„Hi! Icke bin’s, der Alte Ami, Rik de Lisle!“

„Hi! Icke bin’s, der Alte Ami, Rik de Lisle!“

Foto: Patrick Meyer

 

Von Milwaukee über Asien nach Steglitz-Zehlendorf, vom US-Soldaten zur Berliner Radiolegende. Ende März ist Rik de Lisle gestorben, er wurde 79 Jahre alt.

Ein Beitrag von Patrick Meyer

„Hi! Icke bin’s, der Alte Ami, Rik de Lisle!“ Jahrzehnte lang begrüßte Rik so die Berlinerinnen und Berliner zu seinen Shows, auch als die Stadt noch geteilt war. Er war schon mit Mitte 30 der „Alte Ami“ – weil er einer der ältesten Kollegen in der Redaktion war und es einfach auch gut klang. Viele waren überrascht, dass hinter der markanten Stimme mit dem unverwechselbaren amerikanischen Akzent aus dem Radio ein weißer, bärtiger Mann stand.

Rik, der Junge aus Milwaukee war durch eine Verkettung überraschender Umstände in West-Berlin gelandet: inmitten des Kalten Krieges strandete er auf einer kleinen Insel, wo Punks und Bankangestellte zusammen ein Bier tranken und sich gegenseitig den Sinn des Lebens erklärten. West-Berlin war so ein absurdes, weltpolitisches Konzept, das dem AFN-Diskjockey, der aus dem Rettungssanitäter geworden war, gefiel und in der Stadt bleiben ließ. Für immer. Rik hatte Berlin verstanden.

Obwohl man hörte, dass er nicht in Lichterfelde oder Charlottenburg aufgewachsen war, bestand schnell kein Zweifel mehr daran, dass Rik ein Berliner Original war. Er liebte die Menschen, aber nicht unbedingt das Rampenlicht. Ein Typ, der sich interessierte, aber nicht wollte, dass man ihm die Zeit stiehlt. Ein Perfektionist seines Fachs, der Talente erkannte und förderte, Einsatz forderte und mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt, auch wenn das bedeuten konnte, jemanden zu verletzen.

Den Hörern war das Wurscht, weil sie spürten, dass er Radio liebte. Er brachte amerikanische Musik und das freiheitliche Lebensgefühl in den Alltag vieler Menschen, die oft mit dem Kassettenrecorder die neuesten Songs aufnehmen wollten, die Rik in seinen Shows spielte.  

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Als ich ihn irgendwann fragte, ob wir sein Leben nicht dokumentarisch festhalten sollten, fand er die Idee erst befremdlich und stimmte dann doch zu. So entstand 2017 der englischsprachige Film „The Old Ami“. Für die Dokumentation konnte ich einige Stationen seines Lebens nachzeichnen und Wegbegleiter treffen. Immer wieder wurde deutlich, wie sehr Riks Leben von der deutschen Geschichte beeinflusst war. Die Premiere der Doku lief damals im Thalia Kino in Lankwitz. Genau dort wird der Film am Sonntag, den 19.4. (18 Uhr) noch einmal zu sehen sein. Außerdem wird es im Rahmen der Vorstellung einige unveröffentlichte Szenen von den Dreharbeiten zu sehen geben.

Wir trafen uns auch nach der Produktion gelegentlich zum Frühstück. Mal bei Hasi´s, später dann bei anderen Bäckereien. Obwohl wir uns bei einigen Themen nicht einig waren, gab es eine hohe Wertschätzung für einander. Wir haben die Meinung des anderen ausgehalten und das habe ich sehr geschätzt. Für ihn war der Berliner Südwesten sein zuhause. Er kannte Lichterfelde wie seine Westentasche und wusste, was in seinem Kiez los war sehr genau. Er gehörte einfach dazu. Erkannten ihn Hörer, nahm er sich Zeit zu Quatschen und freute sich, dass er Teil des Lebens der Menschen war.

Hemd, Jeans, Baseballkappe, immer an Neuem interessiert, online Panzer-Strategie-Spiele zocken, über die Kinder, Enkel und das Radiogeschäft reden, Eagles auf den Ohren und hoffen, dass Hertha gewinnt, so habe ich Rik kennen und schätzen gelernt. So werde ich ihn in Erinnerung behalten und sein Lebensmotto nie vergessen: Rock’n’Roll is just a state of mind!

The old Ami

Sonntag, 19. April um 18 Uhr im Thalia Kino in Lankwitz

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Fête de la Musique in Berlin

[caption id="attachment_87173" align="aligncenter" width="620"] Foto: olly[/caption]
 
Jedes Jahr am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, feiert die Welt die Musik. Auch in Berlin finden viele kostenlose Konzerte statt. Das Event ist offen für alle, die daran teilnehmen möchten. Jede Art von Musikern – jung und alt, Amateur und Profi, jegliche musikalische Ausrichtung und Genres – treten auf die Straßen, Plätze und Parks, um ihre Musik mit Freunden, Nachbarn und Fremden zu teilen. All dies kostenlos und öffentlich zugänglich. Initiiert 1982 vom damaligen französischen Kulturminister Jack Lang hat sich die „Fête de la Musique“ von Paris und Frankreich aus schnell über die Landesgrenzen hinaus verbreitet und wird heute in mehr als 1.000 Städten in 120 Ländern gefeiert. Berlin ist seit 1995 dabei. Die Stadt feiert einheitlich drinnen oder draußen bei fast jedem Wetter auf Straßen, Plätzen und Parks bis 22 Uhr und Indoor weiter mit der „Fête de la Nuit“ – open end – in Clubs, Kneipen, Bars, Venues. Der Besuch ist laut den weltweit gültigen Richtlinien kostenfrei und für alle öffentlich zugänglich. Auch die „Fête de la Nuit“ – Indoor ab 22 Uhr in Clubs, Kneipen, Bars, Venues – kostet keinen Eintritt. Ein Zeit- und Ortsplan ist online verfügbar. Unter dem Menüpunkt „Programm“ kann nach Bühne, Genres, Bezirk und Uhrzeit gefiltert werden. Die „Fête de la Musique Berlin“ ist eine Veranstaltung des Landes Berlin. Organisator ist das Musicboard Berlin im Auftrag der Senatsverwaltung Kultur und Europa. Das Musicboard ist eine landeseigene GmbH, mit der Aufgabe der Förderung der Popkultur Berlins. Alle Infos: www.fetedelamusique.de
 

Daniela von Treuenfels

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