
Dr. Michael Rohde, Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg, erklärte den Festgästen die Bedeutung von Lennés Schaffen. Foto: Gogol

Das hätte wohl auch dem „Alten Fritz“ gefallen: Jochen Hoffmann, Flötist im Orchester Deutsche Oper Berlin begleitete den Festakt musikalisch. Foto: Gogol
Unter dem Motto „Glienicke, mein Augapfel“ wurde am Sonnabend im Schloss Glienicke feierlich ein doppeltes Gedenkjahr eingeleitet: Am Sonnabend jährte sich zum 150. Mal der Todestag des preußisches Gartenbaudirektors Peter Joseph Lenné; außerdem wird der Park Glienicke in diesem Jahr 200 Jahre alt.
Zahlreich waren die Gäste bei der Eröffnung, darunter auch der Ur-Ur-Ur-Enkel des Gefeierten, Peter Franz Friedrich Lenné, Vorsitzender des Kuratoriums der Lenné-Akademie für Gartenbau und Gartenkultur. Der wohnt zwar in Essen, doch an den Berliner Südwesten hat er noch gute Erinnerungen. Geboren ist er nämlich in Steglitz, wie er in seinem Grußwort berichtete, und mit dem Großvater ging es jeden Sonntag zum Kaffee-Trinken nach Nikolskoe. „Ich kenne diese Ecke also sehr gut.“ Lenné wünschte den Organisatoren des Festjahres viel Erfolg und versprach ihnen Unterstützung, „wenn es mal irgendwo hakt“.
Als erstes aber hatte Bezirksbürgermeister Norbert Kopp das Wort, der an die großen Leistungen Lennés in Berlin und anderen teilen Deutschlands erinnerte, „aber sein Anfang war hier, darauf sind wir stolz“, betonte er in seinem Grußwort. Stolz war er auch, dass das Lenné-Jahr im Berliner Südwesten es in verschiedenen Reiseportalen unter die Top-Reisehöhepunkte dieses Jahres geschafft hat.
Wer aber war Lenné, was hat er geleistet und hinterlassen? Das erklärte Dr. Michael Rohde, Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg, in seiner gut 20-minütigen Festrede und nahm dabei die Gäste mit auf einen Spaziergang durch 200 Jahre Gartenbaugeschichte. Zwar sei Lenné nicht der erste, der Landschaftsgärten entwarf, seine Anregungen holte der spätere preußische Gartenbaudirektor vor allem aus England. Doch Lenné habe etwas Neues hineingebracht: das Integrationsprinzip. Das erklärte Rohde am Beispiel der Ausgestaltung des Schlosses Charlottenhof mit seinen Blumenbeeten, dem Hippodrom und den Römischen Bädern, die als eigenständige Gestaltungselemente in den Landschaftspark integriert wurden. Bei seiner Landesverschönerung der Potsdam-Berliner Kulturlandschaft 1833 schaffte Lenné Höhen und stellte Sichtbeziehungen her zwischen den verschiedenen Parks und Schlössern. Dies brachte dem Ensemble den Status eine Unesco Weltkulturerbes ein – ein Pfunde, mit dem man wuchern könne, so Rhode, doch es sei auch eine schwere Aufgabe, das Erbe zu bewahren.
Einer jungen Zielgruppe das Schaffen Lennés nahe bringen will die Lenné-App, die Bettina Gries am Sonnabend vorstellte. Dort findet man eine Übersicht über 35 wichtigsten Anlagen Lennés in Deutschland, ein ausführliches Porträt des Jubilars und einen Rundgang in zehn Stationen durch den Park Glienicke mit ausführlichen Informationen. Und natürlich findet man auch dort das Programm des Lenné-Jahres. Das umfasst 33 Veranstaltungen mit zahlreichen Führungen, Lesungen und Vorträgen. Höhepunkte sind die Premiere des Films „Glienicke, mein Augapfel“ von Adam Zibell am 7. Juni und ein Parkkonzert am 16. Juli.
Eine Übersicht über die Veranstaltungen im Lenné-Jahr und weitere Informationen zu Glienicke und Peter Joseph Lenné gibt es unter http://www.peter-joseph-lenne.de/
(go)














Foto (bearbeitet): Daniela von Treuenfels[/caption]
Die Stadträtin stoppte eine Kinderbuch-Lesung, es folgte der Vorwurf der Zensur. Junge Leute trafen sich zum Protest, der mit einem Eklat endete.
Daniel Eliasson ist ein bisschen stolz – er hat den Anlass dafür geschaffen, dass sich an einem warmen Spätsommertag mehrheitlich junge Menschen auf dem Hermann-Ehlers-Platz versammeln, um friedlich gegen eine Entscheidung der Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandi (CDU) zu demonstrieren. Als Bezirksverordneter nahm Eliasson Einsicht in die Akten, die aufzeigen, wie es zu bestimmten Entscheidungen der Stadträtin kam. „Ich habe das dann der Morgenpost gegeben“, sagt der Grünen-Politiker – wie man das halt so macht, wenn man ein Thema platzieren will.
Dass Eliasson wenige Minuten später das Mikrofon abgestellt wird und die beiden Versammlungsleiterinnen ihn mit Hilfe der Polizei zum Schweigen bringen werden, weiß der Kandidat für das Abgeordnetenhaus in diesem Moment noch nicht.
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Während er noch spricht, wird dem Grünen-Politiker Daniel Eliasson das Mikro abgedreht. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Aber der Reihe nach.
Zu Jahresbeginn plante die Stadtbibliothek zwei „interaktive Drag Performance Lesungen für Kinder“, die im Herbst stattfinden sollten. Dem Leiter des Fachbereichs war bewusst, „dass diese Art der Leseförderung diskutabel ist und sicherlich auch polarisiert“. So schrieb er es in einer Mail an seine Vorgesetzte Sijbrandij, die er angesichts der „Auswirkungen des letzten Drag-Auftritts“ einbinden wollte.
Hintergrund der Vorsicht sind Ereignisse rund um Drag-Künstlerinnen, die zufällig zeitlich nahezu parallel stattfanden und teilweise ein großes öffentliches Interesse hervorriefen. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass gegen die Berliner Dragqueen Jurassica Parka wegen des Verdachts auf Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt wird. Dabei kam auch an die Öffentlichkeit, dass die seit 20 Jahren aktive Dragqueen bereits drei Jahre zuvor wegen Verbreitens pornografischer Schriften vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte im Berliner Südwesten die Tatsache, dass Jurassica Parka im August 2024 Teil des Drag-Festivals „Queens & Flowers“ im Botanischen Garten war. Die Veranstaltung beinhaltete ein Familienprogramm und eine Vorlesestunde mit Dragqueens, in das Parka jedoch nicht eingebunden war.
Im Auge des Orkans fand sich am 24. Oktober 2025 die Drag-Lesung "Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt" in der Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek. Eingeladen waren Kinder ab vier Jahren. "Die zauberhafte Königin Vicky Voyage und der sagenumwobene König Eric erzählen euch Märchen von Liebe und Toleranz", hieß es in der Ankündigung. "Taucht ein in farbenfrohe und magische Welten!"
Mitten im Sturm: Malgorzata Sijbrandij. Die 45jährige Juristin hatte ihr Amt erst am 15. Oktober angetreten.
Gefragt nach einer Wiederholung reagierte die Stadträtin ablehnend, ihre Haltung begründete sie ausführlich. „Schon bei der Drag-Lesung im letzten Jahr hat mich das Format nicht vollends überzeugt“, so die Dezernentin. Zudem trete die Künstlerin unter dem Namen „King Alexander the Dick“ auf, woran sich Kritiker stören könnten. Die Veranstaltung diene nicht vornehmlich der Leseförderung. Und angesichts der zu erwartenden „polarisierenden Begleitung“ sollten Kinder vor politischer Instrumentalisierung geschützt werden.
Die Korrespondenz der Dezernentin mit der Bibliotheksleitung ist mittlerweile öffentlich auf dem Portal „Frag den Staat“ einsehbar. Die Initiative setzt sich ein für transparentes staatliches Handeln und hilft Bürgerinnen und Bürgern bei Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz.
Das funktioniert nicht immer. Manchmal verweigern Behörden die Auskunft, manchmal mit fadenscheinigen Begründungen wie zu hoher Arbeitsbelastung. Teilweise werden auch hohe Gebühren verlangt, die abschreckend wirken (sollen). Insofern ist die
Die Regenbogenflagge weht über dem Hermann-Ehlers-Platz. Gegenüber befindet sich das Rathaus Steglitz und das Einkaufscenter "Das Schloss", in dem auch die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek ihren Sitz hat. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Auf dem Hermann-Ehlers-Platz hat am 31. August niemand Anteilnahme für eine Amtschefin, die im vergangenen Oktober erlebte, wie eine mediale Welle ihren Schreibtisch anzündete, an dem sie sich gerade einarbeitete. Im Gegenteil – einer der Vorwürfe lautet: Mit ihrer pauschalen Ablehnung stelle Malgorzata Sijbrandij die Dragszene unter Generalverdacht.
„Drag hat nichts mit Sexualität, Kink oder anderen für Kinder ungeeignete Themen zu tun“, sagt Drag Quing Cynna Moon, Quing ist eine Kombination aus Queen und King. Cynna Moon verortet sich also irgendwo zwischen den Geschlechtern, nutzt neutrale Pronomen und ist Sozialarbeiti:. Drag bedeute, sagt Moon, „mutig zu sich selbst zu stehen, und Menschen mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen.“ Es sei „unsere Pflicht, Kinder mit Lebensrealitäten in Kontakt zu bringen, die vielleicht nicht ihre eigenen sind. Menschen anderer Herkunft, anderer Klasse, anderer körperlicher und geistiger Fähigkeiten – und eben auch Menschen verschiedener Sexualitäten, Genderidentitäten und Geschlechtsausdrücken.“ Moons kleine Performance findet Beifall unter den rund 50 Demoteilnehmern.
Franzi Groß von der Grünen Jugend sagt, Bibliotheken sollten auch queeren Jugendlichen einen sicheren Raum bieten: „Bibliotheken sollten für ihre Benutzer*innen einen Safe Space darstellen. Das kulturelle Angebot, das sie bieten sollte so vielfältig sein wie ihre Besucher*innen. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir den Bibliotheken es nicht mehr selbst überlassen zu entscheiden, welche Veranstaltungen sie für angemessen halten?“
Mitglieder der linken Gruppierung "Pride Rebellion" sind unter den Teilnehmern der Demonstration. Niemand stört sich an ihrer Anwesenheit. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In all der Aufregung blieb die Anwesenheit einer antisemitischen queeren Gruppe unbemerkt oder geduldet, in jedem Fall jedoch unkommentiert. „Pride Rebellion“ engagiert sich gegen „Gewalt und Leugnung gegen LGBTI+ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche Personen)“. Im „Kampf gegen Heterosexismus“ müsse man sich zusammentun und verteidigen „gegen das System, das uns unterdrückt“.
„Als Pride Rebellion organisieren wir uns explizit unter jungen LGBTI+ Personen“, heißt es auf der Webseite. Die „Befreiung“ sei im Kapitalismus nicht möglich, daher brauche es den Klassenkampf und die „soziale Revolution“.
Pride Rebellion ist eine Gründung von „Young Struggle“ (YS), die seit 2010 bestehende international agierende Jugendorganisation der türkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP), die in der Türkei verboten ist (