Mit der Bezirksmedaille würdigte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf am Sonntag fünf Ehrenamtliche aus dem Bezirk, um ihnen für jahrzehntelanges Engagement zu danken. Diese von vielen Menschen unbeachtet arbeitenden Ehrenamtler seien es wert, der Öffentlichkeit einmal näher vorgestellt zu werden, fand der Vorsteher der BVV, René Rögner-Francke, der die Medaille überreichte. Es sei eine ideelle Anerkennung, die er ihnen stellvertretend für alle Ehrenamtler des Bezirkes überreiche. Sie sprängen in die Bresche, wenn die „Mittel und Wege des Staates begrenzt“ seien.

Jacqueline Lorenz war eine der fünf Ehrenamtlichen, die mit der Bezirksmedaille ausgezeichnet wurden. Foto: Gogol
So wie Jacqueline Lorenz. Die Tierärztin und Journalistin ist vielseitig ehrenamtlich in Steglitz-Zehlendorf tätig, führte Rögner-Francke aus. So war sie acht Jahre im Vorstand eines Fördervereins, der Pferde, die für den Reitsport nicht mehr genutzt werden konnten, kaufte und ihnen in Brandenburg das Gnadenbrot gab. Infolge ihrer Kontakte als Journalistin erreichte sie, dass Schulen Sportgeräte erhielten und die Babyklappe im Krankenhaus Waldfriede finanziert werden konnte. Sie organisierte Veranstaltungen, mit denen sie sich unter anderem für das Schlosspark-Theater und für den Kinder- und Jugend-, Reit- und -Fahrverein Zehlendorf einsetzte. Aktiv arbeitet sie auch für die Schaffung eines Technologie-, Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentrums. Ihrer Überzeugung nach sollten Journalisten nicht nur Probleme aufdecken, sondern über Netzwerke nachhaltige Brücken bauen und Hilfestellungen leisten, um gemeinsam Probleme anzugehen und zu beseitigen.
Margrit Korge versuche Defizite anderer Art auszugleichen, nämlich im Bildungsbereich. Viele Schüler wüssten heute zu wenig über die jüngere deutsche Geschichte Bescheid, so der BVV-Vorsteher. Deshalb geht Korge als Zeitzeugin in Schulen. Korge wurde 1930 als „Halbjüdin“ geboren und überlebte nur, weil sie von Ordensschwestern versteckt wurde. Heute berichtet sie davon Schülern, die so alt sind wie sie damals, als sie verfolgt und diskriminiert wurde. Neben zahlreichen weiteren ehrenamtlichen Aufgaben denen sich Margit Korge widmet, ist die Behindertenarbeit ein zweites großen Thema. So erreichte die 84-Jährige, dass Kurse für behinderte Menschen an der Volkshochschule angeboten werden und engagiert sich dafür, dass Wahlen behindertenfreundlich gestaltet werden. Als Mitglied im Behindertenbeirat sei es ihr wichtig, dass behinderte Menschen möglichst intensiv gefördert werden, damit sie als mündige Bürger an Politik und Gesellschaft teilnehmen können. Sie habe einmal gesagt, dass sie ihre Arbeit weniger als Geben denn als Empfangen empfinde, denn die zahlreichen Kontakte sie sie dadurch geknüpft habe, hätten ihr Leben bereichert und sie habe viel gelernt, so Rögner-Francke in seiner Laudatio.
Den wohl existenziellsten Mangel – den Hunger, versucht Norbert Scheunchen durch sein Ehrenamt zu mildern. Scheunchen ist Teamleiter bei der Aktion Laib und Seele, die im Nachbarschaftsheim an der Scheelestraße Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Er und seine 36 Mitarbeiter fahren Supermärkte und Bäckereien an, um Lebensmittel einzusammeln, die noch einwandfrei sind, aber trotzdem auf dem Müll landen würden. Diese werden jeden Dienstag an 100 bis 120 Bedürftige verteilt. Darüber hinaus hätten die Mitarbeiter auch ein offenes Ohr für die Kümmernisse und Sorgen der Menschen.
Karlheinz Kirschke und Christa Wandrei sind für die Sozialkommission des Bezirks im Einsatz, besuchen ältere Menschen, die oft keine Angehörigem mehr haben. Sie hören zu, unterhalten sich mit den Senioren und holten sie so aus ihrer Einsamkeit, würdigte Rögner-Francke das Engagement der beiden. Und das obwohl beide selbst
auch mit eigenen Schicksalsschlägen zu kämpfen hatten – so verlor Kirschke früh seine Frau und kümmert sich um eine behinderte Tochter, Wandrei hat zwei Pflegefälle in der Familie, für die sie ihren Beruf aufgab, berichtete der BVV-Vorsteher. Und noch etwas haben die beiden Ausgezeichneten gemeinsam: Sie sind auch noch anderweitig ehrenamtlich tätig. So organisiert Kirschke für die Senioren-Freizeitstätte „Bürgertreff Lichterfelde West“ Feiern und Ausflüge; Wandrei ist bei Laib und Seele im Einsatz.
(go)
















Johanna Martens in der BVV am 22. April 2026, Rede zum Thema Kinder- und Jugendparlament | Foto: Grüne Fraktion[/caption]
Steglitz-Zehlendorf bekommt ein Kinder- und Jugendparlament.