Bücher kann man lesen und über sie diskutieren, auch verfilmen kann man sie – aber fotografieren? Dass Bücher ein wunderbares Fotoobjekt sein können, zeigt die Ausstellung „Bücher werden Bilder“ in der Volkshochschule (VHS) in Lichterfelde.
Die Fotogruppe Fotoriosa hat sich einem siebenmonatigen Prozess überlegt, wie man Bücher in Bilder fassen kann. Die Idee kam durch einen Ausstellungsort, erzählt Rainer Jordan, Lehrer an der VHS und Leiter der Fotogruppe. Fotoriosa bekam das Angebot, in einer Bibliothek auszustellen. Also suchte die Gruppe nach einem adäquaten Thema und fand das Buch.
Fünf Fotografen der Gruppe fanden jeweils einen eigenen Zugang, erstellten eine eigene Serie, aus der jeweils eine Auswahl zu sehen ist.
Wolfgang Philipp personalisierte die Bücher. „Ich fragte mich, was erleben die Bücher?“, erzählt er. So zeigt eines seiner Bilder einen Studenten, der auf seinen Büchern eingeschlafen ist, auf einem anderen dienen Bücher als Sitz für einen Jungen, der in einem Museum zusammen mit seinem Vater ein Bild betrachtet. Andere Motive sind weniger eindeutig, etwa „Der Name der Rose“, das verboten ist. Oder auch das Bild „Schäferstündchen“. Zu sehen ist ein altes Herrenfahrrad, ein Damenhut, auf dem Gepäckträger ein schwedisches Buch vom Anfang der 20. Jahrhunderts über die Frauenbewegung. Doch wo sind der Mann und die Frau?
„Ich bin ein politischer Mensch“, sagt Philipp. Deshalb habe er auch eher politische Bücher fotografiert, wie etwa Alexander Solschenizyns „Der Archipel Gulag“, das ebenfalls in der Ausstellung zu finden ist. Eine besondere Verbindung allerdings habe er zu „Le piscin“ („Der Swimmingpool“). Das habe er am Sonntag fotografiert, am Montag kam die Krebsdiagnose, erzählt er.
Jedes der zehn Bilder von Philipp ist inszeniert. „Ich habe das Bild vorher im Kopf. Ich fotografiere so lange, bis das Foto mit meinem Bild im Kopf übereinstimmt“, erzählt der Hobbyfotograf.
Birgit Knoth geht anders vor. Sie sucht ihre Bilder. „Vom Suchen und Finden“ heißt ihre Serie, denn sie habe lange danach gesucht, wie sie das Thema „Bücher werden Bilder“ umsetzen kann. „Ich habe mich sehr schwer getan“, erinnert sie sich. Bis sie eine Bücherkiste auf der Straße entdeckt habe. Verschiedene Situationen von Menschen mit Büchern hat die Hobbyfotografin festgehalten. Oft entstanden sie aus der Situation heraus. Gestellt ist wenig, inszeniert nur das letzte Bild, das Buch auf dem Nachttisch. „Ich kann nicht inszenieren, das ist nicht meine Spielwiese“, gesteht Knoth. Deshalb ging sie mit offenen Augen durch die Welt. „Ich habe plötzlich viel mehr Bücher gesehen als vorher“, erinnert sie sich. Aber das sei ja meistens so, wenn man sich auf etwas konzentriere.
Noch drei andere Serien erwartet die Betrachter: Kaja Wegner setzte Buchtitel in Szene, Norbert Thiel hat sieben Sichtweisen auf das Buch und Uwe Franck ließ seine Tochter Buch-Emotionen erleben.
Es sei ein langwieriger Prozess gewesen, bis die Bilder fertig waren, erzählt Jordan, Konzepte wurden erstellt, diskutiert und wieder verworfen.
In einer kleinen Eröffnungsrede stellt der Lehrer seine Fotogruppe kurz vor. Fotoriosa fotografiere mit Absicht und nicht nur einfach das, was einem vor die Linse komme. Damit sei man auf dem Weg zur künstlerischen Fotografie. Den Begriff „Kunst“ könne man zwar schwer schaffen, doch er habe eine Definition für sich gefunden, so Jordan. „Das was Kunst schaffen soll, ist ein Spiegel zu sein für die Gesellschaft und es muss eine Absicht haben“.
Welche Absicht hinter den Bücher-Bildern steht, davon können sich bis 8. März die Besucher der Ausstellung „Bücher werden Bilder“ im Blauen Salon der VHS, Goethestraße 9 – 11, überzeugen. Die Schau ist montags bis freitags von 9 bis 21 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.
(go)













Foto: Haus der Jugend Zehlendorf[/caption]
Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren können vom 19. Bis 23. Oktober an einer Fahrt nach Krakau und zu den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau teilnehmen. Interessierte können sich bis zum 22. Juni anmelden.
In einem gemeinsamen Projekt wollen vier Steglitz-Zehlendorfer Jugendeinrichtungen ein „starkes Zeichen für die Stärkung der Erinnerungskultur und die Förderung der Gedenkstättenpädagogik“ setzen. Vom 19. Oktober bis 23. Oktober findet eine Bildungsfahrt nach Krakau statt, bei der die Teilnehmenden die historischen Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besuchen sowie eine Stadtführung in Krakau erleben werden.
Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren, die durch diese Reise nicht nur wertvolles Wissen über die Geschichte des Holocaust erlangen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich aktiv mit den Themen Erinnerung, Verantwortung und Zivilcourage auseinanderzusetzen.
Geplant sind zwei Exkursionen mit fachkundigen Führungen in das Auschwitz Stammlager sowie Auschwitz-Birkenau mit der Chance auf tiefe Einblicke in die Geschichte und die Auswirkungen des Holocaust. In Krakau steht eine Stadtführung auf dem Programm, bei der die Teilnehmenden mehr über die kulturellen und historischen Hintergründe der Stadt und die jüdische Community erfahren.
Wichtig: die Anmeldefrist endet am 22. Juni. Alle Infos: