
Polizeioberrat Oliver Hartwich bedankte sich bei Ramy Saadeh für seinen mutigen Einsatz. Foto: Gogol
Weil er Zivilcourage zeigte und damit dazu beitragen konnte, dass ein Ladendieb geschnappt wurde, wurde am Dienstag Ramy Saadeh von Polizeioberrat Oliver Hartwich, Leiter des Polizeiabschnitts 45, geehrt.
Der 6. Mai war ein schöner Tag für Ramy Saadeh. Nach einer überstandenen Tropenkrankheit, die er als Andenken aus Thailand mitgebracht hatte, hatte der 22-Jährige endlich das Krankenhaus verlassen können. Einen schönen Tag auf der Schloßstraße wollte er sich machen, doch als er das Einkaufscenter „Boulevard Berlin“ betrat, wurde er Zeuge eines Diebstahls.
Die Alarmanlage der Douglas-Filiale war losgegangen, ein Mann flüchtete mit vollen Händen Richtung Ausgang und fluchte dabei laut auf russisch, erinnert sich Saadeh. Kurz schaute er sich die Situation an, als ihm klar war, dass es sich um Ladendiebstahl handelte und der Security-Mann eher hilflos wirkte, nahm er die Verfolgung auf – und wurde von einem Polizisten außer Dienst gestoppt. Der dachte zunächst, dass Saadeh der Dieb ist. Doch das Missverständnis wurde geklärt und beide liefen dem Flüchtenden hinterher. Der bewarf seine Verfolger mit dem Diebesgut, doch entkommen konnte er nicht. Schließlich kam auch der Security-Mann dazu. „Ich habe mich zurückgezogen und die Sache den beiden überlassen“, erinnert sich der junge Mann. Er ist Kampfsportler, hätte den Ladendieb durchaus zu Fall bringen könne, „aber ich kenne mich mit der Rechtslage nicht so aus“, so Saadeh. Doch dann brauchte er seine Fähigkeiten doch noch. Der Täter wehrte sich, schubste die beiden anderen Verfolger, die Schwierigkeiten hatten, den Mann unter Kontrolle zu bekommen. Dann wandte er sich auch Saadeh zu. „Ich habe ihn ins Gebüsch geschmissen“, erzählt er. Das hatte er gewählt, um den Täter nicht zu verletzten. Doch dabei zog sich Saadeh selbst Schürfwunden an der Schulter zu, die Narbe ist noch heute zu sehen. Der Dieb wurde verhaftet, das Verfahren läuft noch.
Groß nachgedacht habe er nicht, berichtet Saadeh. Er habe den Security-Mann hilflos stehen sehen und gedacht „Ist das dein Ernst, den (Ladendieb; Anm. d. Red.) kriegt man noch“, erinnert sich der einstige Lankwitzer, der heute in Spandau wohnt. Der zweite war Ärger darüber, dass da jemand klaut. Dass der Dieb, selbst wenn er eine Waffe hätte, nicht schnell ziehen könne, weil er die Hände voller Diebesgut hatte, war Saadeh klar. Diese gute Einschätzung der Situation hängt möglicherweise mit dem Sport zusammen, den er betreibt: Saadeh ist Profisportler im Bereich Mixed Martial Arts, hat einen Vertrag in England und unterricht Kampfsport in Berlin. Außerdem studiert er Sportwissenschaft an der Humboldt-Universität.
Gut gefühlt habe er sich nach der Aktion nicht, eher verärgert. „Am Ende war ich der Idiot mit kaputter Hose und verletzter Schulter“ sagt Saadeh. Dank von Douglas gab es bis heute nicht. Dafür aber jetzt von der Polizei, die neben einer Urkunde und einem Gutschein auch einen Geldbetrag an den jungen Helden überreicht. Der sich aber nicht also solcher sieht. „Ich wollte nicht Batman spielen“, betont er.
Heute, nachdem der Ärger verflogen ist, kann er sich vorstellen, so etwas wieder zu tun, aber nur, wenn er die Situation einschätzen kann.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (