Die Bewohner des Hochhauses Brettnacher Straße 1 sind wütend. Die Sackgasse hinter dem Haus, in der sie seit Jahrzehnten parken, sei plötzlich zum Gehweg umgewidmet worden, berichtet Geza Steiner. Er wohnt seit 20 Jahren dort und parkte sein Auto bisher ebenfalls in der Straße. Denn die 33 Stellplätze, die zum Hochhaus gehören, reichen nicht aus. Nun aber habe das Bezirksamt aus „purer Willkür und ohne Not“ die Sackgasse hinter dem Haus zum Gehweg erklärt, und das Ordnungsamt verteile Knöllchen.

Er spreche für das gesamte Haus, so Steiner, und auch das Hans-Rosenthal-Haus und die angrenzende Siedlung seien von der Entscheidung des Bezirksamtes betroffen. „Wir protestieren dagegen“, sagt Steiner. Zumal auch das Gerücht herumgeht, dass einem „Prominenten“ die abgestellten Autos ein Dorn im Auge gewesen sein sollen und dass deshalb das Schild plötzlich aufgestellt worden sei.

Dem widerspricht Bezirksstadtrat Michael Karnetzki (SPD). Bereits seit 1967 sei dieser Weg zwischen dem Wendekreis Brettnacher Straße und dem Dahlemer Weg als Gehweg gewidmet. Dabei verweist er auf die hohe Bordsteinkante, die um den Wendekreis verläuft und die „Sackgasse“ baulich von der restlichen Straße abtrennt. „Es ist auch keine Gehwegüberfahrt oder Ähnliches vorhanden, das suggerieren würde, die Bordsteinkante dürfte mit Kraftfahrzeugen überfahren werden“, so Karnetzki. Allerdings gibt der Bezirksstadtrat auch zu, dass es aufgrund der Breite des Gehwegs dazu kommen kann, „dass Einzelne sich nicht an der Bordsteinkante orientieren, sondern aufgrund bereits in diesem Bereich falsch parkender Fahrzeuge davon ausgehen, man dürfe dort parken.“ Kontrolliert worden sei der Bereich vom Ordnungsamt auch schon in der Vergangenheit, Falschparken sei nicht geduldet worden. Die Beschilderung habe man nun geändert, „um (noch) deutlicher – als die Bordsteinkante ohnehin schon ist – den Verkehrsteilnehmern zu signalisieren, dass dieser Bereich nicht mit dem Auto befahren werden darf“, so der Bezirksstadtrat. Von Beschwerden von Prominenten weiß er nichts.

Doch es gibt auch ein klein wenig Hoffnung für die Anwohner, die nun nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Auto. So hat Karnetzki im Bezirksamt angeregt, die straßenrechtliche Widmung für den Gehweg zu ändern und damit erstmals das Parken dort zu erlauben. Das wird aber in einer anderen Abteilung entschieden.

(sn)