Mit Kränzen vor der Spiegelwand gedachte der Bezirk Steglitz-Zehlendorf der Pogromnacht und deren Opfern. Foto: Lackermann

Ein Kranz nach dem anderen wird vor die Spiegelwand auf dem Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz gelegt. Zum Jahrestag der Reichspogromnacht versammeln sich Steglitzer Bürger und Bürgerinnen schon seit zwanzig Jahren vor dem Denkmal, um den damals verfolgten und ermordeten Juden zu gedenken. Am 9. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten unter anderem die Steglitzer Synagoge und raubten sie aus. Aus diesem Grund plante die Bezirksverordnetenversammlung (BVV), ein Denkmal zu errichten, damit dieses Ereignis nicht in Vergessenheit gerät. Die Spiegelwand verrät die Geschichte aller aus Steglitz deportierten Juden, für die jährlich am 9. November gebetet wird – so auch dieses Jahr.

„Mit der Kranzniederlegung und der Spiegelwand wollen wir ein Friedenszeichen setzen“, so Dieter Fitterling, Vorsitzender der Initiative Haus Wolfenstein. Nachdem sich alle Parteien im Bezirk über ein Denkmal einig waren, bliebe die Frage, an welche Stelle es errichtet werden sollte, berichtet Fitterling. Man einigte sich letztendlich auf den Hermann-Ehlers-Platz. Nicht nur weil er Zentrum des Stadtteils ist, sondern auch, da sich dort einst ein Zentrum jüdischen Lebens in Berlin befand. Die Synagoge an der Düppelstraße, die von Moses Wolfenstein, dem letzten jüdischen Vorsitzenden der Gemeinde errichtet wurde, befindet sich in unmittelbarer Nähe. Das besondere sei, laut Fitterling, dass die Länge der Spiegelwand identisch mit der Länge der kleinen Synagogenwand sei.

Die Steglitzer Synagoge wurde damals nicht niedergebrannt, da die Nazis befürchteten, die umstehenden Wohnblocks zu zerstören. Es wurden aber viele andere Berliner Synagogen in der „Reichskristallnacht“ in Brand gesetzt. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als Fünfjähriger die Synagoge brennen sah“, erzählt Klaus Ahlert, der so gut wie jedes Jahr zum 9. November die Gedenkstätte besucht.

Auch die Ehefrau des Vorsitzenden, Jael Botsch-Fitterling, jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V., war an der Entstehung des Denkmals mit beteiligt. Am Gedenktag spricht sie, zusammen mit dem männlichen jüdischen Vorsitzenden Hanan Bracksmajr, das jüdische Gebet Kaddish auf Deutsch und Hebräisch, um den sechs Millionen ermordeten Juden zu gedenken.

 Der 37. „Steglitzer Spiegelwand“- Rundgang findet am Sonntag, 15. November 2015 von 13 bis  15.30 Uhr statt. Treffpunkt ist an der Spiegelwand am Hermann-Ehlers-Platz. Dieter Fitterling übernimmt die Führung für einen Kostenbeitrag von fünf Euro.

(mala)