Ballerspiele - nein danke. Die SPD will, dass in den Bibliotheken keien Egoshooter gespielt werden können. Foto: Screenshot

Sollte es erlaubt sein in den Steglitz-Zehlendorfer Bibliotheken Egoshooter-Spiele zu spielen? Nein, findet der Bezirksverordnete Martin Kromm (SPD). Deshalb stellte er den Antrag, dass in den Bibliotheken sicher gestellt werden soll, dass diese sowie weitere Kriegsspiele nicht an den Computerarbeitsplätzen gespielt werden können. Das sei nicht nur geboten, sondern entspreche auch dem Jugendschutzgesetz, erklärte Kromm im Ausschuss für Bildung, Kultur und Bürgerdienste am Mittwochabend.

Wiederholt habe er, wenn er mit seinem Sohn die Vorlesenachmittag in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek besuchte, festgestellt, dass Jugendliche an den Computern saßen und diese Art von Spielen aufgerufen hatten. Als er das Personal angesprochen habe, sei ihm gesagt worden, dass man das dort lockerer sehe, erzählte Kromm.

Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) wies darauf hin, dass laut Nutzungsbedingungen der Bibliothek rassistische, sexistische und Gewalt verherrlichende Spiele verboten seien. Dementsprechend gebe es auch Filter und Kindersicherungen. Doch sie wusste auch, dass nicht verhindern kann, dass Kinder und Jugendliche trotzdem an solche Spiele kommen. Mitarbeiter würden deshalb schauen, ob diese Art Spiele gespielt würden, dies untersagen und notfalls von ihrem Hausrecht Gebrauch machen.

Das bestätigte auch Eveline Dreher, Leiterin des Fachbereichs Bibliotheken und der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek. Doch sie gab auch zu bedenken, dass die Bibliothek mehrere hundert Besucher habe und die Mitarbeiter nicht immer in der Nähe der Internetarbeitsplätze sein könnten. „Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz, dass kein Unfug getrieben wird. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nur, wenn wir das Internet abschalten“, so Dreher.

Die Ausschussmitglieder der anderen Fraktionen hielten wenig vom SPD-Antrag. Nicht Verbote würden helfen, sondern eine entsprechende Medienerziehung, fand Georg Boroviczény (Piraten), Carsten Berger (Grüne) wollten sich selbst gern ein Bild vor Ort machen und Lukas Uhde, Bürgerdeputierter für die Grünen, hatte noch jede Menge Frage. Sollten nur Jugendlichen die Spiele verboten werden oder auch Erwachsenen? Sollten nur Egoshooter vom Verbot betroffen sein oder auch andere (Kriegs)Spiele?

Mehrfach wiesen die Ausschussmitglieder darauf hin, dass es auch Spiele gibt, die auch Jugendlichen erlaubt seien. Doch das wollte Kromm als Argument nicht zulassen. So hielten sich etwa während der Vorlesenachmittag sehr junge Kinder in der Bibliothek auf, die die Spiel verfolgen könnten.

Zu einer Lösung kamen die Ausschussmitglieder an diesem Abend nicht, der Antrag wurde vertagt. Auch um jedem die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild zu machen und das Anliegen noch einmal zu durchdenken.

(go)