
Die Kulisse steht, die Proben laufen - Ende Februar zeigen die Schattenlichter Kästners "Verwandte sind auch Menschen". Foto: Gogol
Im Gemeindehaus der Paulusgemeinde in Zehlendorf laufen die Proben der Schattenlichter derzeit auf Hochtouren. Die erste Sonntagsprobe liegt schon hinter den 16 Mitstreitern – das heißt, die Aufführungen sind nicht mehr weit. Vom 25. bis 28. Februar zeigt die Laien-Theatergruppe in diesem Jahr erstmals ein Stück von Erich Kästner, „Verwandte sind auch Menschen“. Es ist ein Jubiläumsstück für die Theatergruppe, die vor 30 Jahren gegründet wurde.
Mit einem Schattenspiel für den Weihnachtsgottesdienst 1985 nahm die Geschichte der Schattenlichter ihren Ursprung. Damals war es die Konfirmandengruppe der Paulusgemeinde, die unter der Leitung des damaligen Pfarrers ein Stück einstudierte und zur Aufführung brachte. Im Publikum saß damals auch Elke Brumm. Im darauffolgenden Jahr stand sie schon selbst auf der Bühne – und tut es bis heute. Brumm ist damit das „dienstälteste“ Schattenlicht, kann also auch über deren Geschichte erzählen.
Zwei bis drei Jahre habe die Gruppe sich noch an den Weihnachtsspielen versucht, erzählt die 43-Jährige. „Dann wollten wir mehr, auch etwas anderes spielen“. Für den Pfarrer war das zuviel Arbeit und so übernahm Brumm zusammen mit anderen Mitgliedern die Organisation.
Die Mitglieder der Gruppe spielten nicht nur, so entwarfen und bauten sie auch die Requisiten und Bühnenbilder, übernahmen die Beleuchtung, organisierten die Proben — das ist auch heute noch so. Erhalten geblieben ist über die Jahre auch eine andere Tradition: Der Regisseur ist die Gruppe. Wer nicht auf der Bühne steht, sitzt davor und „gibt seinen Senf dazu“, sagt Brumm. Nur bei zwei der mittlerweile 33 Stücke gab es einen Regisseur. Das Ergebnis sei aus ihrer Sicht nicht besser gewesen, dafür habe das gemeinsame Erlebnis, „das Gefühl, das haben wir gemeinsam geschafft“ gefehlt.
Auch die Stückauswahl geschieht gemeinsam. Jedes Mitglied sagt, ob es wieder dabei ist und ob es eine große oder eine kleine Rolle spielen will. Dann gehen die Mitglieder auf die Suche nach Stücken, die passen könnten. „Ursprünglich wollten wir Stücke des 20. Jahrhunderts spielen – das stimmt heute nicht mehr. Früher sollten die Stücke zeitkritisch sein, heute sollen sie auch unterhalten. Wir wollen die Leute ja nicht deprimieren“, sagt Brumm. Und schließlich sei es als Laien-Schauspieler auch schön, wenn man das Publikum zwischendurch lachen und klatschen hört.
In diesem Jahr haben sich die Schattenlichter für den Vorschlag von Imke Seipel entschieden. Die 32-jährige Apothekerin ist seit 2012 Mitglied der Schattenlichter. „Es passte wie die Faust aufs Auge“, sagt Seipel zu ihrer Wahl. Das Stück habe einen netten Witz und außerdem sei ja Kästner-Jahr. Angepasst werden musste das Stück trotzdem ein wenig, zwei Rollen wurden gestrichen. Was Jörg Klein sehr schade findet. Er steht in diesem Jahr in seinem neunten Stück mit den Schattenlichtern auf der Bühne. In einer lokalen Zeitung hat er damals von der Truppe gelesen und sich per E-Mail beworben. Er hatte Glück, eine kleine Rolle war frei. Und so stand der damals 44-Jährige als alter Mann auf der Bühne. Damals habe er sein bisher größtes Kompliment bekommen. „Ich hab es damals aus dem Publikum raunen hören: Dass der alte Mann noch auf der Bühne steht und sich den Text merken kann!“, erzählt Klein lachend.
Es sei eine große Herausforderung, jedes Jahr ein Stück auf die Bühne zu bringen – und viel Arbeit, sagt Brumm, doch am Ende sieht man das Ergebnis und bekommt Rückmeldungen aus dem Publikum. Und das wird immer zahlreicher. In diesem Jahr wird es erstmals vier Aufführungen geben, weil die Karten für die bisher drei Abende immer sehr schnell ausverkauft waren.
Mitmachen kann jeder bei den Schattenlichtern, ob mit oder ohne Theatererfahrungen. Man sollte nur eine laute Stimme mitbringen, die Bereitschaft, gemeinsam Regie zu führen und neben der Rolle einen weiteren Job zu übernehmen, wie Plakate kleben, Requisiten bauen oder Programmheft gestalten.
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Karten für die vier Aufführungen „Verwandte sind auch Menschen“ vom 25. bis 28. Februar jeweils um 20 Uhr kosten fünf Euro und können unter anderem auf der Homepage der Schattenlichter, www.schattenlichter.info, bestellt werden.
(go)












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