Nach einigen Irrungen macht Burhan Karaca jetzt sein Hobby zum Beruf. Mit ihm freuten sich Bürgermeister Norbert Kopp (links), Sozialpädagogin Birgit Krüger und Stiftungsverwalter Manuel Kühnert. Foto: Gogol

Sein Hobby zum Beruf macht Burhan Karaca. Der 20-Jährige lernt im Ausbildungswerk Kreuzberg (ABW) das Handwerk des Elektronikers. Am Donnerstag erhielt der junge Mann von Steglitz-Zehlendorfs Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) ein Stipendium. Ein Jahr lang werden Karaca für seine „Strebsamkeit“ monatlich 100 Euro überwiesen.

Schon seit seiner Kindheit interessiere er sich für allen rund um das Thema Elektronik, erzählte Karaca. Sein Vater sei ein Hobbybastler und habe ihn mit seiner Leidenschaft angesteckt. Er schenkte ihm kleine Batterien und Motoren, ließ ihn Geräte auseinandernehmen und half ihm wieder beim zusammensetzen. Von seinem Taschengeld habe er sich keine Spiele oder ähnliches gekauft, sondern Bauteile, erzählte Karaca. Er sei richtig besessen gewesen, wollte unbedingt die Ausbildung zum Elektroniker machen. Doch dann machte sich der junge Mann fast selbst einen Strich durch die Rechnung. Er hatte die falschen Freunde, war schon fast auf der schiefen Bahn, erinnerte sich der Azubi im zweiten Lehrjahr. „Ich habe Scheiße gebaut“, gab er zu. Dass er die Kurve kriegte, habe er seinem Vater zu verdanken, sagte er, und einem Zufall. Im Jugendamt habe er den Flyer des ABW entdeckt. Die boten die Ausbildung zum Elektroniker an und hatten ihren Sitz gleich um die Ecke. „Ich wollte meine Familie wieder stolz machen“, so Karaca.

Er habe viel nachzuholen, dass merke er in der Ausbildung, erzählte Karaca. Vieles habe er in der Schule versäumt. Aber er habe einen tollen Meister, der ihn im allen unterstütze, schwärmte der junge Mann, der immer wieder betonte, wie froh er sei, sein Hobby zum Beruf machen zu können. Doch es sei nicht nur Spaß und Basteln, warf da Birgit Krüger, die Sozialpädagogische Leiterin des ABW Kreuzberg, ein. Karacas Meister und der Geselle seien von ihrem Azubi überzeugt, betonte sie. „Man nennt ihn auch MacGyver.“

Die 100 Euro monatlich will Karaca in neue Bauteile investieren, aber auch in einen Führerschein. Letzterer mache ihn für den Arbeitsmarkt attraktiver, erklärte er.

Jährlich vergibt der Bezirk Steglitz-Zehlendorf Stipendien aus der Dillan-Stiftung an einen „strebsamen Handwerkslehrling“. Die Stiftung geht zurück auf die testamentarische Verfügung des 1956 verstorbenen Bankdirektors Ernst Dillan, der dem Land Berlin 100.000 DM (51.129,19 Euro) für eine „wohltätige Stiftung zur Förderung strebsamer, mittelloser, junger Menschen in den ersten Jahren ihrer Ausbildung für einen Handwerksberuf“ anbot. Jedes Jahr fragt Stiftungsverwalter Manuel Kühnert bei der Senatsverwaltung an, wer in diesem Jahr förderungswürdig sei. Es gibt drei Kriterien: die Ausbildung in einem Handwerksberuf, die Strebsamkeit und die soziale oder finanzielle Bedürftigkeit. Da das Stiftungskapital in Wertpapieren angelegt ist, hänge die Zahl der zu vergebenen Stipendien von den Erträgen der Papiere ab. In diesem Jahr habe es nur für ein Stipendium gereicht, so Kühnert. Es waren aber in manchen Jahren auch schon drei Auszubildende, die sich über dieses kleine Zubrot freuen konnten.

In den vergangenen 56 Jahren wurden 250 Jugendliche mit insgesamt 183.300 Euro gefördert.

(go)