
Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (links) und Superindentend Johannes Krug putzten gemeinsam den Stolperstein für Hilda Ehrke. Anschließend wurden eine Kerze entzündet und Blumen niedergelegt. Foto: Gogol
Mit Putzschwamm und Lappen erinnerten am Sonnabend in Steglitz-Zehlendorf Menschen an die Pogromnacht vor 75 Jahren. Sie putzten die Stolpersteine deportierter und ermordeter Juden. An die Clayallee kamen auch der Superintendent des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf, Dr. Johannes Krug, und Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU), um gemeinsam den Stein für Hilda Ehrke zu putzen. „Es ist das Mindeste, was wir tun können“, sagte Krug vor dem Haus mit der Nummer 232, in dem Ehrke bis zu ihrer Deportation nach Ravensbrück am 29. Januar 1943 lebte. Nur acht Wochen später wurde sie in Auschwitz ermordet.
Auch zwei Verwandte von Hilda Ehrke waren zur Aktion gekommen, ihre 87-jährige Schwiegertochter Eva-Maria Ehrke und ihr Enkel Bernd Ehrke. Beide haben ihre Schwiegermutter beziehungsweise Oma nie kennengelernt. Viel wüssten sie nicht über sie, erzählte Bernd Ehrke. Dass sie in Wien geboren wurde, dass sie zwei Schwestern hatte, die die Shoa unbeschadet überlebt haben. Und dass sie mit ihren beiden Söhnen gern an die Ostsee gefahren ist. Durch Zufall habe er vor zwei Jahren von seiner Oma erfahren, erzählte Ehrke. In einer Zehlendorfer Jahreschronik habe er von dem Stolperstein für Hilda Ehrke gelesen. Darauf hin habe er seinen Vater gefragt, der aber nicht viel erzählte. Er habe diese Zeit ausgeblendet, berichtete Ehrke. Dass was die Familie über Hilda Ehrke weiß, hat eine Cousine herausgefunden.
„Lasst uns diesen Stein putzen, damit man ihn sieht und nicht vergisst“, so Krug. Man gedenke den Opfern, ihren Schmerzen, ihren Sorgen, ihren Ängste, den Kinder, die ermordet wurden.
Kopp findet das Stolperstein-Projekt faszinierend, weil es an die Einzelschicksale erinnere und „den Opfern ihre Namen zurück gibt“. Für Eva-Maria Ehrke ist dies ein „ehrenwetes Andenken“.
Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Denkmal, mit mehr als 45.000 verlegten Steinen europaweit. In Zehlendorf sind rund 140 Steine verlegt, in Steglitz 130. Im kommenden Jahr kommen 27 weitere hinzu. Sämtliche Steine werden durch Spenden finanziert.
Das Putzen der Stolpersteine findet berlinweit statt, alle Berliner sind aufgerufen, mitzumachen.
(go)













Foto: Haus der Jugend Zehlendorf[/caption]
Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren können vom 19. Bis 23. Oktober an einer Fahrt nach Krakau und zu den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau teilnehmen. Interessierte können sich bis zum 22. Juni anmelden.
In einem gemeinsamen Projekt wollen vier Steglitz-Zehlendorfer Jugendeinrichtungen ein „starkes Zeichen für die Stärkung der Erinnerungskultur und die Förderung der Gedenkstättenpädagogik“ setzen. Vom 19. Oktober bis 23. Oktober findet eine Bildungsfahrt nach Krakau statt, bei der die Teilnehmenden die historischen Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besuchen sowie eine Stadtführung in Krakau erleben werden.
Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren, die durch diese Reise nicht nur wertvolles Wissen über die Geschichte des Holocaust erlangen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich aktiv mit den Themen Erinnerung, Verantwortung und Zivilcourage auseinanderzusetzen.
Geplant sind zwei Exkursionen mit fachkundigen Führungen in das Auschwitz Stammlager sowie Auschwitz-Birkenau mit der Chance auf tiefe Einblicke in die Geschichte und die Auswirkungen des Holocaust. In Krakau steht eine Stadtführung auf dem Programm, bei der die Teilnehmenden mehr über die kulturellen und historischen Hintergründe der Stadt und die jüdische Community erfahren.
Wichtig: die Anmeldefrist endet am 22. Juni. Alle Infos: