gibt es 320.000 Menschen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können. Wenn Angehörige, Freunde oder Arbeitgeber für das Thema sensibilisiert werden, kann ihnen geholfen werden. Das ist der Ansatz des Alpha-Bündnisses Steglitz-Zehlendorf, das von Kerstin Bolik koordiniert wird. Alpha-Bündnisse gibt es in allen Bezirken, Steglitz-Zehlendorf gründete als letzter Bezirk seine Plattform im September 2022.

„Wir haben bei unserer Arbeit eigentlich noch nie erlebt, dass ein Betroffener bei uns anruft“, sagt sie im Podcast „Amtsplausch“ (Folge 31), des digitalen Gesprächsformates des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf. Ganz im Gegenteil, viele haben im Laufe ihres Lebens Strategien entwickelt, die es ihnen ermöglichen unerkannt zu bleiben. „Sie vergessen ihre Brille, haben zufällig eine verletzte Hand“, so Bolik. „Letzten Endes sind es die Menschen drumherum, die Hilfe holen für die Betroffenen.“

Der Mensch drumherum, das kann jeder sein. Und weil alle Bürger früher oder später ein Amt aufsuchen, ist ein Ziel des Bündnisses, die Mitarbeiter der Ämter zu sensibilisieren. „Das Grundbildungszentrum Berlin, das die Alpha-Bündnisse der Bezirke organisiert, bietet eine Sensibilisierungsschulung an“, erzählt Kerstin Bolik. Das Besondere daran: Der Dozent hat auch erst im Erwachsenenalter richtig Lesen und Schreiben gelernt. Die vierstündige Fortbildung steht auch Institutionen und Unternehmen jenseits des öffentlichen Dienstes offen.

Kerstin Bolik wünscht sich noch weitere Verbündete im Kampf gegen Analphabetismus. „Es ist sehr wichtig weitere Partner für das Alpha Bündnis zu gewinnen, gerne auch aus der Wirtschaft, weil wir überall in der Stadt, in allen Schichten und Betrieben Menschen haben, die nicht richtig lesen und schreiben können. Ich möchte Betroffenen die Angst nehmen, dass sie gleich in eine Klasse oder Gruppe gesteckt werden. Wenn Sie zum Alpha Bündnis kommen, schauen wir nach dem für Sie besten Weg, um besser lesen und schreiben zu können.“

Die Kerngruppe der Kooperationspartner bildet die Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf, das Mehrgenerationenhaus Phoenix und der Mittelhof e.V. Weitere Partner sind beispielsweise das Jobcenter oder das Stadtteilzentrum Steglitz.

Alle Infos:

https://alpha-buendnis-sz.de/

Alfa-Telefon deutschlandweit:

Tel: 0800 53 33 44 55

Website: https://alfa-telefon.de/

 

 

Daniela von Treuenfels

 

 

 

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„Perspektiven der Kinder und Jugendlichen machen unsere Entscheidungen besser“

[caption id="attachment_103286" align="aligncenter" width="400"] Johanna Martens in der BVV am 22. April 2026, Rede zum Thema Kinder- und Jugendparlament | Foto: Grüne Fraktion[/caption]   Steglitz-Zehlendorf bekommt ein Kinder- und Jugendparlament. Das hat die BVV in der vergangenen Woche beschlossen. Wir dokumentieren die Rede von Johanna Martens, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen, im Wortlaut: Wir haben vor anderthalb Jahren einstimmig beschlossen, ein Beteiligungsgremium für Kinder und Jugendliche auf den Weg zu bringen. Seitdem ist viel passiert: Es gab einen strukturierten Beteiligungsprozess, Gespräche in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und mit Fachkräften. Und vor allem mit den jungen Menschen selbst. Wir haben uns bewusst nicht vorab auf eine Struktur für ein solches Gremium festgelegt und diese den Kindern- und Jugendlichen vorgesetzt, sondern den Beteiligungsprozess ernst genommen. Das Ergebnis dieses Prozesses war eindeutig: Die Kinder und Jugendlichen in Steglitz-Zehlendorf wollen ein Kinder- und Jugendparlament. Das Kinder- und Jugendparlament wird demokratisch gewählt, breit zusammengesetzt aus Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereinen und weiteren Organisationen. Es gibt klare Regelungen zur Repräsentanz und zur Einbindung verschiedener Gruppen im Bezirk. Und mit der Änderung der Geschäftsordnung integrieren wir dieses neue Gremium in unsere Arbeit in der BVV: Das Kinder- und Jugendparlament wird zu den Sitzungen eingeladen, kann eigene Anträge in die BVV einbringen und erhält eine nachvollziehbare Rückmeldung, wenn Anträge abgelehnt werden sollten. Auch Rederechte sind vorgesehen. Das sind notwendige strukturelle Veränderungen, die echte Mitwirkung ermöglichen. Warum ist das so wichtig? Weil wir damit zeigen, dass wir die Anliegen junger Menschen ernst nehmen. Weil wir damit Vertrauen in die Bezirkspolitik schaffen. Und weil wir somit ganz konkret in und mit diesem Gremium etwas gegen Politikverdrossenheit tun. Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass Politik über sie hinweg entscheidet, sie nicht ernst nimmt. Doch wer früh erlebt, dass die eigene Stimme gehört wird und Einfluss hat, entwickelt Vertrauen in demokratische Prozesse. Mit diesem Beschluss heute können wir zeigen: Eure Perspektiven sind nicht nur willkommen – sie haben Gewicht. Gleichzeitig profitieren auch wir als Bezirksverordnete und der Bezirk selbst: Kinder und Jugendliche nehmen ihren Bezirk anders wahr als wir Erwachsene, haben oft einen anderen Blick auf ihren Alltag: auf Schulwege, Freizeitangebote oder öffentliche Räume. Sie sehen Probleme, die wir vielleicht übersehen würden und haben Ideen, auf die wir selbst nicht kommen würden. Diese Perspektiven machen unsere Entscheidungen als BVV besser. Deshalb geht es heute auch um Vertrauen: Vertrauen darin, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können und wollen. Und dass sie uns als Bezirkspolitik vertrauen können. Und es geht um Respekt: Respekt vor der Zeit, dem Engagement und den klaren Forderungen, die im Beteiligungsprozess formuliert worden sind. Ich möchte mich deshalb im Namen der Grünen Fraktion ausdrücklich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben: bei allen Kindern und Jugendlichen, die sich eingebracht haben, bei den Einrichtungen, Fachkräften und der Verwaltung, die diesen Prozess getragen haben. Sie haben die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute diesen Schritt gehen können.

Johanna Martens

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