Wildschweine sind Allesfresser. Foto:Michael Ochsenkühn / pixelio.d

Wildschweine sind Allesfresser. Foto:Michael Ochsenkühn / pixelio.de

Was viele Steglitz-Zehlendorfer an ihrem Bezirk schätzen, ist die Natur. Die Seen, Parks, Wiesen und Wälder. Doch gerade mit den Bewohnern des Waldes gestaltet sich das Zusammenleben nicht immer einfach. Das weiß auch Elmar Kilz, Leiter des Forstamtes Grunewald. „Momentan ist es entspannt“, sagt er, doch das war nicht immer so.

Vor fünf Jahren beispielsweise sei man in Anrufen erstickt, weil die Wildschweine in der Stadt „shoppen gingen“, wie Kilz es nennt, und es sich im Heinrich-Laehr-Park gemütlich machten. Grund dafür war zum einen die hohe Population. Drei bis fünf Tiere je 100 Hektar seien optimal, so Kilz. 2010 habe man aber 20 Tiere je Hektar geschossen. Dann kam der harte Winter 2010/11 und der kalte Februar 2012, die dafür sorgten, dass viele Jungtiere starben und sich die Zahl der Tiere reduzierte. Derzeit habe man „wilde, scheue Tiere, die Angst vor dem Menschen haben“. Doch das könne sich bald schon wieder ändern. Schuld daran ist auch der bisher milde Winter. „Die Ernährungssituation ist wunderbar. Die Zahl der Verkehrsunfälle spricht dafür, dass es viele Wildschweine gibt“, schlussfolgert Kilz. Derzeit würden mindestens zwei Wildunfälle pro Woche gemeldet. Meldungen über Begegnungen auf Privatgrundstücken gebe es bisher aber noch nicht.

Wildschweine auf Shoppingtour

Doch es gibt auch andere Gründe, die die Schweine in die Stadt ziehen – und für die sorgt der Mensch. Freistehendes Katzenfutter und Müll sind wie dafür gemacht, neugierige Wildschweine anzulocken. So wie man sein Haus vor Einbrechern schütze, müsse man als Waldrandbewohner sich auch vor Wildschweinen schützen, betont der Forstamtsleiter. Man sollte einen Zaun um sein Grundstück haben und das Tor – eines, das sich nach außen öffnet, damit die Tiere es nicht eindrücken können – geschlossen halten. Müllbeutel sollten nicht zu früh vor die Tür gestellt werden und schon gar nicht auf dem Boden. Es sollte auf dem Grundstück keine offenen Komposthaufen geben. Reste von Grillpartys dürfen nicht draußen stehen gelassen werden. „Das ist wie shoppen gehen für die Schweine“, so Kilz, der auf McDonalds an der Clayallee verweist. „Die haben es begriffen und einen großen Zaun errichtet.“ Diese Zäune müssten aber auch gepflegt werden. Marode Zäune sowie verwilderte Gärten und unbewohnte Grundstücke seien Einfallstore für die Allesfresser, betont der Forstamtsleiter. Da sei Nachbarschaftshilfe gefragt.

Arg mit Wildschweinen zu kämpfen hätte auch das Loretta am Wannsee, weil dort Gäste die Tiere sogar fütterten und streichelten. Diese menschliche Ernährung sei schlecht für die Tiere, betont Kilz. Es verursache bei ihnen Heißhunger auf das, was sie nicht haben. Und danach begeben sie sich dann auf die Suche. Auch Wasser ist dann kein Hindernis für sie. „Sie schwimmen über den See und laufen dann die Fischerhüttenstraße hinunter.“

Deshalb sollte man auch in Parks und Grünanlagen darauf achten, keine Essensreste liegen zu lassen.

„Macht es ihnen ungemütlich“

Wildschweine kämen grundsätzlich nachts. Wenn sie tagsüber kommen sollten, haben sie noch keine negativen Erfahrungen mit Menschen gemacht. Und für die sollte man dann sorgen. Man könne die Tiere beispielsweise mit einer Büchse bewerfen oder mit einem Schlauch abspritzen, so dass sie das Weite suchen. „Wildschweine sind grundsätzlich nicht angriffslustig und unbedarft“, weiß Kilz. Einzige Ausnahme sind Bachen mit Frischlingen.

Trotz allem gebe es ein paar Flecken im Bezirk, wo das Wildschwein-Problem nicht zu lösen sei, der bereits genannte Heinrich-Laehr-Park, das Fischtal und die Rehwiese, zählt Kilz auf.

„Macht es ihnen ungemütlich“, laute die Devise auch bei Füchsen, sagt Kilz. Allerdings sollte man darauf achten, dem Fuchs eine Fluchtmöglichkeit zu lassen, so dass er er dann auch entkommen kann. „Ein Fuchs ist per se nicht gefährlich.“ Die Akzeptanz gegenüber Füchsen sei bei den Menschen sehr hoch, die Zahl der Anrufe und Beschwerden rückläufig. Doch trotzdem sollte man sich vor dem Tier schützen, etwa durch einen hohen Zaun. Allerdings sei ein Drahtgitterzaun für die kletterfreudigen Tiere kein Problem, da helfe nur „Berliner Latte“, so Kilz. Anfassen sollte man Füchse auf keinen Fall. Gerade Tiere, die sehr müde wirken und sich anfasse ließen, leiden höchstwahrscheinlich an Staupe.

Vermehrt für Probleme sorgt der Waschbär. Vor allem für Bewohner alter Villen und Häusern mit ihren unverdrahteten Dachziegeln können die possierlichen Tiere zu einem echten Problem werden. „Sie gehen rabiat vor bei der Nahrungssuche“, erklärt Kilz. Sie brechen Türen auf, decken Dächer ab und bauen sich aus der Isolierung ein nettes Zuhause. Die Tiere sind wehrhaft. Einem Hofhund verpassen sie schon mal eines mit der Tatze. Und sie können wunderbar klettern. Um sich vor Waschbären zu schützen, helfen nur sehr umfangreiche Maßnahmen, erklärt Kilz. Sämtliche Bäume in der Umgebung müssten weg, Dachrinnen verkleidet und Fallrohre mit Stacheldraht versehen werden. Und das Dach müsse unbedingt gesichert werden. Bei neuen Häusern sei eine Sturmsicherung vorgeschrieben. Die helfe auch gegen die unliebsamen Besucher.

„Der Mensch darf nicht als Dosenöffner dienen und das Grundstück darf nicht als Schlaraffenland erscheinen“, betont der Forstamtsleister. Dann klappt es auch mit dem wilden Nachbarn

(go)