Im Rahmen der Eberswalder Tage der Chor- und Orchestermusik wurde der Lichterfelder Johanneskantorei eine besondere Ehre zuteil: Kantorin Bettina Heuer-Uharek und Irmgard Reihlen, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, nahmen die vom Bundespräsidenten gestiftete erste Zelter-Plakette dieses Jahres entgegen. Überreicht wurde die Auszeichnung von Sabine Kunst, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, in Vertretung des Bundespräsidenten.
100 Jahre ununterbrochene Chortätigkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erhalt der Zelter-Plakette. Sie wird an Chöre verliehen, die sich „im langjährigen Wirken besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes und damit um die Förderung des kulturellen Lebens erworben haben“, heißt sein der Begründung des Preises. Ebenso wird die Chortätigkeit der vergangenen fünf Jahre bewertet.
Seit zwölf Jahren ist Bettina Heuer-Uharek diejenige, die die musikalische und menschliche Einheit des Chores bei Proben, Reisen und Konzerten fördert und fordert. Besonders wichtig ist ihr dabei auch die Chorarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Anlässlich des 100. Geburtstages der Johanneskirche am 31. Oktober 2014 wollten engagierte Gemeindeglieder die Chorgeschichte genauer untersuchen: Hildegard Frisius und Nicole Weyde förderten die notwendigen Unterlagen und Daten zutage und kümmerten sich gemeinsam mit der Kantorin um das aufwändige Antragsverfahren. Eines ihrer Fundstücke ist die Original-Ankündigung des ersten Konzertes des Kirchenchores der Johanneskirche: Am Sonntag, 24. Januar 1915, fand in der einige Monate zuvor eingeweihten Johanneskirche ein Geistliches Konzert unter der Leitung von Leopold Behrends statt. Anlässlich dieses Konzerts sang der Kirchenchor der Johanneskirche nachweislich zum ersten Mal.
In der Johanneskantorei Berlin-Lichterfelde singen heute 68 Sängerinnen und Sänger aller Altersgruppen. Der dienstälteste Bass ist bereits seit mehr als 60 Jahren dabei. Heuer-Uharek übernahm 2004 die Leitung als Kantorin, seitdem ist die Mitgliederzahl des Chores stetig angewachsen. Das Repertoire der Johanneskantorei umfasst geistliche Musik vom Barock bis zur Moderne. Die Kantorei gibt im Rahmen der Konzertreihe „Sonntagabendmusik“ zwei Konzerte pro Jahr und singt regelmäßig in den Gottesdiensten.
Die Zelter-Plakette wird im Kirchraum der Johanneskirche dauerhaft ausgestellt. Die Präsentation erfolgt bei dem Konzert der Johanneskantorei am 11. September 2016.
(sn)











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (